Die Piratenpartei hat den Einzug in den Bundestag verpasst. Den Stuttgarter Direktkandidaten Christian Thomae und Jürgen Martin war dann auch nicht so wirklich zu feiern zu Mute.
Stuttgart - Aufstehen, Mund abputzen, weiter machen. Damit lässt sich die Stimmung bei der Wahlparty der Piraten auf den Punkt bringen. „Am Montag hängen wir die Plakate ab, dann schlafen wir zwei Wochen durch und 2015 gewinnen wir die vorgezogenen Bundestagswahlen“ – damit beendete Sebastian Nerz seine Ansprache vor den gut hundert Gästen im Club Finca an der Lange Straße. Zuvor hatte der ehemalige Bundesvorsitzende und jetzige Stellvertreter der Piratenpartei Selbstkritik geübt: „Wir haben im Bund gestritten, wir haben im Land gestritten, wir haben auf kommunaler Ebene gestritten. Wir haben sehr viel gestritten, aber auch viel daraus gelernt.“
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Auch Christian Thomae, der Direktkandidat von Stuttgart I, sieht die Gründe für den Nichteinzug der Piraten in den Bundestag in den Auseinandersetzungen innerhalb der Partei. Ein Problem für seine Partei sei aber auch gewesen, dass sie von den Medien wenig beachtet worden sei. „Über uns wurde wenig berichtet und wir wurden selten zu Talkshows eingeladen“, sagte der 31-jährige Internetdesigner.
Speziell in Stuttgart hat ihn der „Nichtangriffspakt unter den Kandidaten“ gestört: „Das war ein Kuschelwahlkampf.“ Dabei habe er aus den Gesprächen auf der Straße den Eindruck gehabt, dass die Leute sehr wohl rege Diskussionen wünschen. „Auch zum Thema NSA-Überwachung“, sagt Thomae. Zwar konnten die Piraten den Wirbel um den US-Geheimdienst nicht ausreichend für sich nutzen, „aber seitdem wird unsere Kompetenz nicht mehr in Frage gestellt“, so Thomae.