Die CDU verteidigt voraussichtlich ihre Mandate, doch die AfD erzielt in mehreren Gemeinden Bestwerte. SPD und FDP erleben einen bitteren Abend. Was bedeutet das für die Region?
Strahlende Gesichter bei den Christdemokraten, Ernüchterung bei der SPD – und Jubel bei der AfD: Als um 18 Uhr die ersten Hochrechnungen über die Bildschirme flimmern, zeichnet sich ab, wie sich die Verhältnisse im Rems-Murr-Kreis verschieben werden. Zwar steht das endgültige Ergebnis noch aus, doch eines ist sicher: Die CDU findet zu früherer Stärke zurück, die SPD verliert deutlich an Boden, die Grünen bleiben unter ihren Erwartungen – und die AfD verzeichnet beachtliche Zugewinne.
Wahlkreis Waiblingen
Christina Stumpp (CDU) kann sich bereits früh relativ sicher sein, dass ihr Direktmandat nicht in Gefahr sein dürfte. Die amtierende Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Generalsekretärin der CDU aus Waiblingen wird ihren Arbeitsplatz in Berlin behalten. Schon kurz nach den ersten Auszählungen ist die Erleichterung im CDU-Lager deutlich spürbar.
Bedrückter ist die Stimmung bei der SPD. Seine Stimmung sei zweigeteilt, sagt Urs Abelein für seine Partei. Da ist die Enttäuschung, dass sich die schlechten Prognosen für seine Partei erfüllt haben. Andererseits sei er froh, dass die Zeit des sehr intensiven Wahlkampfs nun ein Ende habe. Zum Ergebnis der Bundestagswahl sagt Urs Abelein: „Ich glaube nicht, dass das gut für unser Land ist. speziell das AfD-Ergebnis.“ Nun müsse man schauen, welche Regierungskonstellation möglich sei.
Grüne froh über Erfolg der Linken
„Das Ergebnis ist grundsätzlich keine große Überraschung“, sagt Sarah Heim (Bündnis 90/Grüne). Nun heiße es abwarten, ob ihre Partei auf 12, 13 oder 14 Prozent komme. Insgesamt sei es gut, dass Die Linke zugelegt habe. „Ich hoffe, dass die FDP und BSW nicht mehr in den Bundestag kommen.“ Das gute Ergebnis von Die Linke zeige aber auch, dass ihre Partei es im Wahlkampf nicht geschafft habe, linkes Wählerpotenzial anzusprechen. „Man hätte mehr auf die linke Strömung innerhalb der Partei und deren Themen setzen müssen.“
Die Stimmung bei der AfD-Wahlparty sei ausgesprochen gut, berichtet Lars Haise: „Wir hoffen und drücken die Daumen, dass der Balken noch über 20 Prozent geht.“ Das beste Ergebnis bei einer Bundestagswahl habe seine Partei trotz medialem Gegenwind und Kampagnen einfahren können. „Die AfD steht besser da als zuvor“, kommentiert Haise. Im Wahlkampf habe er viel mehr Zulauf registriert: „Die Infostände waren gerammelt voll.“ Die hohe Wahlbeteiligung wertet Lars Haise als Indiz dafür, dass „die Leute die Nase voll haben und Veränderung wollen“.
Ernüchterndes Ergebnis für die FDP
Für die FDP bleibt das Ergebnis ernüchternd. Der Wirtschaftsprofessor Stephan Seiter, aktueller Bundestagsabgeordneter, muss bangen, ob es seine Partei in den Bundestag schafft. Bei der Wahlparty der Rems-Murr-FDP im Remshaldener Hirsch ist das Zittern um den erneuten Einzug in den Bundestag greifbar. „Es ist nur ein Muggaseggele“, sagt Stephan Seiter, was fehle. Der Wähler hat die FDP für ihre Rolle in der Ampelkoalition abgestraft. Die ARD sieht die Liberalen mit 4,9 Prozent knapp unter der magischen Marke, das ZDF rechnet mit einer Punktlandung exakt auf der Fünf-Prozent-Hürde. Wo es letztlich hingeht, ist bis spät in die Nacht nicht klar. Seiter geht davon aus, dass er dem neuen Bundestag mit einem neunten Platz auf der Landesliste auch dann nicht angehören wird, wenn seine Partei den Sprung in den Bundestag noch schafft. Bei Ruben Hühnerbein aus dem Nachbarwahlkreis ist definitiv klar, dass Platz 29 nicht für ein Ticket nach Berlin reicht.
Backnang/Schwäbisch Gmünd
Im Wahlkreis Backnang/Schwäbisch Gmünd kann sich die CDU-Kandidatin Ingeborg Gräßle zufrieden zeigen. Die ehemalige Europaabgeordnete dürfte ihr Direktmandat mit klarem Vorsprung verteidigen, wenngleich die AfD in einigen Kommunen bei den Erststimmen dicht an die Christdemokraten heranrückte, in manchen, etwa Großerlach, landete der AfD-Kandidat Ruben Rupp sogar auf Platz eins. Der Landtagsabgeordnete und Kaufmann konnte sich schon am frühen Abend dank Landeslistenplatz 5 beste Chancen ausrechnen, nach Berlin umziehen zu dürfen. Auch deshalb hört sich Jubel anders an als bei Ingeborg Gräßle. Die CDU-Bundestagsabgeordnete kann zwar davon ausgehen, dass sie das Direktmandat erneut gewonnen und damit auch ein Ticket nach Berlin gelöst hat. Mit dem Ergebnis hadert sie nach den ersten Hochrechnungen dennoch: „Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass eine Drei vorne ist“, sagt Gräßle. Trotz des erfreulichen Abschneidens der CDU sei die politische Mitte durch das Wahlergebnis instabiler geworden: „Ich hoffe inständig, dass es für die FDP und fürs BSW nicht reicht – und wir nur einen Koalitionspartner für die Bildung brauchen.“
Ricarda Lang ist abgesichert aber enttäuscht
Auch Ricarda Lang (Grüne) wird dank Rang zwei auf der Landesliste sicher in den Bundestag einziehen, doch mit dem Abschneiden ihrer Partei ist sie unzufrieden. „Wir sind zwar wohl die Partei, die von der Ampelkoalition den geringsten Schaden genommen hat, aber natürlich liegen wir weit hinter unseren Ansprüchen“, sagte sie am Abend nach den ersten Hochrechnungen.
SPD-Kandidat Tim-Luka Schwab hingegen musste am Abend das Ergebnis seiner Partei verdauen, von dem er sich selbst auch kaum lösen konnte. Auch Ruben Hühnerbein (FDP) war alles andere als zufrieden. Allerdings musste er um sein Mandat nicht zittern. Auch wenn die FDP noch die Fünf-Prozent-Hürde schaffen sollte, das war am frühen Abend klar, würde sein Listenplatz ganz sicher nicht ausreichen. Nina Eisenmann (Linke) durfte sich über den unerwarteten Achtungserfolg ihrer Partei freuen.
Hinweis: Dieser Artikel basiert auf den vorläufigen Auszählungsergebnissen vom frühen Abend des 23. Februar. Endgültige Resultate können davon abweichen.