Baden-Württembergs Finanzminister Danyal Bayaz beschreitet in der Kommunikation neue Wege. Mit einem Podcast will er jüngeres Publikum erreichen. Es gibt dazu auch bitterböse Kommentare.

Digital Unit : Sascha Maier (sma)

Stuttgart - Danyal Bayaz, Finanzminister in Baden-Württemberg, tritt in ungewöhnlicher Rolle auf: Der Grüne empfängt jetzt in einem eigenen Podcast mit dem Titel „Cäshflow“ prominente Gäste und plaudert mit ihnen über Geld und Politik. Die erste Folge, in der es um Klimapolitik geht und in der sich Bayaz mit Eckart von Hirschhausen unterhält, ist seit Montag abrufbar. Die Opposition bewertet den Talk des 38-Jährigen unterschiedlich.

Hier können Sie den Podcast hören:

„Wir merken, dass wir über die klassischen Kanäle und Medien weniger Leute erreichen“, sagt ein Sprecher des Finanzministeriums zu den Beweggründen. Vor allem junge Leute wolle man so mit finanzpolitischen Themen erreichen. Außerdem erlebe man eine „Podcast-Blüte“ in der Pandemie.

900 Euro Kosten pro Folge

Aktuell ist eine Folge pro Monat geplant. In der nächsten Folge will Bayaz sich mit der Wirtschaftswissenschaftlerin und Wirtschaftsweisen Monika Schnitzler über Inflation unterhalten, weitere Gesprächspartner stehen noch nicht fest. Themen schon: So soll es demnächst beispielsweise um Start-ups und Existenzgründungen gehen.

Produziert wird der Podcast in einem Tonstudio aus Stuttgart, bezahlt wird die Dienstleistung aus dem Topf für Öffentlichkeitsarbeit des Ministeriums. „Eine Folge kostet 900 Euro“, sagt der Sprecher. Zusätzliche Werbekosten würden keine anfallen. Den Finanzminister nehme die Aufnahme inklusive Vor- und Nachgespräch ungefähr eineinhalb Stunden in Anspruch. Sollte der Podcast wenig Gehör finden, behalte man sich vor, ihn auch wieder einzudampfen, heißt es aus dem Ministerium.

Dass Politiker eigene Podcasts machen, ist eher ungewöhnlich. In der Landespolitik in Baden-Württemberg tut niemand etwas Vergleichbares, schon gar nicht in einem Ministeramt. Der bayerische Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) betreibt einen Wissenschaftspodcast, Niedersachsens Kultusminister Björn Thümler (ebenfalls CDU) auch. Bayaz leistet auf dem Feld etwas Pionierarbeit. „Es gibt jetzt auch keinen Podcast, der unserem wirklich Vorbild stünde“, sagt der Sprecher des Finanzministeriums.

Hohn und Spott von Hans-Ulrich Rülke

Die Opposition im Landtag übt keine direkte Kritik an den neuen Kommunikationswegen belächelt den Schritt aber teilweise. „Wenn ich mir die bisherige Arbeit des Finanzministers anschaue, ist es mir lieber, dass er einen Podcast produziert, als dass er sich um den Landeshaushalt kümmert“, sagt der FDP-Fraktionsvorsitzende Hans-Ulrich Rülke.

SPD-Fraktionschef Andreas Stoch ist der Idee, neue Wege zu beschreiten, prinzipiell nicht abgeneigt. „Wenn Politik gut erklärt und transparent dargestellt wird, ist das nur zu begrüßen“, sagt er. Politische Kommunikation müsse sich ständig weiterentwickeln. Aber auch er verkneift sich eine kleine Spitze nicht: „Wir sind nur gespannt, ob er dabei die Gelegenheit nutzt und erklärt, wieso er bisher so wenig in bezahlbaren Wohnraum oder sichere Bildung investiert hat.“ Seine Kernaufgabe, „gute Finanzpolitik für das Land zu machen“, solle er dabei nicht vergessen.

Danyal Bayaz’ Stil als Finanzminister polarisiert immer wieder und wird von manchen als ungewöhnlich bezeichnet. So wurde nach der Geburt seines Sohnes heftig diskutiert, ob es einem Landesminister gut anstehe, so etwas wie eine Art Elternzeit zu nehmen.

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