Bus und Bahn in Leonberg Wenn der Parkschein zum Busticket wird

Von Ulrike Otto 

Die Stadt will bei einem Projekt des Regionalverbandes mitmachen.

Wer künftig ein Parkticket löst, könnte auch schon den Fahrschein in der Hand halten. Foto: dpa
Wer künftig ein Parkticket löst, könnte auch schon den Fahrschein in der Hand halten. Foto: dpa

Leonberg - Das Auto einfach im Parkhaus am Bahnhof abstellen, Parkschein am Automaten ziehen und damit anschließend Bus und Bahn im VVS-Verbund nutzen? Für viele Pendler wäre das ein Traum. Was in Stuttgart im Parkhaus Österfeld sowie auf dem Degerlocher Albplatz schon seit Jahren funktioniert, soll es nun bald auch andernorts geben. Neben der Landeshauptstadt will sich auch Leonberg daran beteiligen, auch Ludwigsburg, Marbach und Backnang sind dabei. Das ist Thema an diesem Donnerstag, sowohl im Planungsausschuss (ab 14 Uhr) sowie im Finanzausschuss (ab 19 Uhr) des Gemeinderates Leonberg.

Parkschein gleich Fahrschein – diese Anregung gab es bei einer Planungswerkstatt zum Masterplan „Nachhaltige Mobilität“ in Leonberg im Juni. Nachdem der Gemeinderat diesen Plan gebilligt hatte, hat die Stadt Fördermittel aus dem Programm des Bundes „Saubere Luft in der Stadt 2017 – 2020“ beantragt. Deshalb firmiert das Ganze in Leonberg auch als Teil des Luftreinhalteplans.

Weniger Autos in den Innenstädten

Bei dem speziellen Park+Ride-Projekt hat der Verband Region Stuttgart dabei die Federführung übernommen. Oberstes Ziel ist es, die Innenstädte vom Verkehr zu entlasten, indem mehr Menschen dazu motiviert werden, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Bislang scheiterte das oft an unübersichtlichen Flickenteppichen aus öffentlichen und privaten Parkhausbetreibern sowie verschiedenen Tarifsystemen.

Mit dem Projekt soll ein erster Schritt gewagt werden, das alles zu vereinheitlichen und einfacher zu gestalten. So soll etwa ein Parkautomat entwickelt werden, der die polygoCard, also die Kundenkarte des VVS, als Zugangsmedium anerkennt. Die Kosten für Entwicklung und Installation schätzt der Regionalverband auf 420 000 Euro. Die Hälfte davon käme als Zuschuss vom Bund, den Rest trägt der Verband selbst. Dafür erhält der Regionalverband einen Teil der Einnahmen. Für die Nutzer soll der Park-Fahrschein nur leicht über dem normalen Fahrpreis liegen.

Doch nicht nur die Verbundkarte soll beim neuen Parksystem genutzt werden. Auch Handyparken sowie E-Ticketing sollen möglich sein. Man hofft, so ein niederschwelliges Angebot zu machen für Pendler, die sonst nicht den Nahverkehr nutzen. In den Parkhäusern Österfeld und Degerloch habe man mehr Gelegenheitsnutzer gewonnen und so die Auslastung erhöht.

Projekt nur im Bahnhof-Parkhaus

In Leonberg ist der Park-Fahrschein nur für das Bahnhof-Parkhaus vorgesehen. Dort stehen 150 öffentliche Stellplätze zur Verfügung. Nach Berechnungen des Verbandes Region Stuttgart könnten dort durch das Angebot jährlich rund 25 000 Autofahrten auf Bus und Bahn verlagert werden. „Das Ganze hat nichts mit der Diskussion rund um die Tiefgarage unter der Altstadt zu tun“, betont Bärbel Sauer, die bei der Stadt Leonberg das Thema Mobilität bearbeitet. „Dort geht es darum, Parkraum für Anwohner und Beschäftige zur Verfügung zu stellen sowie ein attraktives Parkangebot für Besucher und Kunden des Einzelhandels, der Gastronomie, des Gewerbes sowie von Veranstaltungen in der Altstadt zu schaffen“, erklärt Sauer.

Sobald die Zuschüsse bewilligt sind und der Regionalverband ein maßgeschneidertes Tarifsystem für die jeweilige Kommune erarbeitet hat, soll das Plenum über das gesamte Vorhaben beraten und abstimmen.




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