Butzengraben soll renaturiert werden Gerangel um Angelsee in Böblingen

Hier verträumt daliegend: Der Butzengraben, der parallel zur Schwippe liegt, war in den vergangenen Jahren an den Kreisfischereiverein verpachtet. Foto: Siegfried Dannecker/Archiv

Im Butzengraben im Schwippetal darf nicht mehr gefischt werden. Das ruft Widerspruch hervor und führte im Gemeinderat zu einem kleinen Schlagabtausch zwischen Fürsprechern der Schwippe-Angler und des Kreisfischereivereins.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Wenn Menschen an einer Sache hängen, wird es schnell emotional. So geschehen am vergangenen Mittwoch im Böblinger Gemeinderat, als sich Fürsprecher des Kreisfischereivereins Böblingen und der Schwippe-Angler einen kleinen Schlagabtausch lieferten. Es ging um die Renaturierung des Butzengrabens und die Frage, ob man dort künftig wieder angeln darf und – wenn ja – wer.

 

Der Butzengraben ist ein kleiner See unterhalb der Kläranlage im Dagersheimer Schwippetal. Jetzt soll seine Wasserqualität verbessert werden und ein Biotop entstehen, das unter anderem Amphibien bessere Lebensbedingungen bietet. Voraussichtlich Mitte 2025 präsentiert die Stadt die detaillierten Pläne. Der Zwist entzündete sich an einem Punkt: Das Gewässer soll nicht mehr als Fischereigewässer verpachtet werden.

Schwippe-Angler zeigen Interesse am Butzengraben

„Man hätte sich gewünscht, dass die Stadtverwaltung stärker mit den Schwippe-Anglern in Kontakt tritt, um mit ihnen über die Pflege des Gewässers zu sprechen“, sagte CDU-Stadtrat Frank Wolf. Denn: „Der Butzengraben liegt auf Dagersheimer Gemarkung und so wie jeder Sportverein einen Sportplatz braucht, brauchen Angelvereine ein Angelgewässer“, erklärte er später auf Nachfrage. Außerdem fließt die Schwippe, in der die Schwippe-Angler fischen dürfen, direkt neben dem Butzengraben. „Das gäbe sicher Synergien“, meinte Wolf.

Der Anspruch auf das Gewässer, der bei Wolf durchklang, rief bei Ralf Sklarski (Freie Wähler) Widerspruch hervor. Bis Ende 2024 hatte nämlich der Kreisfischereiverein Böblingen den Butzengraben gepachtet. Das hat historische Gründe. „Nur dem Engagement der Kreisfischereivereins ist es zu verdanken, dass der Butzengraben überhaupt entstanden ist“, sagte Sklarski. Ursprünglich hätte er beim Bau der A 81 in den 1970er Jahren zugeschüttet werden sollen. Der Kreisfischereiverein habe das mit Erfolg verhindert. Der damals noch junge Verein stemmte die Summe von 20 000 D-Mark, um den Butzengraben zu erhalten und als Angelsee anzulegen, so Sklarski. Wolf lauschte den Ausführungen im Gremium augenscheinlich aufmerksam, merkte aber süffisant an: Er sei dort oft unterwegs und habe nie jemanden von den Kreisfischern gesehen. „Naja, die machen ja auch kein Lagerfeuer, um ihren Fisch zu grillen, sondern bewegen sich naturnah“, konterte Sklarski.

Hinter dem kleinen Gerangel um den Butzengraben verbirgt sich ein für die Vereine wichtiges Anliegen. Die Anzahl der aktiven Mitglieder in einem Anglerverein bemisst sich nämlich an der Hektarfläche der Gewässer, die sie gepachtet haben. Mehr Seen bedeuten also mehr Mitglieder. „Die Schwippe-Angler müssen ihre Jugendarbeit begrenzen, weil nicht genug Wasserfläche vorhanden ist“, so Wolf, der aber nicht von einer Rivalität zwischen den Vereinen sprechen wollte. Auch Sklarski hatte seinen Widerspruch mit einem Kompliment begonnen: „Chapeau zum großen Engagement bei der Renaturierung der Schwippe in Dagersheim“, gab er den Schwippe-Anglern mit.

Kreisfischereiverein für Butzengraben eingesetzt

Die CDU stellte im Gremium schließlich den Antrag, nach zwei Jahren zu prüfen, ob die Renaturierung funktioniert und der See wieder befischt werden darf. Gegen den Zeitrahmen hatte jedoch nicht nur Sklarski, sondern auch Dorothea Bauer (Grüne) etwas einzuwenden. Er sei zu knapp, um den Erfolg der Maßnahmen zu bewerten, so das Argument. Das sah die CDU ein und verlängerte auf Frühjahr 2029. Da ging das Gremium mit. Sollte sich dann herausstellen, dass dort wieder geangelt werden darf, ist eine Frage aber noch nicht geklärt: Wer – die Schwippe-Angler oder der Kreisfischereiverein?

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