Campuskind - Die Studenten-Kolumne Ab in den Urlaub

Ab in den Urlaub - unser Campuskind ist für ihren Spanien-Trip extra früh aufgestanden. Foto: Wetschera
Ab in den Urlaub - unser Campuskind ist für ihren Spanien-Trip extra früh aufgestanden. Foto: Wetschera

Unser Campuskind kriegt nicht genug vom Reisen und fährt deshalb nochmal mit ihrem Freund in den Urlaub. Dieses Mal geht es nach Spanien - genug Deutsche gibt es dort trotzdem.

Stuttgart - Mein Freund und ich wagen uns in unseren ersten Liebesurlaub. Das Ziel: das sonnige Denia an der Küste Spaniens. Der Weg dahin: Von Hannover aus mit dem Zug nach Bremen, von da aus mit dem Flugzeug am nächsten Morgen nach Alicante und dann mit Bus und Bahn nach Denia. Auf geht es!

Als wir in dieser Nacht am Flughafen in Bremen ankommen, ist es total kalt. Wir haben uns dick angezogen, weil wir wissen, dass es kalt ist. Und dennoch frieren wir ein bisschen. Unsere vorherige Internetrecherche hat uns enttäuscht: Der Terminal ist nicht, wie erwartet, durchgängig geöffnet. Erst ab 3 Uhr öffnen sich die Türen – also anderthalb Stunden warten. Wir finden Unterschlupf in einem Parkhaus und fühlen uns wie Obdachlose. Aber: Was tut man nicht alles für einen Urlaub?

Allein unter Rentern

Wir müssen bemitleidenswert ausgesehen haben, denn ein Beschäftigter des Flughafens lässt uns schon vor drei Uhr in die Terminalhalle. Kurz erkläre ich ihm, dass wir aus Hannover mit dem Zug angereist sind und der letzte Zug eben so früh kam. Wir machen es uns auf den Ledersitzen im Foyer gemütlich und warten, dass wir unser Gepäck loswerden können. Nach und nach trudeln andere vorfreudige Urlauber ein, um ihren Weg in den Süden zu finden. Aber wir sind mit Abstand die Jüngsten. Ansonsten sind nämlich nur Leute ab 50 an diesem Morgen am Flughafen. Das machen eben auch nicht alle Studenten: Mal eben eine Woche nach Spanien fliegen. Aber da mein Freund kein Student ist und ich immer voller Tatendrang bin, freuen wir uns, den Altersdurchschnitt an diesem Morgen zu senken.

Um 6.30 Uhr startet dann unser Ryanair-Flugzeug in Richtung Alicante. Ich bin vorher noch nie mit dieser Airline geflogen und bin mir nicht sicher, ob ich das ein weiteres Mal ertragen kann. Das quietschige Gelb des Flugzeugdesigns brennt an diesem Morgen in unseren schlaflosen Augen. Die Stewardess lacht bei der Erläuterung der Sicherheitsvorkehrungen an Bord. Mein Freund fliegt zum ersten Mal und dann auch noch so – der Arme. 15 Kilogramm Gepäck haben wir dazu gebucht. Wie wir das geschafft haben, weiß ich nicht. Vorher war mir klar, dass mein Freund seine Klamotten auf das Nötigste beschränken müsste, damit das klappt. Aber am Ende konnte jeder das mitnehmen, was er wollte. Wieso habe ich bloß, wenn ich alleine reise, immer mindestens 23 Kilo voll?

Die Deutschen sind überall

Ein Urlaub ist zum Entspannen da, deshalb kann man sich das als Student in den Semesterferien schon mal gönnen. Vor allem wenn man das Glück hat, dass einem einfach ein Haus zur Verfügung gestellt wird. An dieser Stelle einmal danke an alle Beteiligten. Und danke an das schöne Wetter in Spanien, was mich auf den baldigen Sommer auch in Deutschland hoffen lässt. Apropos Deutschland! Egal wohin man reist: Es gibt keinen Deutschen, der nicht zur gleichen Zeit am selben Ort ist. Als ich vor einigen Jahren nach New York geflogen bin, habe ich da durch Zufall einen Klassenkameraden von mir getroffen. In New York! Und jetzt sind es zwar Deutsche, die weder mein Freund noch ich kennen, aber dennoch muss man die Stimme des Lästermauls ein bisschen senken. Denn der Feind lauert überall und er versteht.

Aber er hilft auch in der Not. So wie der Beschäftigte am Bremer Flughafen. Die deutschen Nachbarn in Spanien leihen uns einen Rollerhelm, damit wir in den Ort fahren können. Ob aus Mitleid, oder aus Nettigkeit, das weiß ich nicht. Sicher ist aber, als wir vor dem Tor unserer Nachbarn standen, hatten wir niemals so dicke Augenringe und mitleiderregende Gesichtsausdrücke. Im Gegenteil: Wir bestanden aus einem schönen Lächeln, ein bisschen Farbe im Gesicht und dem Wunsch im Herzen, diesen Ort nicht mehr verlassen zu müssen.

Nur leider ist es ja immer das Gleiche: Die Zeit, die man besonders genießt, geht viel zu schnell um. Adios, Sonne. Adios, Strand. Adios, Bikini. Ich will nicht zurück. Aber das nächste Semester wartet. Zum Glück hat der Terminal in Bremen mittlerweile geöffnet.

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