Busverkehr Betreiberwechsel auf Schönbuch-Route

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Friedrich-Müller-Omnibus übernimmt zum Fahrplanwechsel die Buslinien von Tübingen über Waldenbuch und Steinenbronn nach Leinfelden-Echterdingen. Das hat auch Kostengründe, wie sich bei einer Pressekonferenz zeigt.

Bereit zum Einsteigen:  Landrat Roland Bernhard, Manfred Hovenjürgen als Chef der  Friedrich-Müller-Omnibus, der Waldenbucher Bürgermeister Michael Lutz, Thomas Knöller vom VVS und der Steinenbronner Bürgermeister Johann Singer (v.r.). Foto: Malte Klein
Bereit zum Einsteigen: Landrat Roland Bernhard, Manfred Hovenjürgen als Chef der Friedrich-Müller-Omnibus, der Waldenbucher Bürgermeister Michael Lutz, Thomas Knöller vom VVS und der Steinenbronner Bürgermeister Johann Singer (v.r.). Foto: Malte Klein

Schönbuch/Filder - Wie die Zukunft des Busverkehrs in der Region von Sonntag, 10. Dezember, an aussieht, zeigten Unternehmer und Bürgermeister am Donnerstagvormittag. Während einer Pressekonferenz an der Haltestelle „Waldenbuch Postamt“ stand dort eine Stunde lang ein neuer Niederflurbus der Firma Friedrich-Müller-Omnibus. Ab dem Fahrplanwechsel am zweiten Dezember-Wochenende rollen diese Busse auf den Strecken von Tübingen über Waldenbuch, Steinenbronn und weiter nach Leinfelden oder zum Flughafen.

Bisher war auf der Route durch den Schönbuch die Regional Bus Stuttgart (RBS) unterwegs. Für sie übernimmt nun deren Tochterfirma Friedrich-Müller-Omnibus (FMO) aus Schwäbisch Hall. Was die zwei verbindet: Sie gehören beide zum Deutsche-Bahn-Konzern. „Wir haben 22 neue Linienbusse gekauft, die pro Fahrzeug zwischen 190 000 und 200 000 Euro kosten“, sagte Manfred Hovenjürgen, der FMO-Geschäftsführer. Die Fahrgäste können während der Fahrt mit WLAN surfen.

Den Betreiberwechsel zur Tochterfirma begründete Hovenjürgen auch mit Kostengründen: „Omnibus Müller zahlt nach Tarifvertrag. Die RBS-Fahrer verdienen zu viel, um mit der Firma am Markt zu bestehen.“ Das Erscheinungsbild der Wagen ändere sich nicht. „Es bleiben rote Busse“, sagte Hovenjürgen. Diese stünden dann alle ab Sommer zur Verfügung.

Konzessionen wurden oft verlängert

Die wichtigsten Neuerungen bei den Linien 826 und 828: „Es gibt mehr Busanschlüsse an die S-Bahn in Leinfelden und Echterdingen“, sagte Thomas Knöller, Planungsleiter des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS). Es sind vier pro Stunde. Außerdem gibt es mehr Zeit beim Umstieg.

Zum Hintergrund: Bisher wurden für Nahverkehrsbuslinien Konzessionen vergeben, die häufig verlängert wurden, so dass ein Unternehmen den Verkehr lange betrieb. Das ändert sich nun, weil seit 2009 eine neue EU-Verordnung gilt, die die europaweite Ausschreibung der Linien vorsieht. Dabei werden in der Regel mehrere Buslinien zu Bündeln zusammengefasst, auf die sich Unternehmen zunächst bewerben können, die diese Strecken eigenwirtschaftlich, also ohne Zuschüsse, fahren wollen. Finden sich dafür keine Busunternehmer, werden die Linien ausgeschrieben.

Die Firma FMO hat das Rennen bei zwei Linienbündeln im Kreis Böblingen gemacht. Dazu zählen die Strecke 760 von Sindelfingen über Böblingen, Schönaich und Steinenbronn nach Waldenbuch sowie die Linie 826 von Tübingen über Waldenbuch und Steinenbronn nach Leinfelden und die 828 nach Echterdingen. Die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB), die bisher die Linie 86 von Vaihingen nach Waldenbuch fahren, fahren nun nur noch bis Leinfelden.

Das sei eine neue Ära, sagt der Bürgermeister

„Es beginnt eine neue Ära in der Welt des Busverkehrs in den Kreisen Böblingen und Esslingen“, kommentierte Waldenbuchs Bürgermeister Michael Lutz die Vergabe, aber auch die neuen Niederflurbusse mit Gepäckregal und Monitoren mit Haltestellenanzeigen. Wegen des Schneegestöbers an der Haltestelle sprachen Lutz und die anderen Redner im Inneren des Busses. „Gerade jetzt im Winter bei Schnee, Eis und Glätte denken viele Menschen daran, dass sie sich nicht mehr selbst ans Steuer setzen, sondern lieber den Bus nehmen“, sagte der Waldenbucher Bürgermeister.

Der Böblinger Landrat Roland Bernhard warb dafür, dass noch mehr Menschen den Nahverkehr nutzen. „Es herrscht noch das Bild, dass Autofahren höherwertiger als Busfahren ist.“ Dabei müsse das Ziel sein, dass Busfahren en vogue sei.

Bereits aktuell entschieden sich im Ländle 54 Prozent der Nahverkehrsnutzer für den Bus. Bernhard wies darauf hin, dass die FMO die Linien 826 und 828 eigenwirtschaftlich, also ohne Zuschüsse, fahren wird. Axel Koffmane, Verkehrsplaner der FMO, sagte, dass die Linie 828 bei Messen am Wochenende von 10 bis 17 Uhr im Halbstundentakt fährt.