Warten auf den Bus: Das kann für junge Menschen auf den Fildern mit neuen Bustakten Alltag werden. Foto: Markus Brändli
Mit einem offenen Brief kämpft die Jugendbeteiligung Ostfildern für den Erhalt der Bustakte auf den östlichen Fildern. Die Junge Union und die Jusos unterstützen sie.
Die drohende Ausdünnung der Verbindungen durch die Neuausschreibung des Buslinienbündels Filder Ost kritisiert die Jugendbeteiligung Ostfildern (JO) scharf. „Das ist ein völlig falsches Zeichen“, sagt Nina Köhler, eine der Jugendsprechenden im Gemeinderat.
In einem Offenen Brief an den Landrat Marcel Musolf, Ostfilderns Oberbürgermeister Christof Bolay und die Bürgermeister Ralf Barth aus Denkendorf und Ingo Hacker aus Neuhausen weisen die jungen Leute eindringlich auf die Folgen eines schlechteren Bustakts hin. „Jugendliche sind auf den ÖPNV angewiesen, um zur Schule zu kommen, Freunde zu treffen, Vereinsangebote wahrzunehmen und Freizeitangebote zu nutzen. „Viele junge Leute haben uns angesprochen“, sagt Köhler. Sie bemängeln die schlechte Anbindung an das Freibad in Denkendorf ebenso wie die Anbindung des Stadtteils Kemnat. Im Gemeinderat stellten die jungen Leute ihren Brief vor.
Der 14-jährige Finn Johansson kommt aus Kemnat. An seine Schule in Nellingen fährt er bei gutem Wetter mit dem Fahrrad. Wenn der Busverkehr, wie aktuell geplant, auf der Linie 131 von 9 bis 12 Uhr ausgedünnt würde, „müsste ich lange Wartezeiten in Kauf nehmen.“ Zwischen den Unterrichtsstunden heimzufahren, wäre nicht mehr möglich. Da Kemnat und Scharnhausen nicht an die Stadtbahn angebunden sind, würden sie aus Johannsons Sicht „weiter benachteiligt“.
Jugendsprechende von den Fildern kämpfen für den Erhalt der Bustakte. Foto: Markus Brändli
Auch die Stadtteile Scharnhauser Park und Parksiedlung wären dann nicht mehr so gut an Esslingen angebunden. „Das ohnehin schwache Angebot würde dann weiter beeinträchtigt“, sagt Nina Köhler, die in der Parksiedlung lebt. Die Jugendsprechende arbeitet in Stuttgart. Sie ist viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. „Gerade für Jugendliche sind Bus und Bahn wichtig, um soziale Teilhabe sowie Bildungs- und Freizeitangebote zu ermöglichen. Köhler denkt auch an Senioren aus Kemnat, die in Scharnhausen einkaufen wollen, und die auf Busse angewiesen sind: „Das Einkaufszentrum im Marktkauf ist für sie wie für die Stuttgarter das Milaneo.“
„Die Ausdünnung des Linienbündels Filder Ost geht nicht nur uns in Ostfildern an“, ist Nina Köhler überzeugt. Deshalb holte die JO Jugendorganisationen im Kreis Esslingen ins Boot. Oliver Häussler ist Vorsitzender der Jungen Union Filder. Er studiert IT und Datensicherheit in München, ist aber in Ostfildern verwurzelt: „Uns ist es ein Anliegen, den Erhalt des Status quo nochmals zu prüfen und gemeinsam mit weiteren betroffenen Kommunen sowie dem Kreistag in einen konstruktiven Austausch zu treten.“
Mobilität für alle ist ein Baustein für die Volkswirtschaft
Jannik Kegler ist Vorsitzender der Jusos im Kreis Esslingen. Der Chef des SPD-Ortsvereins in Wolfschlugen kritisiert, dass nur vier Busse täglich von Esslingen nach Wolfschlugen verkehren. „Um zu meiner Freundin nach Neuhausen zu kommen, muss ich nachts meist laufen.“ Auch seine Co-Kreisvorsitzende Lara Kern aus Oberboihingen unterstützt die Initiative. Jeder in den öffentlichen Personennahverkehr investierte Euro bringt aus Sicht der jungen Sozialdemokraten „der Volkswirtschaft im Nachhinein drei Euro ein.“
Gemeinsam machen sich die jungen Leute für den Klimaschutz stark. Die Kürzungen würden aus ihrer Sicht „einer klimafreundlichen Mobilität widersprechen“. Deshalb sehen sie es als eine wichtige Zukunftsaufgabe an, einen attraktiven Nahverkehr für alle zu erhalten. Für die Initiative gab es Lob von OB Christof Bolay: „Wir setzen uns weiter für ein attraktives Busangebot ein.“ Vorstöße wie dieser helfen nach seinen Worten, den dringenden Bedarf noch deutlicher zu machen.