Café Nachbarschafft im Stuttgarter Süden feiert Der Kontakt zum Mensch von nebenan

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Am 25. Mai, dem bundesweiten Tag der Nachbarn, feiert das Café Nachbarschafft im Stuttgarter Süden sein gelungenes Konzept als Treffpunkt zum gegenseitigen Kennenlernen.

Das Café Nachbarschafft sieht sich nicht nur als Kontaktstelle im Stadtteil, sondern auch als Ort gelebter Inklusion. Foto: Mehmet  Werner
Das Café Nachbarschafft sieht sich nicht nur als Kontaktstelle im Stadtteil, sondern auch als Ort gelebter Inklusion. Foto: Mehmet Werner

S-Süd - Im Namen des Café Nachbarschafft im Gebrüder-Schmid-Zentrum finden sich ganz bewusst zwei „ff“: „Hier schaffen die Nachbarn und hier soll Nachbarschaft geschaffen werden“, erklärt die Hausleiterin Carola Hägele die Idee. In diesem Monat wird das Café zehn Jahre alt. Da passt es besonders gut, dass die Institution am 25. Mai erstmals am bundesweiten Tag der Nachbarn teilnimmt. Zwischen zehn und 17 Uhr können die Gäste unter dem Motto „Tausend Feste feiern“ bei Livemusik und Kuchen zusammen singen und neue Kontakte knüpfen.

Plaudern ist Programm

Das Café im Gebrüder-Schmid-Zentrum stellt sich der Herausforderung, im Rahmen des bürgerschaftlichen Engagements kulturelle, soziale und generationenübergreifende Themen zu behandeln. Durch die notwendigen, praktischen Hilfestellungen für die Gäste aus dem Pflegeheim, das sich ebenfalls im Mehrgenerationenhaus befindet, wird im Nachbarschafftscafé Inklusion praktisch gelebt.

„Wir sind kein Lokal, in man sich einfach so in die Ecke setzen kann“, betont Carola Hägele. Die Leute sollen hier miteinander ins Gespräch kommen. Deshalb hat sich das Café zur Teilnahme am Tag der Nachbarn angemeldet. „Das passt zu uns. Wir sehen uns als Ort, an dem sich Nachbarn kennenlernen“, sagt sie. Auch Freunde haben sich hier schon gefunden.

Man spricht Deutsch

Insgesamt 80 Ehrenamtliche wirken am täglichen Betrieb mit. Ihr Engagement reicht vom Kaffee kochen über Kuchen backen übers Putzen bis zur Mithilfe bei Veranstaltungen oder bei der Unterstützung von Flüchtlingen. Rund die Hälfte der aktiv Mitarbeitenden sind selbst Flüchtlinge. Für alle gilt: Man spricht Deutsch hier. Das gilt vor und hinter der Theke. So können die Geflüchteten ihre Sprachkenntnisse laufend verbessern. „Wir bilden bei den Diensten immer Tandems, bei denen stets ein Deutschsprachiger dabei ist“, erklärt Carola Hägele dieses Prinzip der Zusammenarbeit.

Abends können die Gäste aus den Flüchtlingsunterkünften ebenfalls herkommen und sich von deutschen Ehrenamtlichen Hilfe bei den Hausaufgaben aus dem Sprachkurs holen. Ebenso können sie sich das Amtsdeutsch in den erhaltenen Behördenbriefen erklären lassen, das sie selbst nicht verstehen können.

Gemischtes Publikum

Das Café hat sein Stammpublikum, das sich vor allem morgens hier trifft. „Viele ältere Menschen, die in prekären Verhältnissen leben, sind froh umsonst oder gegen eine kleine Spende einen Kaffee oder ein Stück Kuchen zu bekommen“, beobachtet die Hausleitung. Von dem bunten Strauß an Veranstaltungen, die regelmäßig an diesem Ort stattfinden, fühlen sich auch andere Besucherkreise aus Heslach angesprochen. So wird jede Woche einmal gemeinsam im Café gemalt, einmal pro Monat gibt es Karaoke und ebenfalls einmal pro Monat wird ein kostenloses Frühstück angeboten. Außerdem werden über die wechselnden Ausstellungen noch weitere Zielgruppen aus dem Süden angesprochen. „Wir brauchen das unbedingt, damit unser Konzept funktioniert“ – davon ist Carola Hägele überzeugt.

Nachbarschaftsdialoge starten

Die Aktivitäten des Cafés als Kontakt- und Kennenlernstelle für die Bewohner des Stadtteils werden jetzt ausgeweitet. Fünf Jahre lang werden nach dem Zufallsprinzip Menschen aus dem Umfeld des Gebrüder-Schmid-Zentrums zu den regelmäßig stattfindenden Nachbarschaftsdialogen eingeladen werden. Die Basis der Gespräche bilden die Ergebnisse einer Fragebogenaktion beim Willkommensfest für „Neu-Heslacher“ am 28. April. Da haben 300 Teilnehmer zu zwei unterschiedlichen Themenkomplexen Stellung genommen. Einmal ging es darum: „Was macht Sie glücklich?“ und einmal wurde nach dem Kontakt zu den Nachbarn gefragt.

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