Die Diakonie Stetten lädt in ihre Remstal Werkstätten nach Waiblingen – zum Podiumsgespräch mit Bundestagskandidaten.

Waiblingen - Gleich zu Beginn hat es ein Beschäftigter der Remstal Werkstätten auf den Punkt gebracht: „Politiker sind halt alles auch nur Menschen.“ Stimmt, meint Jürgen Lutz, der das Podiumsgespräch in einfacher Sprache mit Bundestagskandidaten auf Einladung der Diakonie Stetten moderiert hat. Seine Rolle definierte der 46-jährige Politikwissenschaftler so: „Ich versuche zu verstehen und zu erklären, was diese Damen und Herren machen.“

Die Damen und Herren waren Andrea Sieber (Grüne), Sybille Mack (SPD), Reinhard Neudorfer (Linke) und – in Vertretung für den Bundestagkandidaten Joachim Pfeiffer – der CDU-Mann Salahdin Koban. Ihre Zuhörerschaft im voll besetzten Speisesaal: Mitarbeiter der Remstal Werkstätten, also Menschen mit kognitiven und psychischen Beeinträchtigungen, sowie Mitarbeiter der Diakonie Stetten.

Demokratie ist: alle sind Könige

„Wir haben keinen König, wir sind alle die Könige“, erklärte Jürgen Lutz den Begriff „Demokratie“. Und wozu braucht es dann Abgeordnete? „Weil wir nicht alles entscheiden können“, war die Antwort aus dem Publikum. Die Zuhörerschaft hatte auch Antworten parat auf die Frage, wieso man überhaupt zur Wahl gehen sollte. „Weil man sich sonst nicht beschweren darf“, fand eine Teilnehmerin, ein anderer Zuhörer formulierte es positiver: „Weil man so mitbestimmen kann.“ Teilhabe und Inklusion waren natürlich wichtige Themen in dieser Runde. „Was tut die CDU dafür?“, war eine Frage aus dem Publikum. Salahdin Koban führte das Ende 2016 verabschiedete und durchaus umstrittene Bundesteilhabegesetz ins Feld. „Das Gesetz ist nur ein Anfang, aber der richtige Schritt“, so Koban. Sybille Mack sagte unter anderem, die SPD wolle Menschen mit Behinderungen besseren Zugang zum ersten Arbeitsmarkt verschaffen, in dem sie Arbeitgeber mehr in die Pflicht nehmen, diese aber auch beraten und unterstützen wolle. In Andrea Siebers Augen ist mit dem neuen Gesetz längst nicht genug getan: „Wir hätten uns da weit mehr gewünscht.“ Sie kritisierte: „Die Selbstbestimmung wird den Betroffenen oft schwer gemacht.“ Immerhin liege der Freibetrag für Menschen mit Behinderungen nun statt bei 2600 Euro Sparvermögen bei 25 000 Euro und werde ab 2020 auf 50 000 Euro erhöht.

Kritik am Teilhabegesetz

Rainer Hinzen, der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Stetten, äußerte so seine Bedenken an dem Gesetz. Einerseits wolle man die Inklusion damit fördern, andererseits die Ausgabendynamik bremsen und die Kosten dämpfen – „Wie soll das funktionieren?“, wollte Hinzen wissen. „Wir sollten die Resultate des Gesetzes abwarten“, meinte dazu Salahdin Koban. Sybille Mack äußerte die Überzeugung: „Wir sind auf dem richtigen Weg, aber es gibt Stolpersteine und die muss man im Auge behalten.“ Reinhard Neudorfer sagte dazu: „Kürzungen kommen für uns nicht in Frage. Es ist genug Geld da im Land, das ist nur eine Frage der Verteilung.“

Zum Thema Geld kam dann gleich die nächste Frage aus dem Publikum. „Wieso verdienen Menschen hier in den Remstal Werkstätten so wenig?“ Die Antwort musste in diesem Falle Rainer Hinzen liefern: „Die Werkstatt kann nur verteilen, was am Ende übrig bleibt. Wenn wir mehr einnehmen würden, könnten wir mehr verteilen.“ Da konnte dann Neudorfer nachlegen: „Öffentliche Einrichtungen sollten bevorzugt Aufträge an Werkstätten vergeben. Das wäre immerhin ein kleiner Schritt.“