Gemütlichkeit an wahrhaft historischer Stätte – das Café am Klosterhof residiert nicht irgendwo in der Nähe des einstigen Klosters zu Murrhardt, sondern direkt im sogenannten Langen Bau, dem restaurierten Ökonomiegebäude des im Jahr 816 in Murrhardt gegründeten Benediktinerklosters. Das ursprüngliche Kloster in Murrhardt bestand zunächst als Abtei St. Januarius bereits ab 750 und zählt neben Ellwangen und Hirsau zu den ältesten Klostergründungen in Württemberg.
Alte Verpflichtung und neue Akzente
Sie sei inzwischen gut 20 Jahre aktiv im Café am Klosterhof, sagt Inhaberin Christina Pirkl beim Treff am Klosterhof. Zunächst als Mitarbeiterin unter dem Vorgänger, dann hat sie das Café 2018 direkt von ihm übernommen. Mit dem ganz klaren Vorsatz, der Stammkundschaft weiterhin den gemütlichen Treff bei Kaffee und großer Kuchenauswahl zu bieten. Und mit dem Anspruch eigene attraktive, frische und selbst kreierte Akzente zu setzen – auch für diejenigen, die vor allem am Wochenende bei Stadtbesichtigung, Wanderung oder Radtour ein attraktives Plätzle zu Erholung und Stärkung suchen. Bekannt sei das Café am Klosterhof vor alle für den hauseigenen Bienenstich und die ebenfalls selbst gemachten Apfelkuchenvarianten. „Darauf bin ich schon ein bissle stolz“, sagt die Wirtin. Prompt setzen sich zwei ältere Damen an den Nachbartisch im Außenbereich des Cafés und fragen sofort nach dem aktuellen Kuchenangebot – und dem Bienenstich. Aber zuerst darf es am warmen Frühsommernachmittag nach dem Spaziergang zwecks Abkühlung bitteschön „ein schöner Eiskaffee“ sein.
Mit dem gewissen Stolz der Gastgeberin erzählt die Café-Chefin auch von der Liste an erfrischenden Cocktails, die am Murrhardter Klosterhof nicht nur ständig frisch angerichtet werden, sondern großteils auch selbst kreiert sind. „Freitags ist Wochenmarkt, da ist die Hütte voll“, erzählt Christina Pirkl von den Stoßzeiten im eigenen Hause. Und am Wochenende bei anständigem Wetter, da kommen natürlich massenhaft Ausflügler, und es empfehle sich schon manchmal, rechtzeitig vorher zu reservieren.
Außerdem habe sich der Dienstag zu einem Tag entwickelt, an dem die Bude auch meist sehr gut gefüllt sei – „warum auch immer“. Vielleicht liegt es am liebevoll dekorierten Klosterhofbecher mit Eis, Früchten und Likör oder dem hauseigenen Cocktail mit dem im Klosterhof natürlich absolut passenden Namen Pharisäer.
Der Lange Bau ist mehrmals abgebrannt
Apropos echte Lehre und wahre Stadtgeschichte: Die ältesten Bauteile der heutigen Klostergebäude in Murrhardt, so schreibt Heimathistoriker Rolf Schweitzer in seinem in der Speisekarte des Cafés zu lesenden historischen Abriss, stammen aus der Romanik, so um das Jahr 1150. Der Gesamtbau von Abt Thomas wurde um 1550 nach Kriegszerstörungen vergrößert und neu errichtet. Außer als Stall und Speicher diente der Lange Bau damals auch als Wehr- und Schutzbau an der Klostermauer.
Noch etwas Café-Historie: Beim großen Stadtbrand am 24. August 1765 ging auch dieses Bauwerk komplett in Flammen auf. Es wurde danach als Fachwerkscheune neu errichtet. 1842 verkaufte die staatliche Klosterverwaltung das Haus. Ein erneuter Brand äscherte 1877 die Scheune wieder ein, und 1879 erfolgte der erneute Aufbau. Viele verschiedene Nutzungen setzten, so berichtet Rolf Schweitzer, dem Bauwerk zwischenzeitlich „böse zu“.
„Der Wandel in den letzten Jahren, die Rückbesinnung auf Traditionen und kulturelle Werte unserer Geschichte, die Gesetzgebung auf dem Gebiet der Denkmalpflege und die Richtlinien zur Sanierung alter Bausubstanzen in unseren Städten – nicht zuletzt aber verständige Hausbesitzer und Bauherren – dies alles trug dazu bei, Stück für Stück ein Kleinod des Ortsbildes wieder zurückzugewinnen“, schreibt Schweitzer. Der Teilbereich im Langen Bau, in dem nun das Café am Klosterhof samt Außenbereich residiert, sei ein großer Schritt vorwärts im Bestreben, die Identität der Stadt Murrhardt zu erhalten.