Bundesweite Auszeichnung der IHK Acht beste Azubis sind aus der Region

Johanna Altmann wurde in dem hochklassigen Restaurant Landhaus Feckl in Ehningen zur Köchin ausgebildet. Seit Herbst studiert die 20-Jährige in London. Foto: privat

Die IHK hat die deutschlandweit besten Azubis ausgezeichnet, darunter acht aus der Region Stuttgart. Es fällt auf: Fünf davon leben im Rems-Murr-Kreis. Kann das ein Zufall sein?

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Region Stuttgart - Ein Studium abzubrechen, das erzeugt normalerweise Frust, Trauer, vielleicht auch das Gefühl von Versagen. Manchmal kann dieser Schritt aber auch eine Rettung sein. Simon Häbich ist nach seinem Abitur in Schorndorf zunächst nach Aalen gegangen und hat zwei Semester Maschinenbau sowie vier Semester Kunststofftechnik studiert. Dann zog er einen Schlussstrich, ihm wurde klar, dass aus dem Studium nichts mehr werde. Währenddessen hatte er allerdings einen wertvollen Kontakt geknüpft: Als Mitglied des Formula-Student-Teams, in dessen Rahmen Studierende einen Rennwagen bauen, um dann gegen Teams von anderen Hochschulen anzutreten, lernte er einen Kommilitonen kennen, der zunächst eine Ausbildung als Leichtflugzeugbauer gemacht hat. Zudem hörte er von der Firma Wings & More aus Ebersbach (Kreis Göppingen), weil diese Sponsor der Formula Student ist.

 

Statt sich weiter mit dem Studium zu quälen, bewarb er sich ebendort für eine Ausbildung als Leichtflugzeugbauer – und machte dieses Jahr bundesweit den besten Abschluss. Inzwischen hat er einen unbefristeten Vertrag. „Im Nachhinein wäre es besser gewesen, erst die Ausbildung zu machen und dann zu schauen, ob ich noch studieren will.“ Heutigen Schulabgängern rät er auch genau dies – also sich genau zu informieren, was es so an Ausbildungen gibt und nicht allzu festgefahren zu sein. „Es gibt so viele tolle Ausbildungsberufe.“ Übrigens ist auch seine Firma gerade auf der Suche nach einem neuen Azubi.

Sind Azubis mit Abitur reifer?

Acht junge Menschen aus der Region Stuttgart wurden dieses Jahr zu den deutschlandweit besten Azubis in ihren Bereichen erklärt. Fünf der acht stammen aus dem Rems-Murr-Kreis. Diese bemerkenswerte Häufung erklärt sich der dortige Geschäftsführer der IHK, Markus Beyer, aber nicht mit der Heimat von Stihl, Kärcher und Co., sondern vor allem mit der guten Vernetzung der Akteure rund um Berufsorientierung – also etwa der Agentur für Arbeit, der IHK, der Kreishandwerkerschaft und dem Landratsamt selbst. Zudem gebe es an den Schulen eine gute Berufsorientierung.

Dass mehrere der preisgekrönten Azubis zunächst studiert hätten, sei weniger ein Grund, glaubt er. „Natürlich ist es auch für eine Ausbildung eine gute Voraussetzung, wenn jemand die Studierfähigkeit mitbringt. Womöglich sind diese Azubis auch schon etwas reifer und orientierter“, mutmaßt Beyer. Eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Ausbildung sei dies aber nicht. Auch in den vergangenen Jahren habe der Landkreis immer Bundes- und Landesbeste Azubis hervorgebracht. „Das ist eine schöne Regelmäßigkeit.“

Nach der Ausbildung geht die Köchin studieren

Johanna Altmann kommt nicht aus dem Rems-Murr-Kreis und ist den umgekehrten Weg gegangen. Nachdem sie mit 17 Jahren Abitur gemacht hat, wollte sie zunächst eine Ausbildung machen, „ich war noch so jung“. Sie zog aus dem Elternhaus im Ortenaukreis aus, suchte sich eine Wohnung in Stuttgart und absolvierte eine Kochausbildung im Landhaus Feckl in Ehningen (Kreis Böblingen).

„Meine Familie hat einen Betrieb mit Restaurant und Hotel im Schwarzwald, darum hatte ich schon immer einen Bezug zum Hotel- und Gaststättengewerbe“, berichtet sie. „Außerdem kann man beim Kochen unglaublich kreativ sein, das ist wie Kunst.“ Dass sie von allen Koch-Azubis dieses Jahr am besten abgeschlossen hat, führt sie auf ihren Ehrgeiz und die gute Vorbereitung zurück. „Und während der Prüfung muss man sehr spontan sein und auf Umstände reagieren können, die nicht optimal sind.“

Dass ihre Mitschüler und sie am Gymnasium kaum auf Lehrstellen aufmerksam gemacht wurden, findet die 20-Jährige schade. „Die Option Ausbildung wurde sehr stiefmütterlich betrachtet. Weil ich ein sehr gutes Abi hatte, musste ich mit meinem Rektor auch erst einmal diskutieren, als er erfuhr, dass ich eine Ausbildung machen will.“ Inzwischen dürfte er aufatmen: Seit Herbst lebt Johanna Altmann in London und studiert International Management an der renommierten London Business School.

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