Café Volle Kanne in Sindelfingen Ein kleines Stück Zuhause für Menschen in Not
Im Café Volle Kanne können sich Menschen mit kleinem Geldbeutel nicht nur stärken, sondern auch ihr Herz ausschütten.
Im Café Volle Kanne können sich Menschen mit kleinem Geldbeutel nicht nur stärken, sondern auch ihr Herz ausschütten.
Die Eingangstür ist geschlossen, um die kalte Winterluft auszusperren. Doch lange bleibt sie nicht zu. Ein Mann mittleren Alters tritt in das CVJM Haus in der Sindelfinger Seestraße ein. „Ein Stammgast“, erklärt Emmi Wacker, die seit 14 Jahren ehrenamtlich im Café Volle Kanne der Martinskirche mithilft. Begrüßt wird er herzlich von den helfenden Damen, die ihn sogleich zu einem mit Blumen gedeckten Tisch bitten und ihn mit Pizza und Saft bedienen. Bezahlen müssen die rund 30 Gäste 50 Cent, einen symbolischen Betrag.
Die Begegnungsstätte für Menschen in Notlagen gibt es schon seit mehr als 20 Jahren in Sindelfingen. Immer montags bedeutet es für die Gäste ein kleines Stück Zuhause. Während es in den Monaten Januar und Februar jeweils ein selbstgekochtes Mittagessen gibt, bieten die Ehrenamtlichen in den Folgemonaten jeden Montag von 9 bis 11.30 Uhr ein herzhaftes Frühstück und von 14 bis 17 Uhr Kaffee und Kuchen an.
„Viele unserer Gäste haben ein schweres Schicksal erlebt“, erzählt Emmi Wacker vom Team des Cafés. Sei es der Tod eines Partners oder Kindes, eine Scheidung, oder der Verlust des Arbeitsplatzes – all das lasse die Menschen ganz schnell aus dem gesellschaftlichen Raster fallen. Damit alle aber wieder ein klein wenig Freude am Leben gewinnen können, versucht das Team vom Café Volle Kanne den Menschen auch das Jahr über etwas Schönes zu ermöglichen. So gibt es verschiedene Feste, Ausfahrten und auch Geschenke zum Geburtstag, erzählt Petra Weth, eine der 15 Helferinnen.
„Man kommt im Café auch ins Gespräch, viele erzählen einem ihre Geschichte“, ergänzt Emmi Wacker. Man nehme vieles mit nach Hause, sind sich die Frauen einig. Oft geht die Hilfe über Speis und Trank und Gespräche hinaus. So begleiten die Ehrenamtlichen die Gäste auch mal zu Behördengängen oder zum Arzt. Das Café Volle Kanne sei wichtig für bedürftige Menschen und Menschen, die Kontakt suchen, erzählen die ehrenamtlichen Frauen. Etwa 30 Personen suchen das Café montags auf, die meisten sind den Freiwilligen bekannt. 15 Helfer sind es, die sich unter der Leitung von Anne Graf jeden Montag abwechselnd engagieren. Finanziert wird das Café über Spenden.
Jelena Stojanovic wollte im Vorruhestand etwas Sinnvolles machen und stieß auf das Sindelfinger Angebot für Bedürftige. „Ich freue mich, dass ich der Gesellschaft nun etwas zurückgeben kann“, so die Rentnerin, die seit 18 Jahren in der Sindelfinger Begegnungsstätte hilft.
Emmi Wacker hat vor 14 Jahren angefangen, sich im Café volle Kanne zu engagieren. „Als mein Mann starb, wollte ich eine Aufgabe haben“, erklärt die 74-Jährige, die ihre Sonntage gerne mit Kuchenbacken für Bedürftige verbringt. „Ich bin sehr glücklich, hier helfen zu können und habe es keinen Tag bereut.“