Entsetzt und enttäuscht blickten die Grünen-Anhänger im Schlesinger auf die Leinwand mit der Prognose von der Bundestagswahl. Der Traum vom Richtungswechsel in Berlin ist geplatzt: Die Grünen wurden von den Wählern abgestraft.

Stuttgart - Als um 18 Uhr die ersten Hochrechnungen ausgestrahlt werden, jubeln die gut 80 Grünen-Mitglieder und -Sympathisanten, die der Einladung des Kreisverbandes ins Schlesinger gefolgt sind, nur einmal: als der FDP-Balken bei 4,7 Prozent stehen bleibt. Entsetzen hingegen über das eigene Ergebnis. Silvia Fischer, Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, kommentiert das so: „Nach den letzten drei hervorragenden Wahlergebnissen ist die Enttäuschung riesig.“

 

Hier können Sie die Ereignisse des Abends nachlesen.

Wie groß die Enttäuschung bei den Wahlhelfern ist, dass Cem Özdemir gegen 20.40 Uhr nur per Liveschaltung aus Berlin zu ihnen spricht, kann man nur vermuten. „Er wird jetzt mehr in Berlin gebraucht als hier“, gibt sich der Grünen-Kreisvorsitzende Philipp Franke pragmatisch. Als sich angedeutet habe, dass das Ergebnis „schwierig“ würde, habe er die richtige Entscheidung getroffen. Hier hätte er auch keinen Grund zum Jubeln gehabt: Das Direktmandat hat er verfehlt.

Darüber wundert sich der grüne Verkehrsminister Winfried Hermann nicht, der gegen 19.45 Uhr im Schlesinger eintrifft. Özdemir habe sehr für sich geworben, aber grüne Inhalte hätten nicht auf seinen Plakaten gestanden. Andere sehen die Gründe für das schlechte Abschneiden vor allem in Berlin, genauer gesagt: in der Steuerdebatte.