Café International in Korb Wo Freundschaften über Grenzen hinweg entstehen

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Es ist ein Ort, an dem sich unterschiedliche Menschen begegnen sollen: Das Café International in Korb. Getragen wird das Projekt vom Freundeskreis Asyl und von vier Kirchengemeinden. Um Mission geht es nicht – wohl aber um christliche Nächstenliebe, sagen die Initiatorinnen.

Gitarrespielen verbindet. Foto: Gottfried Stoppel
Gitarrespielen verbindet. Foto: Gottfried Stoppel

Korb - Ins Café International sind alle eingeladen – Einheimische, Flüchtlinge, Alte, Junge, Familien und Alleinstehende, Menschen mit und ohne Handicap. Es solle ein Ort der niederschwelligen Begegnung sein, sagt Rose Schaaf von der evangelischen Kirchengemeinde in Korb. Im Januar hat das Café International bereits zum 25. Mal seine Pforten geöffnet.

Unzählige Kuchen sind seit der ersten Veranstaltung im September 2016 gebacken und verspeist worden, Künstler haben musiziert und die Gäste für Gitarre und Didgeridoo begeistert. Zwischen Korbern und Flüchtlingen sind Freundschaften entstanden. „Anfangs hätte ich nie für möglich gehalten, dass das Projekt so lange läuft“, gibt Käthe Pegel von der evangelisch-methodistischen Gemeinde zu.

Als vor einigen Jahren bekannt wurde, dass auch Korb Flüchtlinge aufnehmen muss, hat sich im Ort der Freundeskreis für Asyl und Integration gegründet. Dort haben sich Rose Schaaf und Bärbel Friedrich von der neuapostolischen Kirche kennengelernt. Bei einem weiteren Treffen entstand die Idee zum Café International. Weil es ein ökumenisches Projekt sein sollte, kamen Käthe Pegel und für die katholische Kirche Gabi Sigloch hinzu. An rund sieben Sonntagnachmittagen im Jahr lädt der Freundeskreis Asyl seither zu Kaffee und Kuchen sowie einem Bühnenprogramm mit regionalen Künstlern in die Alte Kelter.

Die Kirchengemeinden arbeiten zusammen

„Das muss von vielen Leuten mitgetragen werden“, sagt Bärbel Friedrich. Denn um die Bewirtung kümmern sich die evangelische, die katholische, die neuapostolische sowie die evangelisch-methodistische Kirchengemeinde abwechselnd. 14 Kuchen benötige man für einen Nachmittag, an dem im Schnitt rund 130 Gäste kommen, berichten die Frauen. Wer möchte, könne eine Spende geben, die wiederum für Ausflüge und Veranstaltungen des Freundeskreises Asyl verwendet werde. Die Kosten für die Bewirtung tragen die Kirchengemeinden nämlich selbst. „Hier wird christliche Nächstenliebe wirklich gemeinsam praktiziert“, sagt Bärbel Friedrich. Eine derart gute ökumenische Gemeinschaft sei nicht selbstverständlich, ergänzt Käthe Pegel. Aktiv für den christlichen Glauben geworben werde im Café International aber nicht, betonen die Frauen. „Wenn wir allerdings merken, dass jemand Interesse daran hat, laden wir ihn zum Gottesdienst ein“, erklärt Rose Schaaf.

Über konfessionelle Unterschiede und sprachliche Barrieren hinweg haben sich im Café International mit der Zeit Freundschaften entwickelt, berichtet Bärbel Friedrich. Wie beispielsweise zwischen einer alleinstehenden Korberin und einer syrischen Familie: Die Frauen kochen zusammen Maultaschen und Spätzle, treffen sich häufig zum gemeinsamen Essen. Andere Korber helfen Flüchtlingen beim Deutschlernen oder beim Pauken für den Führerschein. Auch aus dem Auftritt einer Gitarrengruppe ist etwas Neues entstanden: Weil einige Flüchtlinge so begeistert waren, dass sie das Instrument selbst erlernen wollten, geben Rose Schaaf und zwei weitere Korber inzwischen neun jungen Leuten Gitarrenunterricht.

Dankbar für die Freiheit

Doch für manche Menschen, die aus Ländern wie etwa Eritrea, Gambia, Syrien, dem Kosovo, Afghanistan oder dem Irak geflohen sind, ist der Aufenthalt in Deutschland nicht von Dauer: So musste ein irakisches Ehepaar Korb wieder verlassen, während seine erwachsenen Kinder hier bleiben durften. Bärbel Friedrich hält über Whats-App Kontakt nach Erbil. „Oft ist es auch für uns nicht verständlich, warum die einen bleiben dürfen und die anderen nicht“, sagt Rose Schaaf. „Seit ich Flüchtlinge kenne, bin ich sehr dankbar, dass wir hier in Freiheit leben können. Es wird einem dadurch noch stärker bewusst, wie privilegiert wir leben“, meint sie.

Anfangs habe es im Ort auch deutliche Vorbehalte gegenüber den Flüchtlingen gegeben, erinnert sich Käthe Pegel. Sie selbst habe es aber als sehr schöne Erfahrung erlebt, ganz unterschiedlichen Menschen zu begegnen. Raum für Begegnung soll es auch künftig geben: Die vier Frauen haben vor, die Kinderbetreuung während der Veranstaltung auszubauen und zudem weitere Vereine für das Projekt zu gewinnen – bislang sind nur die Landfrauen dabei.