Elli und Romi sind schon ganz aufgeregt. Gleich können sie die Fackel in Empfang nehmen. In der großen Kurve vor dem Glemseck tauchen die ersten Motorradfahrer des Airfield Chapters der Böblinger Harley Owners Group auf. Sie unterstützen die Aktion des Kinder-Lebens-Laufes mit einem Motorradkonvoi von der letzten Station der Fackel aus, dem Kinder- und Jugendhospizdienst in Böblingen, und geleiten die Fackel quer durch Sindelfingen hinunter zum Glemseck.
Auf ihrem Weg durch ganz Deutschland macht die symbolische Fackel in Form eines Engels, die für Stärke und Zusammenhalt steht, jetzt Halt in Leonberg und wird von den beiden Ditzinger Kindern offiziell für den ambulanten Kinderhospizdienst Leonberg am Glemseck wie ein Staffelstab in Empfang genommen. „Wir freuen uns so, in diesem Jahr die Fackel tragen zu dürfen“, schwärmen die sechsjährige Elli und die achtjährige Romi. Sie gedenken mit der Aktion ihrer vor anderthalb Jahren verstorbenen älteren Schwester.
In einer Pferdekutsche transportieren die beiden Mädchen die Engelsfackel anschließend ins Leonberger stationäre Hospiz. Dort bleibt sie über das Wochenende, weil im nahe gelegenen Kindergarten am Montag ein großes Kinder-Gartenfest gefeiert wird, bevor die Reise der Fackel in Richtung Pforzheim weitergeht. Begleitet wird sie dann von zahlreichen Leonberger Fahrschul-Autos.
Angehörige von lebensverkürzend erkrankten Kindern sowie Vertreter und Unterstützer der ambulanten Kinderhospizdienste tragen und fahren die Engelsfackel alle zwei Jahre deutschlandweit über 7000 Kilometer, um auf die Arbeit der Kinderhospizdienste aufmerksam zu machen. Unter der Schirmherrschaft von Elke Büdenbender, der Ehefrau des Bundespräsidenten, ist der Kinder-Lebens-Lauf 2022 in Berlin gestartet. Der Lauf endet am 13. Oktober zum Welthospiztag im Europa-Park Rust mit einem großen Abschlussfest.
Auch das Hospiz Leonberg ist dabei. Es hat es sich zur Aufgabe gemacht, Schwerkranke und Sterbende sowie deren Angehörige in ihren schwersten Stunden zu begleiten – der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst begleitet aktuell im Großraum Leonberg 23 Familien mit 32 Kindern. Dabei geht es um Familien mit einem lebensverkürzend erkrankten Kind, einem schwerstkranken oder sterbenden Elternteil und Familien, in denen der Tod schon Realität geworden ist.
Ganz viel Gutes für schwer erkrankte Kinder und ihre Familien
In Leonberg arbeitet der von Monika Friedrich aufgebaute ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst als ein Zweig des Hospiz Leonberg bereits seit 18 Jahren mit mehreren dutzend qualifizierten ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Wir begleiten betroffene Kinder, Jugendliche und deren Familien oft über viele Jahre hinweg“, beschreibt Monika Friedrich die Kinderhospizarbeit. Begleitung bedeutet eine ganz individuelle Betreuung im täglichen Leben. Einmal die Woche können die Familien einen Nachmittag auf die Unterstützung der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer bauen. Es werden zusammen Hausaufgaben gemacht, mit dem Geschwisterkind Fußball gespielt, ein Ausflug organisiert oder den Erwachsenen wird ein wenig Luft verschafft. „So können die Eltern vielleicht für einige Stunden als Paar etwas unternehmen, während das Kind betreut wird.“ Jedes kranke Kind bekommt einen eigenen Begleiter. Und nicht nur kranke, auch trauernde Kinder werden betreut.
Ambulantes Kinderhospiz hat nun eigene Räume
Neben der individuellen Betreuung sind die Sunshine Kids für jüngere und die Cajon Gruppe für ältere Kinder ein Angebot des Kinder- und Jugendhospizdienstes. Erkrankte Kinder, Geschwisterkinder sowie trauernde Kinder und Jugendliche unternehmen einmal im Monat etwas miteinander.
Seit der Erweiterung des stationären Hospizes in der Leonberger Seestraße hat das ambulante Kinderhospiz eigene Räumlichkeiten bekommen. „Jetzt sind wir unter einem Dach, sind wirklich ein zusammengehörender Hospizdienst“, freut sich Monika Friedrich.
Weitere Termine Am Montag, 8. Juli ab 13.30 Uhr veranstaltet der ambulante Kinderhospizdienst Leonberg aus Anlass der Fackelübergabe im Garten des Elly-Heuss-Knapp-Kindergartens ein Gartenfest. Dann geht die Fackel weiter nach Pforzheim.