Bunker Eine Million Schutzplätze in Deutschland reichen nicht aus

Ausgedienter Bunker in Friedrichshafen: In den kommenden Jahren sollen neue Schutzräume entstehen. Foto: Felix Kästle/dpa

In Deutschland soll die Zahl der Schutzräume stark vergrößert werden. Das ist gut, doch es gibt mehr zu tun als den Umbau von Tiefgaragen und Kellern, meint Tobias Heimbach.

Berlin: Tobias Heimbach (toh)

Es gibt Millionen Menschen in Deutschland, die wissen, was Bombenkrieg bedeutet. In den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs versteckten sie sich damals als Kinder in Kellern und Bunkern vor Luftangriffen. Auch viele Flüchtlinge aus der Ukraine und Syrien haben erlebt, dass Raketen und Bomben auf Wohnhäuser geschossen werden.

 

Die harte Realität heißt: Deutschland muss sich wieder auf so ein Szenario vorbereiten. Denn solange Russland seinen aggressiven außenpolitischen Kurs fortsetzt, besteht die Gefahr eines Krieges in Europa. Deswegen ist es richtig, dass das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) neue Schutzräume bauen will. Eine Million Schutzplätze sollen entstehen, indem man Tunnel, U-Bahnhöfe, Tiefgaragen und Keller öffentlicher Gebäude zu Schutzräumen ertüchtigt. Derzeit sind es weniger als eine halbe Million. Die Zeitenwende beschränkt sich nicht nur auf das Militär, sondern auf alle Bereiche der Gesellschaft.

Allerdings sind viele Fragen offen: So gab es zur Hochzeit des Kalten Krieges in der alten Bundesrepublik Schutzräume für mehr als 2,3 Millionen Menschen. Hinzu kam eine unbekannte Zahl in der damaligen DDR. Heute kann Finnland im Ernstfall rund 85 Prozent seiner Bevölkerung in Schutzräumen unterbringen. In Deutschland wäre selbst nach Erfüllung der neuen Pläne gerade einmal Platz für einen von 85 Einwohnern.

Nicht jeder müsste im Ernstfall wohl in einem Schutzraum untergebracht sein, in vielen Fällen würden auch die Keller von Wohnhäusern einen gewissen Grundschutz bieten. Doch wo das möglich ist, müssen die zuständigen Behörden schnell erfassen und der Bevölkerung mitteilen. Natürlich muss man hoffen, dass Schutzräume in diesem Land nie wieder gebraucht werden. Doch es ist besser, vorbereitet zu sein.

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