Burlesque-Festival in Stuttgart Körpermaße spielen keine Rolle

Von Georg Linsenmann 

Eine verführerische Show im Kostüm- und Glitzerrausch, in pailletenschillernder Corsage und fließendem Satin: Das prickelnde Burlesque-Festival im Friedrichsbau Varieté hat die Besucher begeistert.

Katrin Gajndr aus Russland in glühendem Rot. Foto: Lichtgut/Julian Rettig 7 Bilder
Katrin Gajndr aus Russland in glühendem Rot. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Die Kunst der stilvollen Entkleidung hat Konjunktur. „Ausverkauft!“ hieß es so einmal mehr, als das Stuttgarter Burlesque-Festival am Samstag zur finalen Gala in den Friedrichsbau lockte. Dabei zog diese Spezialgattung des Varietés mit Semi-Striptease von Frauen mindestens so viele Damen wie Herren auf den Pragsattel. Die „weibliche Sicht auf die Erotik“ war angesagt, mit den „besten internationalen Performerinnen“. So wurde es denn auch eine verführerische Show im Kostüm- und Glitzerrausch, in pailletenschillernder Corsage und fließendem Satin, die die Tänzerinnen höchst zuverlässig in je spezifischer Manier in ein Nichts aus Bändchen, Bömmelchen und Stöffchen überführten.

Für einen Adrenalin-Stoß-Start sorgten sofort die Big Town Bandits mit knackigem Rock’n’Roll, worauf die Russin Katrin Gajndr den ersten scharfen Kontrast bot: Spitzentanz in glühendem Rot und Spitzenwäsche, stilvollendet bis zum goldflimmernden Mini-Rest von String-Tanga. Cece Sinclair dagegen fegte wie ein Orkan über die Bühne. Dann servierte der Sachse Bernd Callenbach, als Moderator ein geschmeidiger Entertainer, in Tropenhelm und Schottenkaro eine gehörige Prise Nostalgie: „Die Lula-Lula tanzt Hula-Hula! Wie sich das Röckchen dreht, bis der Bast in Flammen steht!“

Enthüllungen voller Zauber

In Flammen stand das Publikum selbst, als „Mademoiselle Champagne“ auftrat, die frisch gekürte „Burlesque Queen Stuttgart 2018“. Eine wahre Erscheinung aus Straßburg, die voll den lokalen Nerv traf: „Schdudgaart, du machschd mich heiß!“ Welcome, bienvenue, im Cabaret! Und im Schwanenflügel-Flug eine Enthüllung voller Zauber, zu der es pfundweise Silberglitter regnete. Vulkanische Anti-Ästhetik pflegte danach Fifi von Tassel. Sie pellte sich mit einer Wucht und Wut aus ihrem Kostüm, als wollte sie zum Protestsong „Miss America Pie“ die zerrissene Trump-Welt durch die Gegend schleudern und dann zwischen ihre Pfunde packen. Einen Hauch von Moulin Rouge bescherte die Pariserin Minouche mit ihrer fulminanten Hula-Hoop-Nummer. Sagenhafte Bilder in einer Lightshow, bei der die Reifen wie riesige, bunt schillernde Seifenblasen zu rotieren schienen. Und internationale Spitzenklasse war auch der Kontorsions-Act von Tigris. Maskuline Luftakrobatik in Slowmotion und Vollendung. Eine „chili-scharfe Königin der Nacht“ aus Wien bediente die Fantasie dann mit einem dunklen Augenzwinkern und einem Silberblättchen über der Scham, während Rubyyy Jones als US-Girl für große Größen mit physischer Wucht zur Sache ging: Das umjubelte Finale einer Burlesque-Show, die das Publikum auch sonst rundum begeisterte.

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