Burghard Hüdig in Stuttgart gestorben Als „Hoffotograf“ war er dicht dran an der Macht

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Man nannte ihn den „Hoffotografen der Villa Reitzenstein“: Burghard Hüdig, der seine späte Berufung im Malen fand und als „Donnergott der Farben“ gefeiert wurde, ist am Samstag im Alter von 87 Jahren in Stuttgart gestorben.

Der Pressefotograf und Maler Burghard Hüdig ist am Samstag im Alter von 87 Jahren gestorben. Foto: dpa/Bernd Weissbrod 12 Bilder
Der Pressefotograf und Maler Burghard Hüdig ist am Samstag im Alter von 87 Jahren gestorben. Foto: dpa/Bernd Weissbrod

Stuttgart - „Mir könnet ofanga – dr Hüdig isch da!“ OB Manfred Rommel sagte dies einst, als er sich im Rathaus vor seinem Dienstzimmer die versammelten Pressevertreter ansah und ein bekanntes Gesicht entdeckte. Es war das Gesicht von Burghard Hüdig. Mit den Ministerpräsidenten Filbinger, Späth und Teufel reiste er um die Welt, erzählte im Alter gern von seinen Erlebnissen mit den Großen der Welt, aber noch lieber von seiner späten Berufung als „wilder Alter“ der Malerei.

Kaum hatte sich der Doyen der Stuttgarter Bildjournalisten – Hüdig war immer ein bisschen vornehmer als die anderen gekleidet – in den Ruhestand verabschiedet, fing für ihn mit 66 ein neues Leben an. Auf der Leinwand tobte er sich als Maler aus und schaffte es mit einer Arbeit in die Staatsgalerie – für einen Künstler ist dies der Ritterschlag.

Weder mit, noch an Corona ist er gestorben

Bis kurz vor seinem Tod ging es ihm gut. Als seine Frau Karin Hüdig, mit der er eins war, wie dies nur wenigen Paaren gelingt, im Krankenhaus behandelt wurde, versorgte sich Burghard Hüdig allein zuhause in Untertürkheim. In der vergangenen Woche kehrte sie zurück, da legte er sich aufs Sofa, weil es ihm nicht gut gehe, wie er sagte. „Er ist nicht mehr aufgestanden“, sagt seine Frau, die Managerin seines künstlerischen Lebens war. Am Samstag ist er im Krankenhaus gestorben – weder mit, noch an Corona.

Das Leben hat es gut gemeint mit dem Mann, der in Essen den Beruf des Einzelhandelskaufmann erlernt hatte und als Heringsverkäufer sein Geld verdiente. 1956 hörte er davon, dass in Stuttgart die katholische Tageszeitung „Deutsches Volksblatt“ einen Fotografen suchte. Er bewarb sich und wurde prompt genommen. Beim „Volksblatt“ blieb er, bis es 1965 eingestellt wurde.

Von der Macht eines einzelnen Fotos

Sein erster Promi vor der Linse war Konrad Adenauer, der häufig im Elternhaus des norwegischen Konsuls Hans Joachim Schmidtgen an der Nordbahnhofstraße zu Gast war. Väterlich habe Adenauer ihn zum Fotografieren ermuntert. Dicht dran war Hüdig an der Macht – als Begleiter von Späth und Co. – und erkannte bald, was für eine Macht ein einzelnes Foto haben kann.

1968 wollte das SDR-Fernsehen ein Foto von Kurt Georg Kiesinger beim Schwimmen im Bodensee. Der damalige Kanzler urlaubte dort. Hüdig fuhr hin, doch Kiesinger lehnte energisch ab. Er sei doch nicht Mao, der sich beim Schwimmen fotografieren ließ, um zu zeigen, wie fit er ist. Mehrfach holte sich Burghard Hüdig eine Abfuhr. Doch seine Hartnäckigkeit wurde belohnt. Plötzlich bestellte man ihn an einen geheimen Ort am See. Tatsächlich stieg Kiesinger mit Leibwächtern für den Fotografen ins Wasser – das Bild wurde vom „Spiegel“ wie von der „Welt“ gedruckt. Und der Politiker erkannte, was ein Bild bewirken kann – alle Welt hielt ihn für einen Menschen, der gesund fit und genug ist, um Kanzler zu sein.

Eines seiner Fotobücher hieß: „Neugier war mein Job“

Ein wichtiger Auftraggeber von Hüdig war auch die .„Landesschau“ des damaligen Südfunks. Der Sender blendete sogenannte Standbilder von ihm ein. In den analogen Zeiten liefen im Vergleich zu heute nur wenige Filme. Die Fernsehredaktion schickte Pressefotografen los, um große Ereignisse, Unfälle oder Feierlichkeiten festzuhalten. Und sie ließen von ihnen Bilder zu verschiedenen Themen anfertigen, die zur Illustration einer Nachricht aus dem Archiv geholt worden sind.

„Neugier war mein Job“, so heißt eines seiner Fotobücher. Seine Neugier wurde oft belohnt. Eines seiner bekanntesten Fotos zeigt den früheren Ministerpräsidenten Lothar Späth in Schanghai beim Radeln in einer Gruppe mit chinesischen Arbeitern. Seine Frau Karin Hüdig wird nun ein riesiges Fotoarchiv verwalten sowie etwa 300 Bilder, die in seiner zweiten Karriere als Maler entstanden sind.




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