Bundesverdienstkreuz für Norbert Conrads Streiter für ein friedliches Europa

Von red 

Der Historiker Norbert Conrads bekommt von Oberbürgermeister Bernhard Schuler das Verdienstkreuz am Bande.

OB Schuler hat Professor Conrads ausgezeichnet. Foto: Stadt Leonberg
OB Schuler hat Professor Conrads ausgezeichnet. Foto: Stadt Leonberg

Leonberg - Leonbergs Oberbürgermeister Bernhard Schuler hat den in Leonberg lebenden Professor Norbert Conrads mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. In seiner Rede erwähnte Schuler, er sei zunächst überrascht gewesen, dass ein Historiker die Geschichte Schlesiens zu einem Schwerpunkt seines Werks gewählt habe, bis er den Lebenslauf Conrads gelesen habe. Norbert Conrads ist 1938 in Breslau geboren. Von 1981 bis 2003 war er an der Universität Stuttgart als Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit tätig. Sein Schwerpunkt war die schlesische Geschichte.

In diesem Forschungsbereich hat er unter anderem den wissenschaftlichen Austausch gefördert und das wissenschaftspolitische Gespräch mit Politik und Öffentlichkeit vor allem in Polen gesucht. So wurde der wissenschaftliche Austausch der Länder gefördert, der Nachwuchs beider Länder miteinander in Verbindung gebracht und sichtbar gemacht, wie die Probleme der Vergangenheit durch die historische Analyse versachlicht werden können.

Lehren ziehen aus der Geschichte

„Gerade heute, wo in den Ländern der westlichen Welt durchweg eine ,Renationalisierung’ erlebt wird, ist es wichtig, in die Geschichte zu blicken und daraus Lehren zu ziehen – vor allem darüber, wie friedliches Zusammenleben in Europa gelingen kann“, so Schuler.

Betont hat Bernhard Schuler Conrads besondere Verdienste um den Aufbau und die Eröffnung des Schlesischen Museums in Görlitz. Das Haus hat sich zur Aufgabe gesetzt, nicht nur das kulturelle Erbe Schlesiens in Deutschland zu pflegen, sondern auch im Sinne eines Brückenprojekts mit dem heutigen polnischen Schlesien zu versöhnen.

Beitrag zur Wiedergutmachung

In den vergangenen Jahren hat sich Conrads, der zu den prominentesten deutschen Historikern für die Geschichte Schlesiens zählt, der jüngeren Geschichte des schlesischen Judentums zugewandt und mehrere Publikationen und Medienbeiträge zur Persönlichkeit des jüdischen Historikers Willy Cohn (1888 – 1941) verfasst. Die von Conrads herausgegebene vollständige Edition der Tagebücher Cohns sind nicht nur in deutscher Sprache veröffentlicht, sie wurden auch in die englische, polnische und hebräische Sprache übersetzt. Conrads hat damit das der Breslauer Judengemeinde angetane Unrecht allgemein bekannt gemacht und einen sichtbaren Beitrag zur Wiedergutmachung geleistet.

Conrads freut sich, dass die unterschiedlichsten staatstragenden Reden sowohl in Polen als auch in Deutschland bei einer Gedenkfeier im Deutschen Bundestag mit Zitaten aus den von ihm herausgegebenen Tagebüchern Willy Cohns versehen waren.

Im Rahmen der kleinen Feierstunde im Rathaus verriet Conrads, dass er nun der Zweite in der Familie sei, dem das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde. Sein Vater hatte es für seine langjährige Tätigkeit als Schiedsmann auch erhalten.




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