Ein 31 Jahre alter Mann ist für eine Serie von Autoaufbrüchen in Stuttgart verantwortlich. Seine bevorzugte Methode: Mit einem Messer die Verdecke aufschneiden. Seine Beute war niedrig, der Schaden immens.
Regelmäßig warnt die Polizei davor, Wertgegenstände wie Laptops und Mobiltelefone in Fahrzeugen zurückzulassen. Auch Rucksäcke, die von außen gut sichtbar sind, können das Interesse der Täter auf sich ziehen. Ein 31 Jahre alter Autoknacker, der sich nun am Landgericht Stuttgart verantworten musste, hat auf solche Details offenbar nicht geachtet und im vergangenen Sommer in nicht einmal 24 Stunden eher wahllos im Stuttgarter Stadtgebiet mehrere Wagen aufgebrochen. Die Beute war insgesamt überschaubar. Und am Ende wurde er auch noch auf frischer Tat geschnappt.
Drei Taten am Bopser in kurzem Abstand
Los ging die Serie an einem Samstag Mitte Juli 2024 in einer Tiefgarage an der Schillerstraße nahe dem Hauptbahnhof. Dort schnitt er im Laufe des Abends das Stofffaltdach eines Fiat mit einem Taschenmesser auf und stahl eine Handtasche im Wert von 600 Euro. Darin befanden sich unter anderem ein Reisepass, Airpods und ein Portemonnaie mit etwas Geld. Nur einen Tag später schlug er dann offenbar in den frühen Morgenstunden mehrfach am Bopser zu: Zunächst schnitt er nach Angaben des Richters bei einen VW-Cabrio mit einem Taschenmesser das Verdeck auf und erbeutete eine Baseballmütze. Dann soll er über ein kleines Holztor gestiegen sein, um auf einem Privatgrundstück mit derselben Methode aus einem Mazda-Cabrio einen Schlüsselbund und einen Meißel zu stehlen. Mit diesem Werkzeug schlug er dort gleich noch eine Seitenscheibe eines Seat ein und stahl eine Jacke im Wert von 170 Euro.
Als Wohnungseinbrecher erfolglos
Der Mann, der vor seiner Verhaftung arbeitslos gewesen war, machte offenbar nur eine kurze Verschnaufpause. Möglicherweise, um seinen Modus Operandi zu wechseln. Gegen 7.30 Uhr kletterte er in der Sophienstraße mutmaßlich über ein Fallrohr einer Regenrinne auf den Balkon eines Einfamilienhauses, um dort die Tür aufzuhebeln. Er soll jedoch von einem Anwohner gestört worden sein und ergriff die Flucht, offenbar in die benachbarte Hauptstätter Straße. Dort soll er nur kurz danach mit einem Obstmesser versucht haben, ein Fenster an einem Mehrfamilienhaus aufzuhebeln. Dabei brach ihm aber offenbar die Klinge ab.
Am Sonntagnachmittag endete dann die bisherige Verbrecherkarriere in einem Innenhof an der Neckarstraße in Stuttgart-Ost. Zum Verhängnis wurde dem Mann offenbar ein Ford mit geöffneten Scheiben. Gelegenheit macht bekanntlich Diebe, nicht aber in diesem Fall. Als er gerade im Innenraum ein Taschenmesser an sich nehmen wollte, sei er vom 29-jährigen Fahrer entdeckt, angesprochen und gestellt worden, so der Richter. Nach Polizeiangaben kam es zu einer Rangelei. Alarmierte Beamte konnten den Täter nach kurzer Flucht festnehmen.
Angeklagter zieht Berufung zurück
Bereits im Dezember 2024 ist der geschiedene Mann am Amtsgericht Stuttgart wegen Diebstahls mit Waffen – aufgrund des Messereinsatzes – in sechs Fällen und wegen versuchten schweren Wohnungseinbruchsdiebstahls zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Am Landgericht ging das Verfahren in zweiter Instanz schnell über die Bühne, weil sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft ihre Berufungen zurückzogen. Somit ist das Urteil rechtskräftig. Zuvor wurde dem Angeklagten deutlich gemacht, dass die Gefahr besteht, dass sich das Urteil verschlechtern könne, sollte erneut verhandelt werden. „Denn am Amtsgericht Stuttgart wurden die Schäden an den Autos nicht berücksichtigt“, sagte der Richter. Es handele sich um hohe vierstellige Beträge. In einem Fall belaufe sich die Reparaturrechnung auf 4000 Euro, in einem anderen auf 9000 Euro.