Bundestagswahl in Ludwigsburg Ist die Zeit der CDU-Durchmärsche vorbei?

Die Ausgangslage ist spannender als in den vergangenen Jahren: Wer wird den Wahlkreis Ludwigsburg in der nächsten Legislaturperiode in Berlin vertreten? Foto: privat (4), dpa (2), Simon Granville

Der CDU-Mann Steffen Bilger hat in der Grünen Sandra Detzer eine starke Widersacherin im Ringen um das Direktmandat. Doch am Ende könnte die Zahl der Ludwigsburger Abgeordneten sogar steigen.

Kreis Ludwigsburg - Das Wort Durchmarsch – oder besser Durchmärsche – beschreibt ziemlich gut, wie die Bundestagswahlen für Steffen Bilger liefen, seit er erstmalig im Wahlkreis Ludwigsburg kandidierte. 2009 und 2017 kratzte der Christdemokrat jeweils an der 40-Prozent-Marke und ließ die Konkurrenz bei der Jagd nach dem Direktmandat weit hinter sich. Sein Ergebnis von 2013 hätte selbst CSUler in Niederbayern stolz gemacht: Er holte gut 50 Prozent, knapp zehn Prozent mehr, als die CDU im Bundesschnitt errang.

 

Keine Frage: Auch 2021 ist die Gegend um Ludwigsburg vielerorts strukturell konservativ – CDU-Land eben. Dennoch könnte der Weg zum Direktmandat jetzt härter für Bilger werden. „Das Verhalten von Wählern und Wählerinnen hängt im wesentlichen von drei Faktoren ab“, sagt Michael Wehner, Abteilung Regionale Arbeit der Landeszentrale für politische Bildung: „Kandidierende, Parteiidentifikation, Themenkonjunkturen.“

Verkehr und Sicherheit sind Themenschwerpunkte in Ludwigsburg

Zur Parteiidentifikation kann man anmerken, dass sich in Wahlkreisen auch Bundestrends niederschlagen und es für die CDU schon einmal besser aussah. Sollte aus dem Kanzlerkandidaten Armin Laschet nicht noch ein echter Leader werden, dürfte Bilger den Effekt beim eigenen Ergebnis spüren.

Themenkonjunkturell schweben derzeit die Komplexe Klimaschutz und Corona über allem, vor allem Ersteres ist kein CDU-Heimspiel. In Sachen „Themen vor Ort“ betont Bilger, dass vor allem Mobilitätsfragen viele Wähler beschäftigten, von Staus auf den Straßen bis zum Ausbau der ÖPNV-Netze. Außerdem hat er beobachtet, dass die Frage nach der Sicherheit in den Städten die Menschen umtreibe. Hierzu hat übrigens der zweite Ludwigsburger Bundestagsabgeordnete Martin Hess – wenig überraschend für einen AfD-Sicherheitsexperten – eine sehr klare Meinung: „Ludwigsburg wird wegen der verfehlten Migrationspolitik der Bundesregierung immer unsicherer, gerade der Akademiehof und der Hauptbahnhof werden zu Hotspots von Kriminalität und Gewalt“, sagt Hess, der generell die Themen „Freiheit, Sicherheit, Wohlstand“ als entscheidend für das Kreuzchen vieler Ludwigsburger ansieht.

Wie steht es also um die Chancen der Kandidierenden? Steffen Bilger ist nach drei Wahlperioden bekannt in der Region, 2018 hat er es zum Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium gebracht. Einfluss und Bekanntheit sind Punkte für ihn. Allerdings hat er in Sandra Detzer, der Landesvorsitzenden der Grünen, eine starke Gegnerin, wenngleich sie nicht aus dem Kreis Ludwigsburg kommt. Und: die Grünen haben zuletzt bei den Landtagswahlen in Ludwigsburg das Direktmandat geholt.

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„Sandra Detzer ist einer interessierten politischen Öffentlichkeit vertraut“, so die Einschätzung von Michael Wehner. Sie müsse indes im Wahlkampf versuchen, ihren Bekanntheitsgrad bei den Wählern zu steigern. Detzer selbst sagt: „Herrn Bilgers vermeintlicher Heimvorteil kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die CDU schwach aufgestellt ist und keine einheitliche Marschrichtung hat.“ Sie kenne nach zehn Jahren Landespolitik die Nöte, Sorgen und Hoffnungen vieler Menschen aus erster Hand und wisse, dass viele Unternehmen und die Gesellschaft oft schon viel weiter seien, „als es uns die alte Bundesregierung hat glauben machen wollen“. Steffen Bilger weiß, dass ihm ein „schwierigerer Wahlkampf als bei vergangenen Kandidaturen“ bevorsteht. Er nimmt es sportlich: „Die Menschen haben mich über die Jahre kennengelernt, ich bringe eine gute Bilanz mit.“ Insgesamt erlebe er die Stimmungslage trotz aller Herausforderungen als gut. „Wir sind ein starker Landkreis.“ Die Stärken des Kreises hebt auch Detzer hervor: Er sei „gesegnet mit innovativen Unternehmen, motivierten Beschäftigten und einer starken Zivilgesellschaft“. Diese starke Wirtschaftsregion müsse aber in einer klimaneutralen Zukunft global wettbewerbsfähig bleiben und Berlin dafür verlässliche Leitplanken setzen, „die Firmen derzeit „schmerzlich vermissten“.

AfD-Mann Martin Hess wird wohl wieder in den Bundestag einziehen

Indes: Erdrutschartige Veränderungen im Wahlverhalten sehe er trotz der Ausgangslage nicht, sagt Michael Wehner: „Eine Wechselstimmung zu Gunsten der Grünen im Land ist derzeit auch angesichts der schwachen Performance von der Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock nicht festzustellen.“ In Ludwigsburg will zudem die SPD mit ihrem Kandidaten Macit Karaahmetoglu mitmischen. Er trat schon 2013 und 2017 an, war beide Male immerhin Wahlkreis-Zweiter hinter Bilger. Keine Chance auf das Direktmandat haben laut Wehner hingegen AfD, FDP und Linke. Für Martin Hess ist das aber auch gar nicht nötig. „Natürlich will ich mein Ergebnis vom letzten Mal verbessern“, so Hess, der sagt, im Frühjahr habe seine Partei „ein kleines Tief verzeichnet“, als noch viele Bürger an die Tatkraft der Regierung geglaubt hätten. So oder so ist sein Wiedereinzug aber im Prinzip gesetzt. Als Zweitplatzierter steht er gleich hinter Alice Weidel auf der Landesliste. Und auch für Detzer würde eine Niederlage gegen Steffen Bilger im Kampf um das Direktmandat nicht das Bundestags-Aus bedeuten. Als Fünfte auf der Grünen- Landesliste dürfte es, selbst wenn sie im direkten Vergleich den Kürzeren zöge, für sie ziemlich sicher für den Bundestag reichen. Es ist also durchaus möglich, dass den Wahlkreis Ludwigsburg demnächst drei Parlamentarierinnen und Parlamentarier in Berlin vertreten – von CDU, Grünen und AfD.

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