Der Busfahrer des Jahres 2017 im Kreis Böblingen ist eine Frau: Jamina Ben Haouem. Sie sei freundlich und kompetent, sagen ihre Fahrgäste – und das trotz des Zeitdrucks in ihrem Beruf.

Böblingen - Sie fahre mit Freude, Geistesgegenwart und der nötigen Ruhe, die den Fahrgästen zugute komme. So hat ein zufriedener Fahrgast die junge Busfahrerin beurteilt. Ein anderer sagte, Jamina sei immer gut gelaunt und lasse sich durch nichts aus der Ruhe bringen, sie sei einfach gut. Beim Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart GmbH (VVS) hatte man so die Einsendungen von Fahrgästen zusammengefasst, die sich auf die 30-jährige Leonbergerin bezogen. Im Wettbewerb zum Busfahrer des Jahres, den der VVS zum 14. Mal ­veranstaltet hatte, bekam sie im Kreis Böblingen die meisten Stimmen.

Bei der Übergabe der Auszeichnung am Leonberger Busbahnhof wies der VVS­Geschäftsführer Thomas Hachenberger auf die große Bedeutung der Busfahrerinnen und Busfahrer hin. „Sie sind die Visitenkarten für den ÖPNV.“ Freundlichkeit und Fachkompetenz spielten eine große Rolle. Dazu komme noch der Zeitdruck, mit dem sie oft unterwegs seien, von der schwierigen Verkehrssituation ­einmal ganz zu schweigen.

Die beste Entscheidung, die sie treffen konnte

Hier meldete sich Monika Wöhr-Kühnemann zu Wort, die Geschäftsführerin des Busunternehmens Wöhr Tours mit Sitz in Weissach und Chefin von Jamina Ben Haouem. „In jüngster Zeit haben wir mit vielen Behinderungen auf unseren Strecken zu kämpfen“, sagte sie. Erst zwischen Leonberg und Rutesheim, nun ist die Ortsdurchfahrt von Flacht gesperrt. „Das ist auch für unsere Busfahrer nicht einfach, denn die Gäste beschweren sich, wenn der Bus später kommt.“ Viele wollen zur S-Bahn oder pünktlich zur Arbeitsstelle. 35 Fahrer, ­davon fünf Frauen, sind für Wöhr auf fünf Linien zwischen Leonberg, Rutesheim, Weissach, Renningen, Malmsheim und Gerlingen unterwegs. Jamina Ben Haouem ist eine von ihnen. Die Mutter von drei Kindern im Alter von fünf bis neun Jahren sitzt seit vier Jahren hinter dem Lenkrad. Busfahrerin zu werden, sei die beste Entscheidung, die sie treffen konnte, erzählt sie. Die Idee dazu habe ihr Vater gehabt. Und der muss es wissen, steuert er doch selbst bei Wöhr Tours die ­großen Fahrzeuge.

Um Job und Familie unter einen Hut zu bringen, braucht sie nicht nur die Hilfe einer Tagesmutter, sondern auch familienfreundliche Dienstpläne. „Wir tun hier, was wir können“, sagte die Wöhr-Tours-Geschäftsführerin. Übrigens hat die Firma Wöhr bereits zum vierten Mal die Auszeichnung um den Busfahrer des Jahres im Kreis Böblingen eingeheimst. „Wir machen Schulungen mit den Fahrern und führen auch Einzelgespräche. Dabei geht es um den Fahrstil oder den Umgang mit Kunden“, erklärte Monika Wöhr-Kühnemann.

Nicht die einzige ausgezeichnete Frau

Gerade im ländlichen Bereich gebe es viele ältere Fahrgäste, auf die besonders ­geachtet werden müsse, sagte Thomas ­Hachenberger. Jamina Ben Haouem kann dies offenbar besonders gut. „Ich begrüße jeden, der einsteigt, und achte darauf, dass niemand im Bus herumfliegt“, sagte sie. Man bekomme eine Beziehung zu den Kunden, wenn man immer die gleiche Linie fahre. „Und als ich jetzt aus dem Urlaub ­zurückgekommen bin, haben manche Fahrgäste gesagt: Schön, dass Sie wieder da sind.“ Darüber freute sich die Busfahrerin.

Die Leonbergerin ist nicht die einzige Frau, die den Preis vom VVS erhielt. Im Kreis Ludwigsburg wurde auch eine Kollegin ausgezeichnet.

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