Stadtkind Stuttgart

Café Klotz will den Charlottenplatz aufwerten Klotzen statt kleckern

Von Björn Springorum 

Will den Charlottenplatz aus dem Dornröschenschlaf holen: Das neue Café Klotz fängt im Kleinen an und hat Großes vor!

Franziska Krämer und Sadik Kapti: Für ein schöneres Stuttgart! Foto: Björn Springorum 3 Bilder
Franziska Krämer und Sadik Kapti: Für ein schöneres Stuttgart! Foto: Björn Springorum

Stuttgart – Es gibt viele Gründe, ein eigenes Café zu eröffnen. Der Schönste ist immer noch, weil man seine Stadt aktiv mitgestalten, verändern, aufhübschen möchte. Eben das treibt Franziska Krämer und Sadik Kapti vom neu eröffneten Café Klotz an. Das Paar will das Antlitz ihrer Heimatstadt verändern, will proaktiv etwas dafür tun, dass das Zentrum lebenswerter wird. Ihr Motto? Nicht schimpfen, machen! Krämer lacht: „Auch wir saßen oft zuhause und haben geschimpft, wenn uns mal wieder was nicht gepasst hat.“ Irgendwann merkten sie: Wer wirklich etwas verändern will, muss die Sache selbst in die Hand nehmen. Und nicht einfach über alles motzen.

Klotz am Bein?

Gesagt – getan: Die olle Segafredo-Bar am Charlottenplatz-Ausgang neben der Wikinger-Kneipe stand leer, Krämer und Kapti erkannten das Potential der zentralen, aber stiefmütterlich behandelten Lage, griffen sofort zu. Benannt haben sie ihr neues Baby nach dem Gebäude, in dessen Erdgeschoss sich der kleine Laden mit den hohen Decken befindet: Von Architekten mal mehr, mal minder liebevoll „Klotz“ genannt, ist das Charlotten-Hochhaus eines der höchsten und berühmtesten Gebäude der Stadt. 42 Meter hoch, zwölf Stockwerke und 7000 Quadratmeter, erst kürzlich aufwändig restauriert und aus den Sechzigern in die Gegenwart geholt.

Sicher, schön ist dieser Klotz nicht. Den beiden ist das egal. „Wir sind Stuttgarter mit Leidenschaft und lieben den Klotz, weil wir Stuttgart lieben“, sagt Kapti. Zudem bietet er Möglichkeiten, die dem jungen Paar sofort ins Auge stachen. Zum Beispiel die breite Treppe direkt daneben. Die führt zu einer riesigen, komplett ungenutzten Terrasse. „Spätestens nächsten Sommer wollen wir die mitnutzen“, bekräftigt Krämer, die früher als Grafikerin gearbeitet hat. „Noch ist nicht sicher, ob wir dieses Jahr schon die erforderlichen Genehmigungen erhalten.“ Damit hatten die beiden in den letzten Wochen sehr viel zu tun, leicht ist es nicht, alles zu erfüllen. Dennoch bemühen sie sich, um Stuttgart einen neuen Ort zu bescheren, der die Menschen zusammenbringt. „Viele dieser Orte gibt es in Stuttgart nicht“, findet Kapti. Er kommt aus der Gastronomie, war die letzten zwölf Jahre im Imbiss-Bereich tätig. „Wer draußen sitzen und gemütlich etwas trinken will, muss immer wieder auf dieselben Läden zurückgreifen.“

Einfach, aber gut

Mit dem Café Klotz kommt ein weiterer dazu. Ein unkompliziertes Tagescafé für die Menschen in der näheren, gern auch aus der weiteren Umgebung. Das kommt im Viertel um den Charlottenplatz gut an: Herrenausstatter, Zahnärzte und Friseure reagierten erfreut auf den gastronomischen Zuwachs, viele Passanten bleiben schon einen Tag vor der Neueröffnung neugierig stehen. Das soll erst der Anfang sein. „Unsere Vision ist es, den Charlottenplatz vom ungeliebten Wahrzeichen zu einer Oase umzugestalten, die für Lebensqualität steht.“ Im Angebot haben Krämer und Kapti neben dem urbanen Flair auch Kaffee, Käpsele-Bier von Hofbräu und einige hochwertige Spirituosen. „Aber nichts Abgefahrenes“, unterstreichen sie, „wir sind ja keine Barkeeper.“ Das Klotz soll ein unkomplizierter Ort für unkomplizierte Menschen werden, kein Hipster-Baristaschuppen, kein Craft-Beer-Emporium und auch keine Mixology-Bar mit 97 verschiedenen Gins. „Wir haben wenige, aber ausgesuchte Produkte, so oft es geht aus der Region.“ Gin aus dem Schwarzwald, Schwäbischer Whisky, Stuttgarter Bier. Für die Snacks gilt das auch: Der türkische Sesamkringel Simit kommt hier mit Schwarzwälder Schinken, es gibt regionale Sandwiches und belegte Brote.

10000 Menschen

Ebenso wichtig wie gute Produkte und die lockere Stimmung in dem auffällig designten Laden ist den beiden eben die Schaffung eines Raumes, der einen Unterschied macht. Schon haben die beiden zahlreiche Ideen, einen Obstgarten auf dem Dach etwa, ein Themenquiz, bei dem Stuttgart-Fragen zu beantworten und dadurch Rabatte rauszuholen sind, wechselnde Ausstellungen, Kooperationen mit den umliegenden Einrichtungen wie dem Schriftstellerhaus. Hauptsache eben, die Ecke wird etwas belebt. „Hier laufen jeden Tag 10000 Menschen durch, doch es bleibt niemand stehen, weil es kein Angebot gibt“, klangt Krämer. Ihr Partner ergänzt sie: „Alle reden über die Kulturmeile, die irgendwann kommen soll. Dabei wäre es doch wichtiger, im Kleinen anzufangen und mit dem zu arbeiten, was wir haben.“

Das Café Klotz hat es getan, bei der offiziellen Eröffnung vergangenen Samstag war die breite Treppe daneben urplötzlich ein wunderbar quirliger, innerstädtischer Treffpunkt. Jetzt ist es an den Stuttgartern, den neuen Ort mit Leben, Geschichten, Erinnerungen zu füllen. Fangen wir doch gleich damit an!

Café Klotz, Charlottenstr. 6, Stuttgart-Mitte