Burnout Wenn nichts mehr geht

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Burnout trifft oft besonders leistungsfähige und engagierte Menschen - wie Ex-Schalke-Trainer Rangnick. Der Heilungsprozess ist langwierig.

Ralf Rangnick, der Trainer von FC Schalke 04, zieht sich zurück. Er ist ausgebrannt. Foto: AP
Ralf Rangnick, der Trainer von FC Schalke 04, zieht sich zurück. Er ist ausgebrannt. Foto: AP

Gelsenkirchen - Nun also auch Ralf Rangnick . Nach dem erst kürzlich Markus Miller, der Torwart von Hannover 96, seinen Rückzug wegen mentaler Erschöpfung erklärt hatte, musste nun der Trainer des FC Schalke wegen totaler Erschöpfung sein Amt aufgeben - völlig überraschend für sein sportliches Umfeld, wie es heißt.

Dies wiederum ist typisch für diese Krankheit: Die Betroffenen versuchen so lange wie möglich, ein "normales" Leben zu führen - bis irgendwann einfach nichts mehr geht und der Körper und die Seele zusammenbrechen. Die Patienten sind am Ende völlig ausgebrannt: Sie fühlen sich erschöpft und krank - und resignieren. Die Gefahr, in eine Depression abzugleiten, ist groß. Und oft genug liegen dann sogar auch Selbstmordgedanken nicht mehr fern.

Dabei ist der Weg zum Ausgebranntsein, zum Burnout, schleichend. Oft trifft es Menschen, von denen es eigentlich niemand erwartet hätte, weil sie sich voll mit ihrem Beruf und ihrem Leben identifizieren und dabei als besonders leistungsfähig gelten. Auch Leistungssportler bleiben vom Burn-out nicht verschont, wie das Beispiel des früheren zweimaligen Skiflug-Weltmeisters Sven Hannawald zeigt.

Die Ursachen müssen beseitigt werden

Bei den hohen Erwartungen und dem Druck, der inzwischen im Leistungssport an der Tagesordnung ist, verwundert es nicht, dass auch so engagierte Fußballtrainer wie Ralf Rangnick gefährdetet sind - zumal dieser immer wieder sein Motto verkündete: "Nur wer selbst brennt, kann Feuer entfachen."

Nun darf Rangnick auf längere Zeit kein Feuer mehr entfachen, wenn er wieder gesund werden will. Denn um Burnout erfolgreich behandeln zu können, müssen die Ursachen beseitigt werden. Dauernder Stress gehört dazu - und oft auch mangelnde Anerkennung. Die frisst sich dann langsam in die Seele hinein, wie wohl auch bei Ralf Rangnick, zuletzt bei Hoffenheim, wo sein Ehrgeiz zum Jahreswechsel 2010/11 jäh vom Mäzen Dietmar Hopp ausgebremst wurde.

Schon damals, so heißt es jetzt, hätten sich dort die ersten Burn-out-Symptome angekündigt. Vielleicht wollte Ralf Rangnick deshalb schon damals eine längere Pause einlegen. Doch dann ereilte ihn der Ruf von Schalke 04 - und er konnte und wollte nicht nein sagen. Das wurde ihm jetzt ganz offensichtlich zum Verhängnis.

Der Weg zurück ist schwierig

Es ehrt Ralf Rangnick und den Verein, dass beide nun offensiv mit dem "vegetativen Erschöpfungssyndrom" umgehen, wie es offiziell heißt. Und dass der Betroffene sich von sofort an schont - wozu auch gehört, dass es sich vollkommen aus dem Tagesgeschäft zurückzieht und auch nicht selbst der Öffentlichkeit seinen Schritt erklärt.

Wenn Körper und Geist erst einmal ausgebrannt sind, ist der Weg zurück in ein normales Leben so schwierig wie langwierig. Am Anfang können Antidepressiva einen Beitrag leisten. Doch wichtiger ist es, sich für sich selbst Zeit zu nehmen, zu entspannen, Ruhe zu finden. Das will Rangnick in seiner Heimatstadt Backnang tun. Ein wichtiger Teil der Therapie ist es auch, sich über Ziele, Erwartungen und Werte im Leben klarzuwerden, sagen Experten. Dann kann nach eher längerer denn kürzerer Zeit eine Rückkehr ins normale Leben durchaus gelingen. Sven Hannawald hat es offenbar geschafft.