Busverkehr Filderstadt-Aichtal Bis zum Normalbetrieb ist der Weg weit

Besonders die Schüler haben unter den Problemen auf der Strecke des  sogenannten Linienbündels 11 Aichtal-Filderstadt zu leiden. Foto: Gottfried Stoppel/Archiv
Besonders die Schüler haben unter den Problemen auf der Strecke des sogenannten Linienbündels 11 Aichtal-Filderstadt zu leiden. Foto: Gottfried Stoppel/Archiv

Vier Unternehmen helfen beim Busverkehr zwischen Filderstadt und Aichtal aus. Der Notfahrplan ist so wieder sichergestellt. Nun geht es um eine Notvergabe der fünf betroffenen Linien. Der Württembergischen Omnibusverband dringt auf eine neue Ausschreibepraxis.

Filderzeitung: Judith A. Sägesser (ana)
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Filderstadt/Aichtal - Schon Anfang Juli hatten sich die Teilnehmenden des Runden Tischs Busverkehr darauf verständigt, sich am 17. November erneut zu treffen. Damals konnte noch niemand ahnen, wie sehr der Termin Not tun würde. Denn just bei diesem Runden Tisch teilte das Landratsamt mit, dass das mit dem sogenannten Linienbündel 11 Aichtal-Filderstadt beauftragte Unternehmen den Betrieb eingestellt hat. Für die in dem Bündel zusammengefassten Linien 167, 805, 808, 809 und 808A galt ohnehin bereits ein Notfahrplan, doch auch dieser konnte nicht in vollem Umfang bedient werden. Mit der Einstellung des Betriebs Anfang dieser Woche kam es vor allem auf den Linien 805 zwischen Bernhausen und Walddorf und 809 zwischen Bernhausen und Aichtal-Neuenhaus zu Problemen.

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Mit Unterstützung eines Verkehrsberaters konnte der Landkreis Esslingen mittlerweile andere Unternehmen finden, die einspringen. „Diesen Unternehmen und ihren Fahrerinnen und Fahrern gilt besonderer Dank für ihre Bereitschaft, kurzfristig auszuhelfen“, wird der Filderstädter Oberbürgermeister Christoph Traub in einer Pressemitteilung zitiert. Zumindest der Notfahrplan sei damit wieder sichergestellt. „Diese Hilfe muss nun stabilisiert werden, das ist unser Ziel“, sagt Traub. Der Gesamtelternbeirat der Stadt Filderstadt sieht es ähnlich. Er bedankt sich ausdrücklich bei den Omnibusunternehmen Schlienz-Tours, OVK Omnibusverkehr Kirchheim, Knisel Bus + Reisen sowie Melchinger-Reisen in Neckartailfingen, die „in diesem Notfall sehr schnell und unbürokratisch den Busverkehr im Linienbündel Esslingen 11 am Laufen halten“.

Das Landratsamt arbeite mit Hochdruck daran, weitere Busse und Fahrer für das Linienbündel zur Verfügung zu stellen, um in den nächsten Wochen ein stetiges Hochfahren zum Normalfahrplan bewerkstelligen zu können. Der Gesamtelternbeirat wirbt für Verständnis, wenn „nicht alles zu 100 Prozent funktioniert“. Die Omnibusunternehmen würden zum Teil sogar aus anderen Bereichen des VVS aushelfen und dazu beitragen, dass die Fahrgäste wieder ein zuverlässiges Angebot haben und ohne Ausfälle ihre Ziele erreichen.

Gesamtelternbeirat wirbt um Verständnis

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Doch wie geht es nun weiter? Das Landratsamt wolle die weiteren Schritte für eine Notvergabe einleiten, um die Fahrten in dem Linienbündel wieder Schritt für Schritt in den Regelverkehr zurückzuführen, teilt die Stadt Filderstadt mit. Doch das könne rund fünf Monate dauern.

Das sagt der Württembergische Omnibusverband dazu

Die Insolvenz sei nicht die erste in der Gegend, sagt Witgar Weber, der Geschäftsführer vom Württembergischen Omnibusverband (WBO). Er erinnert an Bader Reisen mit Sitz in Grafenberg (Landkreis Reutlingen) oder Ganter in Erkenbrechtsweiler. „Die Unternehmen stehen in einem starken Wettbewerb“, sagt er. In Baden-Württemberg gebe es noch etwa 400 kleine, mittelständische Busunternehmen. Durch die Ausschreibepraxis der Landkreise kämen allerdings immer die billigsten Angebote zum Zug, sagt Witgar Weber. Die Kleinen müssten sich entscheiden: wachsen oder weichen.

Entscheiden sie sich fürs Wachsen, muss das meist ruckzuck gehen. Viele schaffen das schlicht nicht, sei es wegen der Fahrer, sei es wegen der Fahrzeuge. Andere schaffen es kurzzeitig und gehen dann kaputt. „Da ist ein zu großer Schluck auf einen Schlag aus der Pulle genommen worden“, sagt er über die jüngste Insolvenz, die aktuell auch die Fildergegend beschäftigt. Witgar Weber plädiert für ein „organisches Wachstum“ und keines von heute auf morgen. Deshalb müsse sich die Ausschreibepraxis dringend ändern, appelliert er an die Politik. „Wir wollen die Menschen doch für den ÖPNV begeistern“, sagt er. „Mit schlechten Leistungen kriegen wir das nicht hin.“ Weitere Informationen zum Fahrplan gibt es beim VVS im Internet sowie über die elektronische Fahrplanauskunft. Parallel werden die Schulen über den Notfahrplan und die unterstützenden Busunternehmen informiert.




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