Das hätte sich die Alternative für Deutschland nun wahrlich nicht träumen lassen: Auf Anhieb erzielen die Euroskeptiker in Baden-Württemberg laut Hochrechnungen 5,6 Prozent - für den Bundestag reicht es trotzdem nicht.
Stuttgart - Kurz nach 19 Uhr weicht in der Sängerhalle die Anspannung der Euphorie. „AfD, AfD“, rufen die Männer und Frauen im Saal, die Arme in die Luft gereckt. Sie vergessen die Maultaschen und den Kartoffelsalat auf ihren Tellern und springen auf. Für einen Moment denken die Anhänger der Alternative für Deutschland, sie hätten es geschafft. Sie glauben, dass die AfD die Fünfprozenthürde geknackt hätte.
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Doch das Schaubild im Fernsehen, das alle verwirrt hat, zeigt nur, was wäre, wenn die AfD fünf Prozent holen würde. Tatsächlich liegt sie laut der aktuellen Hochrechnung noch bei 4,9 Prozent. „Es ist der einzige Wert, der an diesem Abend konstant bleibt“, sagt Claudia Freude, eine Anhängerin der AfD, die aus Ravensburg angereist ist, leicht resigniert. Rund 300 Männer und Frauen aus 13 Kreisverbänden in Baden-Württemberg sind zur zentralen Wahlparty nach Stuttgart gekommen, in der Hoffnung, den Einzug ihrer Partei in den Bundestag feiern zu können.
Schon vor der ersten Hochrechnung ist die Stimmung ausgelassen gewesen. Einige erwarteten sogar ein zweistelliges Ergebnis. Und als das erste Mal die 4,9 Prozent in der Prognose auftaucht, wird gejubelt. Später sinkt der Stimmenanteil der AfD dann auf 4,8 Prozent. „Heute geht’s ums Ganze“, sagt der Stuttgarter Kandidat Ronald Geiger, der für den Wahlkreis I angetreten ist. Selbst wenn man draußen bleibe, sei dieses Ergebnis ein „toller Erfolg“, meint Geiger, der ankündigt: „Wir werden weitermachen.“ Die Schuldenkrise werde schließlich ein Thema bleiben.