BW von oben – Tripsdrill Freizeitpark mit langer Geschichte
Tripsdrill ist der älteste Freizeitpark in Deutschland. Was gab es dort im Jahr 1968 zu sehen? Unser Luftbilder-Projekt „BW von oben“ zeigt es.
Tripsdrill ist der älteste Freizeitpark in Deutschland. Was gab es dort im Jahr 1968 zu sehen? Unser Luftbilder-Projekt „BW von oben“ zeigt es.
Cleebronn - Seit Jahrhunderten gibt es in Literatur und Bildender Kunst die Sehnsucht nach einem sagenhaften Jungbrunnen, Quellen des ewigen Lebens oder eben nach Altweibermühlen. Dort mahlt der Müller nicht nur Getreide, sondern verwandelt auch alte Frauen in junge, wenn er bestimmte Zaubersprüche spricht.
Auch für den kleinen Ort Treffentrill unter dem Michaelsberg bei Cleebronn (Kreis Heilbronn) gab es solche wundersamen Erzählungen. Als Eugen Fischer, der Besitzer einer Gaststätte, in den 1920er Jahren immer wieder launig von den Gästen darauf angesprochen wurde, entschloss er sich 1929, eine solche Altweibermühle zu bauen. Das war der Start des ältesten Freizeitparks Deutschlands. Der Europapark in Rust etwa wurde erst 1975 gegründet.
Jung werden kann man in der Tripsdriller Altweibermühle nicht, sich aber zumindest jung fühlen: Bis heute besteht die Mühle (die erste brannte 1946 ab, die heutige stammt aus dem Jahr 1950) aus einer langen Rutsche, die Jung und Alt hinabrutschen können. Zu dieser Altweibermühle und zu einem Freizeitpark passt übrigens auch der Name Tripsdrill: Er bezeichnete früher eine Art Wolkenkuckucksheim oder einen verzauberten Ort.
Als im Jahr 1968 das hier gezeigte Luftbild geschossen wurde, konnte der Freizeitpark Tripsdrill also schon auf fast vier Jahrzehnte Geschichte zurückblicken. Helmut Fischer, Jahrgang 1954 und Enkel des Gründers, leitet heute mit seinem Bruder Roland den Park – und kann sich noch gut an die 1960er Jahre erinnern. Wenn sie damals mit dem Fahrrad von der Schule in Bönnigheim nach Hause fuhren, konnten sie schon von weitem erkennen, ob sich die Mühlenflügel der Altweibermühle drehten: „Wenn das der Fall war, wussten wir: Es sind Besucher im Park. Dann mussten wir nach Schulschluss mithelfen.“
Tatsächlich waren 1968 bereits einige Attraktionen in Betrieb. Dazu gehörten neben der Gaststätte und der Altweibermühle ein Eisenbahnparcours; die Lokomotiven wurden per Pedale angetrieben. Mit einem Wasserstrahl konnte man auf „Wildschweine“ schießen. Es gab eine Affeninsel mit Gibbons, die von einem Wassergraben umschlossen war. Und auch ein Wildpark mit Kamelen, Zebras und anderen Tieren existierte schon. Dieser Park wurde schon 1972 an die heutige Stelle, etwa zehn Gehminuten vom Freizeitpark entfernt, verlegt.
Helmut Fischer erzählt gerne die Anekdote, dass er Anfang der 1970er Jahre eine Super-8-Kamera geschenkt bekommen habe und damit tolle Aufnahmen machen wollte. Also habe er nach Max-und-Moritz-Manier die kleine Brücke, die zur Affeninsel hinüberführte, angesägt und sich mit seinem Bruder auf die Lauer gelegt. Tatsächlich brach das Brett durch, als der Tierpfleger mit seinem Futtereimer hinüberwollte. Wie der arme Mann ins Wasser fiel, ist bis heute auf Film dokumentiert – weil sich Helmut und Roland Fischer aber vor Lachen bogen, sind die Bilder ziemlich verwackelt.
Schon 1970 kam dann eine Altmännermühle dazu. Tripsdrill war also sehr früh darauf bedacht, kein Geschlecht zu diskriminieren. In dem Geschicklichkeitsparcours können die Herren der Schöpfung beweisen, wie fit sie körperlich noch sind.
Seither hat sich die Fläche von Tripsdrill vervielfacht. Aber bis heute legt der Freizeitpark Tripsdrill Wert darauf, schwäbische Traditionen lebendig zu halten, etwa mit einem Vinarium, in dem historische Weinpressen ausgestellt werden, oder mit dem Heiratsmarkt, in dem alte Bräuche wieder aufleben sollen.
Aber für viele Besucher von Tripsdrill sind heute natürlich die großen Achterbahnen die Hauptattraktion. An der Holzachterbahn „Mammut“ und der Katapult-Achterbahn „Karacho“, die in 1,6 Sekunden auf hundert Stundenkilometer beschleunigt, bilden sich deshalb oft Schlangen. Insgesamt 100 Attraktionen soll es mittlerweile geben.
Das Gelände von Freizeitpark und Wildparadies umfasst heute 77 Hektar – allein die Parkplätze sind heute größer als 1968 das gesamte Gelände. Jährlich kommen 780 000 Besucher nach Tripsdrill. Damit gehört Tripsdrill vermutlich zu den zehn meistbesuchten Attraktionen in Baden-Württemberg. Unangefochten an der Spitze steht der Europapark mit (in normalen Zeiten) rund 5,8 Millionen Besuchern pro Jahr.