Campus in Ludwigsburg Hochschulen dürfen wachsen – kommen auch Wohnungen?

Mit fast 10 000 Studenten ist Ludwigsburg ein bedeutender Hochschulstandort. Ein Großteil studiert auf dem Campus am Favoritepark. Foto: Werner Kuhnle/ (Archiv)

Es braucht mehr Lehrer im Land, Finanzbeamte sind ebenfalls gefragt. Dass die Hochschulen in Ludwigsburg, wo die Studenten ausgebildet werden, wachsen können, sichert ein Rahmenplan, der jetzt auf den Weg gebracht wurde. Ein Thema bleibt strittig.

Digital Desk: Michael Bosch (mbo)

Es ist eng an den beiden Hochschulen am Favoritepark in Ludwigsburg – zu eng. Der Pädagogischen Hochschule (PH) und der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen (HVF) fehlen zusammen rund 7400 Quadratmeter an Fläche, um die Studentinnen und Studenten adäquat zu versorgen. Im Hinblick auf den Lehrermangel im Land sind diese Voraussetzungen ein Problem.

 

Etwas Abhilfe schaffen soll ein sogenannter Verfügungsbau am Eingang zum Gelände neben der alten Sporthalle. Dass diese baufällig ist – so sehr, dass sie nicht einmal mehr betreten werden darf – hatte vor gut drei Jahren zu dem Entschluss geführt, den Campus neu zu ordnen. Die neue Schwimm- und Sporthalle ist bereits im Bau, die Verantwortlichen hoffen, dass sie im Laufe des Jahres fertig wird. Wann das Verfügungsgebäude kommt, ist noch nicht sicher. „Wenn die Baugenehmigung vorliegt, hoffen wir, im Sommer mit dem Bau beginnen zu können“, sagt Corinna Bosch, Leiterin des zuständigen Amtes für Vermögen und Bau in Ludwigsburg. „Wünschenswert wäre es, dass das klappt“, sagt PH-Rektor Jörg Keßler.

Baubeginn für neues Gebäude im Sommer?

Indes haben Verwaltung und Bauausschuss in der jüngsten Sitzung mit dem Entwurf für den Bebauungsplan und einem konkreten Rahmenplan festgezurrt, wie sich der Campus weiterentwickeln könnte. Der Gemeinderat soll Anfang Februar zustimmen.

„Wir wollen helfen, den Lehrermangel im Land zu beenden“, sagt Ludwigsburgs Baubürgermeisterin Andrea Schwarz. Dort, wo derzeit noch die alte Sporthalle steht, sehen die Pläne ein Mensa- und Seminargebäude vor. Auf dem Parkplatz davor ist ein bis zu 44 Meter hohes Hochhaus möglich. Gebaut werden könnte zudem nördlich des Hauptbaus; der Komplex, in dem sich die Bibliothek befindet, kann erweitert werden. Derzeit sehe es eher danach aus, dass er saniert werde, sagt der Stadtplaner Martin Kurt. Was tatsächlich auf dem Gelände passiert, entscheidet das Land – die Grundlagen dafür, dass sich die Hochschulen ausbreiten können, seien jedenfalls geschaffen. „Wir wollen nicht als Raupe Nimmersatt auftreten“, gibt sich Keßler zurückhaltend. Corinna Bosch äußert sich nicht zu weiteren Plänen. Nur so viel: „Wir wollen den Campus aus den 70er Jahren in die heutige Zeit holen.“ Dazu gehöre, die Aufenthaltsqualität zu verbessern.

Ein Hochhaus auf dem Parkplatz

Theoretisch könnte das Land auf dem Gelände auch Wohnungen bauen – für Studenten, an einer Stelle auch für die Allgemeinheit. Der Vorschlag, das zu prüfen, kam aus dem Gemeinderat und wurde aufgenommen. Um möglichst flexibel zu sein, schreibt der Bebauungsplan statt Geschossen vor, wie hoch die Gebäude maximal sein dürfen.

In die Höhe zu bauen, hält Christine Knoß (Grüne) für sinnvoll, um Flächen zu schonen. Das Konzept sei durchdacht. Das sehen auch Reinhardt Weiss (Freie Wähler), Dieter Juranek (SPD) und Jochen Eisele (FDP) so. Die Grünen freuen sich darüber, dass ein Baumwall stehen bleibt. Die Eingriffs- und Ausgleichsbilanz habe viel Zeit in Anspruch genommen, so Kurt. Unter anderem wird an der Fröbelstraße ein „Amphibienleitsystem“ installiert. Kröten und Frösche aus dem Favoritepark und den südlich gelegenen Gärten müssen so nicht über die Straße, sondern können kleine Tunnel nutzen. Auf dem Areal befindet sich ein kleines Biotop.

Generelle Kritik an den Plänen äußerte im Ausschuss nur Adelheid Kainz (Lubu), die die Versiegelung und die Auswirkungen auf den angrenzenden Schlosspark kritisierte. Ihr Ja verweigerten auch die beiden CDU-Mitglieder Maik Braumann und Claus-Dieter Meyer. Die Sicherung und Weiterentwicklung des Hochschulstandorts sei wichtig, so Braumann, jedoch steht seine Fraktion dem geplanten Mobilitätskonzept kritisch gegenüber. „Das Problem mit dem Parken wird nur in die Zukunft verschoben.“

Parkgebühren ab November in Eglosheim

Verwaltung und Hochschulen streben an, den Autoverkehr – vor allem die Nachfrage nach Parkplätzen – deutlich zu reduzieren, zumal die S-Bahn praktisch direkt vor der Tür hält. Die Stadt wird dazu in einem zweistufigen Verfahren evaluieren, wie viel Plätze Studierende, Mitarbeiter und Besucher tatsächlich benötigen. Man müsse erst einmal „sortieren“, wer sein Auto auf dem Gelände überhaupt abstelle, heißt es aus der Verwaltung. Zunächst werden im vierten Quartal neue Schilder aufgestellt.

Damit Autofahrer dann nicht in die angrenzenden Straßen im Osten von Eglosheim ausweichen, kostet das Parken ab dem Herbst dort. Dass das Land auf seinen Plätzen erst Ende 2024 Gebühren verlangt, kritisiert die CDU. Zudem treibt sie die Sorge um, dass die Zahl der Stellplätze nicht mitwächst, wenn es die Hochschulen tun.

Um das zu verhindern, haben Stadt und Land einen Vertrag geschlossen. Laut Corinna Bosch ist er „unterschriftsreif“ und wird demnächst unterzeichnet. „Immer dann, wenn ein neues Gebäude kommt, muss das Land die Stellplätze nachweisen“, sagt Andrea Schwarz. Womöglich könnte auf der gegenüberliegenden Seite der Bahnlinie irgendwann ein Parkhaus notwendig werden. Das aber ist Zukunftsmusik.

Weitere Themen