Lara Frenzel (rechts) und ihre Mitarbeiterin Anja Schneider lieben es, anderen den Tag zu versüßen. Foto: /Stefanie Schlecht
Lara Frenzel hat auf der ganzen Welt von Sterneköchen und Patissiers gelernt. Vor Kurzem zog sie zurück in die Heimat und eröffnete in Herrenberg das Café Goldammer. Ihre Torten sind Kunstwerke mit viel Liebe zum Detail.
Um 9 Uhr morgens klingelt Lara Frenzels Wecker. Nicht etwa, um sie aus den Federn zu holen, sondern um sie daran zu erinnern, dass in einer Stunde ihr Café öffnet und alles für die Gäste bereit sein muss. „Sonst bin ich manchmal so im Tunnel, dass ich die Zeit aus den Augen verliere“, sagt die 31-Jährige und stellt den Alarm aus.
Auf den Beinen ist die Konditorin schon seit vielen Stunden: Um 5 Uhr morgens beginnt ihr Arbeitstag in der Backstube hinterm Café. Dann rühren sie und ihre Mitarbeiterin Teige, schlagen Sahne, schmelzen Schokolade oder schnippeln Früchte. Jeder Kuchen, jede Torte und jeder Keks ist von den beiden Frauen selbst gemacht. „Das ist das Besondere bei uns, dass wir alles in der Früh’ backen und dann selbst servieren“, sagt Frenzel. Jedes Backwerk ist ein Kunstwerk: Rote Beeren und Vanillecreme-Tupfer ranken um den rosa Tortenrand, Feigen und Heidelbeeren zieren die Sachertorte, die Aprikosentörtchen schillern orange und werden von einer goldenen Nuss geziert. Es ist augenfällig: Hier wird mit Liebe zum Detail und Hingabe fürs Produkt gebacken.
Törtchen zum reinbeißen Foto: /Stefanie Schlecht
Vor einem Jahr hat Lara Frenzel mitten in der Herrenberger Altstadt ihr Café Goldammer eröffnet und sich damit einen Traum erfüllt. „Mit zehn habe ich meine erste Skizze von einem Café gezeichnet“, erzählt sie. Ihre früheste Kindheitserinnerung sei, wie ihre Mutter backt und sie neben ihr auf der Küchenzeile sitzt und den Schneebesen abschleckt. Alle Frauen ihrer Familie hätten gerne und viel gebacken, „mir ist es in die Wiege gelegt worden“. Dass sie eines Tages Konditormeisterin werden würde, war trotzdem nicht abzusehen, denn ein Schulpraktikum bei einem Bäcker war ernüchternd: „Viel schleppen, früh aufstehen, schlechtes Gehalt – damals dachte ich: niemals.“
Doch ihr Herz siegte über ihren Verstand: Mit 16 Jahren zog sie zuhause aus und begann eine Lehre bei einer klassischen Bäckerei/Konditorei in Baiersbronn im Schwarzwald. Warum dann doch? „Ich habe mir gedacht, ich möchte nicht unbedingt viel Geld verdienen, sondern das machen, wofür ich jeden Tag gerne aufstehe“, sagt sie. Als Konditor verrichte man zwar nicht so wichtige Arbeit wie ein Krankenpfleger, „aber Kuchen machen jeden glücklich“.
Im Café Goldammer schmeckt Sterneküche der ganzen Welt
Der berufliche Werdegang, der Frenzels Ausbildung folgte, ist so bunt und vielschichtig wie ihre Torten und erklärt, warum sie als Meisterin ihres Fachs bezeichnet werden muss. Sie hatte rund um den Globus herum Anstellungen in der gehobenen Gastronomie und arbeitete, wie sie selbst sagt, mit „brillanten Köchen und Patissiers“, zusammen. „Alle Eindrücke, die ich unterwegs gesammelt habe, kann man in der Goldammer wiederfinden und schmecken.“ Unter anderem arbeitete sie im Hotel Traube-Tonbach in Baiersbronn, wurde dort mit 21 Jahren Sous-Chefin der Patisserie und arbeitete Schulter an Schulter mit dem Patissier der Sterneküche zusammen. Mit dem Meistertitel in der Tasche ging sie ein Jahr auf Reisen und schnupperte in viele verschiedene Sterneküchen hinein. „Ich war als Backpackerin unterwegs. Im Rucksack waren mein Zelt und meine Kochjacke“, erzählt sie und lacht.
Das Café Goldammer liegt mitten in der Herrenberger Altstadt. Foto: /Stefanie Schlecht
Lara Frenzel machte Station in Neuseeland, Schweden, Portugal, Österreich und Bali. Als Corona kam, kehrte sie nach Deutschland zurück und zog hoch an die Küste nach Flensburg, um nach Feierabend ihrer in Portugal gewonnenen Surf-Leidenschaft nachzugehen. Weil ihr das Wellenreiten in der kalten Nord- und Ostsee aber nicht mehr so viel Spaß machte, zog sie Ende 2022 wieder gen Heimat nach Herrenberg. Sie suchte aber keine Anstellung mehr in der Sternegastronomie; der teils verschwenderische Umgang mit Lebensmitteln und Arbeitsressourcen passte nicht mehr zu ihr. Stattdessen kehrte sie zurück zu ihren Wurzeln und arbeitete einige Monate beim Herrenberger Bäcker Baier als Konditorin in der Backstube – bis der Wunsch, die eigene Kreativität zu entfalten, im Juni 2023 das Café Goldammer aus dem Ei schlüpfen ließ.
Frühstück und Butterbrot
Aus dem gediegenen Café Atelier, das vorher in den Räumen an der Tübinger Straße 14 untergebracht war, machte Lara Frenzel in wenigen Wochen einen geschmackvoll eingerichteten Wohlfühlort, kombinierte moderne Elemente mit antiken und neue Möbel mit Second Hand. Außer Kuchen und Torten bietet sie Frühstück und kleine salzige Gerichte an, die einfach, aber mit Pfiff sind. Statt der klassischen Butterbrezel hat sie zum Beispiel ein Steinofen-Butterbrot auf der Speisekarte, das sie mit Kresse, grünem Basilikumöl und grob gemahlenem Pfeffer verfeinert. Alle drei Monate wechselt sie die Karte, um möglichst saisonale Zutaten anzubieten. „Das Credo bei meinem Einkauf auf dem Wochenmarkt ist: So weit wie nötig, so nah wie möglich.“
Den Entschluss, ihr eigenes Café zu eröffnen, hat Lara Frenzel noch keinen Tag bereut: „Es ist anstrengend, aber ich bin total zufrieden.“ Besonders gut gefalle ihr der enge Kundenkontakt, wenn sie ihr Selbstgebackenes serviert. Das gebe es in der Sterneküchen so nicht. „Ich bekomme viel positives Feedback, das ist total schön“, sagt sie.
Kaffee und Kuchen
Goldammer Die Idee für den Namen hatte Lara Frenzels Schwester, weil der Vogel Goldammer in der Region heimisch ist und die Ammer bei Herrenberg entspringt. Früher habe sie Gold nicht so gemacht, „aber inzwischen finde ich es ganz klasse, hier und da Goldelemente im Café zu haben“, sagt die Konditorin.
Offen Das Café hat donnerstags bis sonntags von 10 bis 17.30 Uhr geöffnet. Vom 12. bis 18. August ist Betriebsurlaub. Vom 22. bis 25. August wird mit verkürzten Zeiten von 11 bis 17 Uhr geöffnet.
Bestellung Für besondere Anlässe fertigt Lara Frenzel auch individuelle Torten an, sei es für eine Hochzeit, das bestandene Abitur oder den Einhorngeburtstag.
Kollegial In Herrenberg bieten auch das Café Làlà und das Marktcafé Kuchen und Zimtschnecken an, die Lara Frenzel produziert hat. „Ich hatte Kapazitäten und fand den Gedanken schön, mit ihnen zusammenzuarbeiten“, sagt sie.