Bunte Nacht in Bad Ditzenbach Kunst schläft nicht und riecht interessant

Von Klaus Nonnenmacher 

Mehr als 50 Künstler haben sich bei der sechsten Kunstnacht im Kurort präsentiert.

Brennende Baumstämme, Klezmermusik und allerlei  Malerei – in der Nacht zum Sonntag wurde  im Täle nahezu jeder Kulturgeschmack bedient Foto: Michael Steinert
Brennende Baumstämme, Klezmermusik und allerlei Malerei – in der Nacht zum Sonntag wurde im Täle nahezu jeder Kulturgeschmack bedient Foto: Michael Steinert

Bad Ditzenbach - Es qualmt bestialisch auf dem Platz vor der Ditzenbacher Dorfkirche. Aus der Kirche dringt sanfte Klezmermusik, der Kirchenraum ist dekoriert mit ausgehöhlten und von innen beleuchteten Baumstämmen. Auf dem Platz davor brennt die Kunst. Oliver Sander aus Oberböhringen fackelt dort seine Baumstammskulpturen ab. Im abendlichen Nieselregen ist das keine leichte Übung. Was dabei herauskommt, bleibt zumindest teilweise eine Überraschung und wird von den vorbeibummelnden Betrachtern des Spektakels ausführlich diskutiert.

Kunst in Scheunen, Garagen und Cafés

Die zentrale Aktion mit der Feuerkunst gab irgendwie die Marschroute für die sechste Bad Ditzenbacher Kunstnacht vor. Überraschendes und Spektakuläres wurde geboten – und vor allem gab es viele Möglichkeiten der Begegnung. Im Ortskern, am Kräuterhaus St. Bernhard und erstmals auch bei der Vinzenzklinik waren mehr als 50 Künstler in Cafés, Verkaufsräumen, in Garagen, Scheunen oder bei Seniorenwohnanlagen sowie im Haus des Gastes und im Rathaus untergeschlüpft und präsentierten in der Nacht zum Sonntag von 17 bis 1 Uhr ihre Kunst. Und man konnte die Kunstnacht durchaus der Nase nach verfolgen: Beim Kräuterhaus stellte beispielsweise Bärbel Eichler zwischen Tigerbalsam, Hautcremes und Himbeerdrops ihre filigranen Fadendruckgemälde aus. Dort, wo es nach frisch aufgegossenem Früchtetee roch, hatte die Künstlerin aus Heidelberg schon vor der Eröffnung drei Bilder verkauft. „Vor allem aber geht es um die Begnungen mit den Besuchern und den anderen Künstlern“, erklärte sie. Eine Verkaufsmesse soll die Kunstnacht nicht sein.

Ebenfalls im Früchteteedunst des Kräutergartens bot Claus Jahn kreative Fotoshootings an. „Das Fotografieren ist vielleicht eher Handwerk“, gesteht er unumwunden ein. „Die Kunst aber ist, was dabei an Aktionen kommt, was mit den Menschen passiert, welche Beziehungen sich da aufbauen“, sagte er.

Graffiti in der Unterführung

Der Nase nach weiter geht es vorbei an etlichen anderen Stationen zu Jan Frey. Der dumpfe Ölgeruch in der Garage, in der der 22-Jährige seine Zeichnungen und Acrylgemälde ausstellt, lässt vermuten, dass hinter der grünen Plane in der Ecke noch zwei Motorräder versteckt sind, die die Besitzer der improvisierten Minigalerie für diesen Abend offenbar nicht mehr anders hatten unterbringen können. Jan Frey macht das nichts. „Ich finde, das ist eine vielfältige Mischung hier im Ort, und ich freue mich, wenn ich später mal selbst noch einen Rundgang machen kann“, sagte er.

Sein Rundgang hat ihn womöglich dorthin geführt, wo Gleichaltrige ihre Kunst in von Lösungsmittel geschwängerter Atmosphäre live vorführten, zur Fußgängerunterführung der B 466 zwischen Hauptstraße und Kurklinik. Dort durften ein halbes Dutzend junge Männer aus Tübingen die frisch getünchten Wände mit Graffiti schmücken.

Wasserspiegelungen von Gabriele Glang

Malerei, vor allem in Acryl, beherrschte allerdings die Szenerie. Dazwischen spielten Musiker, tauchten interessante Skulpturen auf, wie die mühsam bearbeiteten, elfenhaft wirkenden Holzskulpturen, die der Aufhausener Künstler Hartmut Väth aus Lindenholz schnitzt. Er teilte sich seinen Ausstellungsraum mit Gabriele Glang, die Wasserspiegelungen in Pastellkreide festhält, außerdem zu festen Zeiten aus ihren Lyrikbändchen vortrug und um Mitternacht sogar eines ihrer Bilder verloste.

Auch einige Kunsthandwerker hatten sich zur Kunstnacht eingestellt. So stand der Kunstschmied Herbert Habich an der Esse Rede und Antwort, und auch die Ditzenbacher Glasperlendreherin Marianne Grundstein führte den Besuchern bereitwillig ihre Kunstfertigkeit vor. Es scheint fast unmöglich, alle Stationen ausreichend zu würdigen. Dabei hat die Bad Ditzenbacher Kunstnacht zwölf Jahre zuvor noch ganz klein angefangen.

Christel Fuchs ist die Mutter der Kunstnacht

„Wir haben damals als Künstlergruppe im Haus des Gastes wegen einer Ausstellung angefragt. Dann haben wir gesehen, dass es dort viel zu klein ist. Bei einem Rundgang sind wir dann auf immer weitere Ausstellungsräume gestoßen, und so wurde die Idee der Kunstnacht geboren“, erinnert sich Christel Fuchs. Die Malerin ist sozusagen die Mutter der Kunstnacht, die seither im Zwei-Jahres-Turnus stattfindet. Unter Künstlern hat sich die lockere Atmosphäre längst herumgesprochen. Gemütlich solle es bleiben, sagt Fuchs. Das sei das Aushängeschild der Ditzenbacher Kunstnacht.