Bundestagswahl im Wahlkreis Böblingen Bacherle und Toncar müssen sich neu orientieren
Tobias Bacherle (Grüne) und Florian Toncar (FDP) aus dem Wahlkreis Böblingen schaffen den Wiedereinzug nicht. Ihre berufliche Zukunft ist momentan noch offen.
Tobias Bacherle (Grüne) und Florian Toncar (FDP) aus dem Wahlkreis Böblingen schaffen den Wiedereinzug nicht. Ihre berufliche Zukunft ist momentan noch offen.
Lange stand es auf der Kippe, gegen 22.30 Uhr am Sonntagabend stand dann fest: Der Sindelfinger Grünen-Abgeordnete Tobias Bacherle fliegt nach vier Jahren wieder aus dem Bundestag. Am Ende reichte es in Baden-Württemberg für die Grünen nur für zwölf Plätze – Bacherle stand auf Listenplatz 14.
Am Morgen danach klingt er recht gefasst und sortiert. Die Müdigkeit ist ihm allerdings deutlich anzuhören. Erst kurz nach 2 Uhr sei er ins Bett gekommen. Nach einer kurzen Nacht muss er schon viele Telefonate führen – darunter mit seinem Mitarbeiterteam. „Es geht jetzt darum, dass die neue Jobs finden“, erklärt er.
In der Online-Pressekonferenz des Landratsamtes sagt Tobias Bacherle später, es sei ein „krasses Privileg“ gewesen, den Wahlkreis in Berlin vertreten zu dürfen. Das Ergebnis der Grünen sei zwar hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben, „trotzdem sind die 11,6 Prozent das zweitbeste Ergebnis, das wir bei einer Bundestagswahl je geholt haben“, betont der 30-Jährige, der sich am späten Vormittag bereits auf dem Weg nach Berlin befindet.
Noch 30 Tage sind die aktuellen Abgeordneten im Amt, dann endet die Wahlperiode. Wie es für Bacherle danach beruflich weitergeht, kann er noch nicht sagen. „Es gibt ein paar Ideen, aber ich habe mich damit zuletzt nicht konkret beschäftigt.“ Im Bereich Politische Kommunikation habe er Erfahrung und auch noch Kontakte, er wolle demnächst in Gespräche einsteigen. Schön, dass es jetzt anders weitergehen wird.
Wie Tobias Bacherle scheidet auch Florian Toncar (FDP) wieder aus dem Bundestag aus – für den 45-Jährigen nichts so Neues, kann er doch bereits auf eine ansehnliche politische Karriere zurückblicken. Bereits 2005 zog er ins Parlament ein, um 2013 mit der FDP wieder auszuscheiden. In den Folgejahren arbeitete er bei einer internationalen Wirtschaftskanzlei in Frankfurt, ehe er 2017 erneut in den Bundestag einzog und zuletzt gar Staatssekretär im Finanzministerium war. Jetzt ist wieder Schluss, die FDP scheitert an der Fünf-Prozent-Hürde.
„Es war ein außerordentlich schwieriger Wahlkampf“, sagte Toncar in der Online-Konferenz des Landratsamtes, „es ist uns nicht gelungen, mit ausreichend eigenen Themen und Glaubwürdigkeit gegen den Trend anzusteuern.“ Der 45-Jährige hat bei den Erststimmen im Vergleich zu 2021 mehr als zehn Prozentpunkte verloren, seine 6,1 Prozent sind aber bei dem desaströsen FDP-Ergebnis bei dieser Wahl noch extrem gut. Mehr noch: „Es ist das beste Erststimmenergebnis für die FDP bundesweit“, so Toncar. Das Zweitstimmenresultat sei bundesweit das viertbeste der Liberalen.
Toncar kündigt an, ehrenamtlich weiter für die Partei aktiv zu sein. „Ich würde mich für den FDP-Bundesvorstand wieder zur Verfügung stellen, der im Mai gewählt wird“, sagt er. Und er wolle den Landtagsabgeordneten Hans Dieter Scheerer aus Weil der Stadt bei der Landtagswahl 2026 unterstützen.
Wie es bei ihm beruflich weitergeht, will Toncar erst mit etwas Abstand klären. Zunächst gelte es, die Wahlperiode gut zu Ende zu bringen und sich um die eigenen Mitarbeiter zu kümmern. Offenbar bricht für ihn aber nicht die Welt zusammen. „Es ist keine Körperverletzung, wieder einem normalen Beruf nachzugehen“, sagt er knitz.
Sowieso sei der eigentliche „Wahlgewinner“ seine Familie. „Die können sich jetzt auf freie Wochenenden freuen“, lächelt der dreifache Familienvater. Und so schließt der 45-Jährige seine Ausführungen mit dem Spruch: „Älles isch gut für ebbes“. Das sei nicht nur schwäbisch, sondern auch weise.