Bundestagswahlkampf Wie reagiert Laschet auf das Scholz-Hoch?

Sorgenvoll blickt Armin Laschet, der Spitzenkandidat der Union, in die Zukunft. Der Vorsprung der Christdemokraten schmilzt. Foto: AFP/ADAM BERRY

Die SPD verkürzt den Abstand zur Union immer weiter. Das verändert die Ausgangslage des Wahlkampfes und stellt neue strategische Fragen an alle Parteien. Was beschäftigt sie derzeit am stärksten?

Berliner Büro: Norbert Wallet (nwa)

Berlin - Dieser Wahlkampf, dessen heißen Phase ja gerade erst beginnt, verspricht wesentlich spannender zu werden, als manche Wahlkampfmanager erwartet hätten. Die jüngste Umfrage – vom Meinungsforschungsinstitut Forsa – zeigt einen sich weiter fortsetzenden Aufschwung der SPD (21 Prozent), die jetzt nur noch zwei Prozentpunkte hinter der Union liegt. So knapp war die Distanz zuletzt 2017, als Martin Schulz noch ein SPD-Hoffnungsträger war – und davor im Jahre 2011. Nimmt man die guten Werte des SPD-Kandidaten Olaf Scholz bei der Kanzlerpräferenz hinzu, kann man sich gut vorstellen, dass in den Führungszirkeln aller Parteien derzeit die Köpfe rauchen. Müssen Strategien geändert, Konzepte überdacht werden? Wir untersuchen, welche Fragen in den Wahlkampfzentralen der Parteien derzeit am dringlichsten diskutiert werden.

 

Die Union

Dass Spitzenkandidat Armin Laschet bis zum Wahltag noch einen rasanten Aufschwung in seinen Beliebtheitswerten erlebt, glaubt man selbst in der Union nicht mehr. Es liegt auf der Hand, dass die Christdemokraten nun vom Kandidaten ab- und das Interesse umlenken müssen. Die heißeste Debatte kreist derzeit um ein Wahlkampfteam. Das hatte Laschet eigentlich in Aussicht gestellt. Aber dann ist bislang nichts gekommen. Außer Friedrich Merz macht sich an Laschets Seite niemand bemerkbar, nicht mal Jens Spahn, der doch ein Gespann mit Laschet bilden sollte. Neue und profilierte Köpfe in Laschets Umkreis zu präsentieren, könnte der Kampagne neuen Schwung geben. Hauptfrage: Hat Laschet den Mut dazu – und wer käme dafür in Frage?

Die SPD

Olaf Scholz hat einen Lauf. Also einfach weitermachen und Misstöne aus der Partei verhindern. Das wäre eine nahe liegende Strategie. Zu überlegen ist, ob Scholz, wenn der Wahltermin näher rückt, nicht ausdrücklich eine Koalition mit der Union ausschließen und ganz auf eine Ampel setzen sollte. Da weder Grüne noch FDP dies tun würden, wäre für Wähler, die keinen CDU-Kanzler mehr wollen und die Linke nicht mögen, die SPD die sicherste Option. Der Schritt zielte auf grüne Wähler, die mit der Union nichts anfangen können.

Die FDP

Die FDP hätte eine ähnliche Option. Christian Lindner könnte eine Ampelkoalition mit SPD und Grünen ausdrücklich ausschließen. Viele in der Partei sähen das gerne, denn die Ampel ist bei liberalen Wählern sehr unbeliebt. Aber Lindner zögert, denn er verschlechterte seine Verhandlungsposition, wenn es später um eine Regierungsbildung mit Union und Grünen gehen könnte. Noch wartet man bei der FDP den weiteren Verlauf des Wahlkampfs ab. Auch noch unklar: Bislang stellt die FDP nur zwei Bedingungen für eine Koalition: keine Steuererhöhungen und das Festhalten an der Schuldenbremse. Soll man nachschärfen? Kurz vor der Wahl will die Partei Wahlprüfsteine verabschieden. Bis dahin lässt man diese Option offen.

Die Grünen

Die grüne Gretchenfrage heißt: Wie halten wir es mit Annalena Baerbock? Nach dem verpatzten Start der Spitzenkandidatin ist Co-Vorsitzender Robert Habeck bewusst nach vorne gerückt. Die Aussicht auf das Kanzleramt hat sich erheblich verschlechtert. Soll die Partei also – wie früher stets üblich – wieder ganz auf Inhalte setzen oder in der Endphase des Wahlkampfs doch noch einmal mit Baerbock stärker personalisieren? Vielleicht gibt es eine Chance dafür, da nach Baerbock ja auch der Unionskandidat Laschet ganz erhebliche Schwächen offenbart hatte. Damit ließen sich vielleicht noch mehr weibliche Wählerstimmen gewinnen.

Die Linke

Für die Linke läuft es nicht besonders gut. Sie dringt nicht durch mit ihren Themen. Zu klären ist, ob das Thema Machtaussicht, also ein rot-rot-grünes Bündnis, in den Vordergrund gerückt werden soll. Man könnte argumentieren, dass Stimmen für die Linke diesmal unmittelbar – über eine Regierungsbeteiligung – wirken. Oder soll das Thema soziale Gerechtigkeit im Zentrum der Kampagne bleiben, in der Hoffnung, dass das ein Alleinstellungsmerkmal sein könnte.

Die AfD

Die AfD, deren Wahlkampagne bislang nicht gerade schwungvoll verlief, wird sich fragen, wie das Afghanistan-Thema zu instrumentalisieren ist, um nach bekanntem Vorbild Ängste vor weiterer Zuwanderung in Stimmen umzuwandeln.

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