Bunker in Stuttgart-Steinhaldenfeld Exklusiver Blick in den Zuckerberg-Bunker

Von Isabelle Zeiher 

Normalerweise ist der Hochbunker in Stuttgart-Steinhaldenfeld nicht zugänglich. Doch vor dem Umbau in ein Luxus-Wohnhaus durften wir einen Blick hineinwerfen – und fühlten uns in eine andere Zeit zurückversetzt. Kommen Sie mit auf einen virtuellen Rundgang!

So soll der Zuckerberg-Bunker nach dem Umbau aussehen. Wir durften jetzt schon einen Blick hineinwerfen. Die Bildergalerie zeigt den Bunker so, wie ihn seine Bewohner in den 60er-Jahren zurückgelassen haben.  Foto: Planquadrat 10 Bilder
So soll der Zuckerberg-Bunker nach dem Umbau aussehen. Wir durften jetzt schon einen Blick hineinwerfen. Die Bildergalerie zeigt den Bunker so, wie ihn seine Bewohner in den 60er-Jahren zurückgelassen haben. Foto: Planquadrat

Stuttgart - Der seit 56 Jahren leerstehende Bunker in Stuttgart-Steinhaldenfeld soll zum Luxus-Wohnhaus umgebaut werden. Das Gebäude steht oberhalb von Stuttgart-Münster am Rande von Weinbergen, die weiter unten das Neckarufer säumen. Kurz vor Beginn der Baumaßnahmen durften wir uns im Innern des sonst nie öffentlich zugänglichen quadratischen Stahlbetonbaus umsehen – und sind aus dem Staunen nicht herausgekommen.

Der weithin sichtbare Bunker am Zuckerberg wirkt innen viel größer als erwartet. Er ist das Mahnmal einer schrecklichen Zeit: im Krieg suchten hier die Bewohner Steinhaldenfelds Schutz vor Luftangriffen; nach Kriegsende zogen Flüchtlinge ein – und dekorierten ihre bescheidene, kühle Bleibe mit dem, was sie hatten: Zeitungsausschnitte, alte Bravo-Poster, ein „Casablanca“-Filmplakat.

Wir hatten beim Besuch eine spezielle Kamera dabei, die Rundumbilder aufnehmen kann. Ziehen Sie mit der Maus oder (auf mobilen Geräten) wischen Sie über das Bild, um sich umzusehen:

 

 

Der Bunker in Steinhaldenfeld war nur bis 1961 bewohnt. Entsprechend lösen sich die Tapeten von den Wänden, die Fliesen der Sanitäranlagen bröckeln, Spinnweben hängen in den wenigen Fenstern. Die einzelnen Zimmer sind ordentlich durchnummeriert und durch Türen getrennt.

Der Bunker wurde auch in jüngerer Vergangenheit ganz offensichtlich betreten: Auf dem Boden liegen kleine Teelichter, Hinterlassenschaften von Feuerwerkskörpern und Polaroid-Bilder.

 

 

Fünf Stockwerke hat der Bunker. Jedes von ihnen soll in den kommenden zwei Jahren zu einer Wohnung mit 80 bis 120 Quadratmetern umgebaut werden. Die Firma Planquadrat hat den Bunker vor sechs Jahren gekauft. Gebaut wurde seither jedoch nicht.

Es habe Jahre gedauert, bis alle rechtlichen Voraussetzungen erfüllt gewesen seien, berichtet Hans Klement von Planquadrat. Der Bunker steht mitten im Weinberg – Wohnhäuser müssen aber mindestens zwanzig Meter Abstand zu landwirtschaftlich genutzten Flächen halten. Also musste Klement den Wengerten einen Teil ihrer an den Bunker grenzenden Grundstücke abkaufen. „Kein Schnäppchen“ sei das gewesen, so der Architekt.

 

 

Geduld brauchte Klement auch bei der Planung. Das markante Dach des Bunkers soll, so der Wille der Stadt, erhalten bleiben – Klement wollte ursprünglich ein Flachdach. Fachingenieure stellten fest, dass der Bunker mit großen Eckfenstern nicht mehr stabil wäre. Deshalb werden jetzt kleine Fenster aus dem 1,20 Meter dicken Beton gesägt – und zwar mit feinen Diamantseilen. Dann geht es an den Innenausbau. Der Bunker muss von innen gedämmt werden, weil die markante Fassade erhalten bleiben soll. Am Ende werden gut sieben Jahre zwischen Kauf des Gebäudes und Einzug der Besitzer vergangen sein: frühestens Ende 2018 seien die Wohnungen fertig, vermutet Hans Klement.

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