Callejon covert Bausa & Co. Metal trifft Hip-Hop

Schönes Cover von Callejon: „Hartgeld im Club“ Foto: Century Media Records
Schönes Cover von Callejon: „Hartgeld im Club“ Foto: Century Media Records

Manchmal denkt man, bestimmte Dinge, die passen einfach nicht zusammen. Zum Beispiel Heavy Metal und Hip-Hop. Aber die Band Callejon beweist, dass dies nicht stimmt. Sie covern die schönsten Songs von Rin, Bausa & Co. Wir fragten nach, warum.

Stuttgart - Wer sich ein bisschen in der Szene auskennt, der weiß, dass Hip-Hop und Metal gar nicht so spinnefeind sind, wie man zunächst meinen könnte, wenn man die jeweiligen Fans der beiden Genres betrachtet. Die Zeiten, in denen sich die Anhänger der beiden Musikrichtungen nicht ausstehen konnten, sind vorbei, und auch die musikalischen Grenzen weichen immer mehr auf.

Das beweisen auch die fünf Musiker der Metalcoreband Callejon, die am Freitag im Rahmen ihrer Tour im Stuttgarter Wizemann haltgemacht haben. Auf dem dazugehörigen Album „Hartgeld im Club“ sind nicht nur Features mit Hip-Hop-Acts wie Antifuchs, Pilz und K.I.Z zu finden, sondern auch zahlreiche Cover deutscher Rapkünstler. So haben die fünf Musiker unter anderem gleich zwei Songs von Künstlern aus der Region gecovert und „Was du Liebe nennst“ von Bausa und „Bros.“ von Rin ordentlich durch den Metalmixer gedreht. Fehlt eigentlich nur noch Shindy, um die Riege der Bietigheimer Rapper zu vervollständigen. Aber wie kommt man als reine Metalband eigentlich auf die Idee, sich die größten aktuellen Rap-Künstler vorzunehmen und die Tracks als Metalstücke zu covern?

„Hip-Hop und Metal hatten schon immer Berührungspunkte“

„Ich glaube, für viele Leute ist das eine Kombination, die auf den ersten Blick nicht zusammenpasst“, gibt der Gitarrist Bernhard Horn im Gespräch mit unserer Zeitung zu und ergänzt: „Ich finde das aber eigentlich recht naheliegend, da Hip-Hop und Metal immer schon Berührungspunkte hatten. Die Beastie Boys waren ja in der 80er Jahren schon aktiv, und der ganze Nu Metal ist extrem von Hip-Hop beeinflusst gewesen. Besonders fallen mir da Limp Bizkit als Beispiel ein.“ Auch Callejon haben bereits in der Vergangenheit mehrfach gemeinsame Sache mit der Formation K.I.Z. gemacht. Eine Nähe zum Rap war also für die Band schon eine ganze Weile da. Für Gitarrist Horn steht fest: Trotz der vielen Unterschiede in Musik und Subkultur gibt es noch mehr Gemeinsamkeiten der beiden Genres. Besonders die Tatsache, als Szene Gegenentwurf zum Mainstream zu sein, spielt hier seiner Meinung nach eine Rolle. „Das Aufbrechen von ­Regeln und Tabus haben Metal und Rap gemeinsam. Ich finde es schon logisch, das musikalisch zusammenzubringen.“

Aber war für die Jungs von Callejon zuerst die Idee da, Hip-Hop zu covern, oder hat sich der Mix des Albums zufällig ergeben? „Wir haben gedacht, wir wollen ein Partyalbum machen. Es ist ja schon unser das zweite Coveralbum“, klärt Bernhard Horn auf. Schon auf dem Album „Man spricht Deutsch“ waren bekannte deutschsprachige Popsongs zu hören. Aber auch hier fand sich auch Rap von Fettes Brot und den Fantastischen Vier.

RAF Camora zeigt sich äußerst zufrieden

Da Callejon nicht noch einmal Pop covern wollten und auch Rap sehr verschieden sein kann, wollten es die Musiker damit einmal versuchen. „Außerdem ist Hip-Hop aktuell das absolut erfolgreichste Genre“, gibt Horn zu. Als man sich an die Songs machte, hat dann auch alles gut geklappt. Auch musikalisch hat es zwischen den Metallern und den gecoverten Hip-Hop-Acts kein böses Blut gegeben. Alle Coversongs wurden von den entsprechenden Labels oder Verlagen freigegeben, das war die Vorgabe des eigenen Labels. Alle Cover sind also von den originalen Künstler abgesegnet. Und von einigen gab es sogar positives Feedback: Die beiden Superstars der Szene, Bonez MC von der 187 Strassenbande und RAF Camora haben über ihr Management verlauten lassen, dass sie die Metalversion von „Palmen aus Plastik“ ziemlich gut finden. „Das fanden wir natürlich cool“, berichtet nun der Metalmusiker.

Dass gerade Künstler wie Bonez MC auch durch ihr Verhalten in der öffentlichen Kritik stehen, stellt für Gitarrist Bernhard kein großes Problem dar, „Wir hätten keinen Song gecovert, hinter dem wir textlich nicht stehen können“, stellt er klar und betont, dass beispielsweise „Palmen aus Plastik“ eben ein klasse Partysong ist, der einfach Spaß macht. Eine Tatsache, die auch auf dem Konzert später mehr als deutlich wird.

In beiden Genres gibt es technisch extrem anspruchsvolle Songs

Aber was macht guten Rap und Metal aus? Für Musiker Bernhard Horn hängt das zunächst nicht von der rein musikalischen Qualität ab: „Ich muss einen emotionalen Zugang zu der Musik haben. Bei beiden Genres gibt es Songs, die technisch extrem anspruchsvoll sind, und es gibt Lieder, die haben einen tollen Text und sind technisch nicht so krass.“ Wie bei vielen Dingen macht es auch hier die Mischung, erklärt der Metalmusiker: „Es muss als Song funktionieren und einfach zünden.“

In Sachen Hip-Hop-Cover sind die Jungs von Callejon also nun geübt. Aber wie sieht es von der anderen Seite aus? Könnten sich die Jungs eines ihrer Lieder in einer Hip-Hop-Variante vorstellen? „Ich fände einen Text von SSIO auf einem Callejon-Playback klasse“, überlegt Horn und outet sich somit als Fan des Rappers, der bei Xatars Label „Alles oder Nix Records“ veröffentlicht. „Ich finde, SSIO ist aus vielen Gründen ein toller und unterhaltsamer Künstler, auch weil er auf vielen Ebenen Ironie reinbringt. Das finde ich spannend. Das würde mir gefallen.“




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