Jean-Remy Butterlin und seine Frau Mariya vor der Weihnachtshütte in Nellingen. Foto: Ines Rudel
Mit einem Partyservice, einem Kochstudio und seiner Weihnachtshütte verblüfft der elsässische Küchenchef Jean-Remy Butterlin seine Gäste. Im Restaurant kann man Coq au Vin und handgeschabte Spätzle speisen.
Am dritten Adventssonntag klettert der Küchenchef Jean-Remy Butterlin im Nikolauskostüm auf den Kamin seines Dachs in der Hindenburgstraße in Nellingen. „Da verteile ich Geschenke an die Kinder.“ Liebevoll verpackte Überraschungen wirft er herunter. Auf die vielen strahlenden Augen freut er sich schon jetzt. Mit seiner Weihnachtshütte, die noch bis Silvester donnerstags bis sonntags geöffnet hat, zieht der gebürtige Elsässer Jung und Alt an. An den vier Tagen herrscht auch in seinem Restaurant Hochbetrieb.
Den Ansturm meistert Butterlin, der längst in Ostfildern heimisch geworden ist, problemlos. Mit seiner Frau Maria betreibt der 55-Jährige das Restaurant, in dem schwäbische und elsässische Küche auf der Karte stehen. Die kommt nicht auf Papier, sondern auf einer Holzfassdaube. Da stehen saure Kutteln und Maultaschen neben den französischen Klassikern Boeuf Bourguignon oder Cordon Bleu. Den Coq au Vin macht Butterlin mit einer weißen Soße, „der heißt bei mir Coq au Riesling“. Spätzle schabt der Küchenchef grundsätzlich selbst. In seinen Kreationen verschmelzen die schwäbische und die französische Kochkultur. Der Wein wird auf dem eigenen Gut der Familie Butterlin im Elsass nahe Colmar angebaut. Darauf ist der Küchenchef stolz.
Jean-Remy Butterlin aus Nellingen war auch schon Skilehrer
Seine ersten beruflichen Erfahrungen hat der Küchenchef in der Sterneküche gemacht. Dann zog es ihn in die Schweiz. „In meiner Heimat im elsässischen Münsterland sind wir viel Ski gefahren“, erzählt er. Deshalb legte er immer mal wieder die Kochmütze beiseite und gab Gästen Unterricht im Tiefschneefahren. Dass er Lust auf Abenteuer hat, ist Butterlin anzumerken. In der Schweiz lernte er seine späteren Arbeitgeber von Mercedes-Benz kennen. Dort durfte er für die Chefetage im Stuttgarter Raum kochen.
„Unser Traum war aber immer ein eigenes Restaurant“, verrät Butterlin. Den erfüllten er und seine Frau sich im Jahr 2005. Da eröffneten sie in den Räumen des ehemaligen Stahlbauunternehmens von Richard Klein ihr Restaurant. Inzwischen gleicht das Lokal, dem ein Kochstudio angegliedert ist, einem Museum. Die Decke des großen Gastraums ist mit den historischen Türen vom Klosterhof verkleidet. „Die Stadt war froh, dass wir die übernommen haben“, sagt der leidenschaftliche Sammler. Mit barocken Engelsfiguren, Stickbildern und nostalgischen Weinkrügen gibt es in seinem Lokal viel zu entdecken.
Die Gäste bringen Erinnerungsstücke ins Butterlins mit
„Oft bringen uns die Gäste auch eigene Andenken mit, die wir präsentieren“, verrät Maria Butterlin. Dabei zeigt sie auf ein Tuch, auf das Engelsfiguren gestickt sind. Diese Mitbringsel halten die Butterlins in Ehren. Jede Porzellantasse, jedes gehäkelte Deckchen wird in einem Büchlein notiert. Dazu schreibt sich Jean-Remy Butterlin die passenden Geschichten auf. „Nichts wird vergessen“, sagt der Kochkünstler lachend. Über den Köpfen der Gäste im großen Raum dreht eine Eisenbahn unaufhörlich ihre Runden. Die hat der Tüftler selbst zusammengebaut. An der Decke des Kochstudios hängt ein Gemälde, das die vier Kinder der Butterlins zeigt. Eine Kirchenmalerin aus Rumänien hat sie in Engelsgestalt porträtiert. „Ohne die Familie geht es nicht“, sagt Butterlin. Seine Töchter und der Sohn helfen im Restaurant, wann immer sie Zeit haben.
Jean-Remy Butterlin verbindet schwäbische und elsässische Küche. Foto: Ines Rudel
Das Hauptgeschäft seien der Partyservice und das Catering, sagt Butterlin. Für Feste, Firmenveranstaltungen und sonstige Anlässe lässt sich der kreative Küchenchef fantasievolle Gerichte einfallen. Dabei setzt er auf Zutaten aus der Region. Er liebt es, die Gäste zu überraschen. Sehr gut gebucht sind auch seine Kochkurse, die er für Firmen anbietet. „Das ist ein schönes Event für Teams“, findet der engagierte Elsässer. denn beim gemeinsamen Kochen lerne man sich mal von einer ganz anderen Seite kennen. Wenn er seine Tipps weitergibt, ist der kommunikative Franzose mit dem schwäbisch-elsässischen Akzent ganz in seinem Element.
Sein Faible für Historisches lebt Butterlin jetzt auch im Stuttgarter Straßenbahnmuseum im Bad Cannstatter Veielbrunnenweg aus. Dort veranstaltet er im besonderen Ambiente Weihnachtsfeiern. „Ich pendle zwischen Nellingen und Bad Cannstatt.“ Dass in den Museumsräumen eine der Straßenbahnen steht, die einst zwischen Esslingen, Denkendorf, Nellingen und Neuhausen verkehrte, fasziniert ihn. „Man glaubt kaum, dass früher Bahnen in der Hindenburgstraße fuhren.“ Am liebsten würde er vor seinem Restaurant einen alten Masten der Bahnstrecke aufstellen, um an diese Zeit zu erinnern.
Wie es sich früher in dem größten Ostfilderner Stadtteil lebte, erfährt Butterlin von den Seniorinnen und Senioren, die gerne in die Weihnachtshütte kommen. Da genießen sie einen Glühwein in den Sitzecken und kommen miteinander ins Gespräch. Wegen des riesigen Andrangs an Butterlins weihnachtlichem Angebot hat die Stadt Sperrzäune aufgestellt. Es gibt Bratwurst, gebrannte Mandeln und vieles mehr. Außerdem möchte der Koch Gutes tun. Der Verein Friends 4 Help, der sich um psychisch kranke Kinder kümmert, und die Krebsnachsorge für Kinder im Tannheimer Tal informieren und sammeln Spenden. Wenn es eng wird, helfen die Ehrenamtlichen auch mal am Glühweinstand aus.
Gastronom mit vielen Facetten
Weingut Auf das Wappen seiner Familie, das im Gastraum hängt, ist Jean-Remy Butterlin stolz. Die Familie des Gastronomen betreibt ein Weingut in der Nähe von Colmar im elsässischen Ort Wettolsheim. Die Weine der Domaine Butterlin schenkt die Familie im Lokal aus, das donnerstags bis sonntags ab 18 Uhr offen hat.
Weihnachten Ab 17 Uhr hat die Weihnachtshütte donnerstags bis sonntags an der Nellinger Hindenburgstraße offen. In der Corona-Zeit hat der Gastronom das Angebot gemacht, „damit sich die Menschen gefahrlos begegnen können“. Am Sonntag, 15. Dezember, steigt Butterlin als Nikolaus aufs Dach und verteilt Geschenke.
Straßenbahnmuseum Dass er ein Faible für die Technik und das Tüfteln hat, ist dem Elsässer anzumerken. So kam er mit dem Straßenbahnmuseum in Stuttgart in Kontakt. Dort besorgt er zurzeit das Catering für Events. In der Ausstellung historischer Wagen hat er eine Bahn entdeckt, die einst in Nellingen fuhr.