Stadtkind Stuttgart

Campuskind - Die Studenten-Kolumne Sommer, Sonne, Lernverdrängungsstrategie

Von Wiebke Wetschera 

Unsere Kolumnistin schreibt über das Lernen bei heißen Temperaturen. Dass sie auch noch ein Leben hat. Und dass sie sich dann halt etwas früher ins Wochenende verabschiedet.

Bei Hitze an die Hochschule? Manchmal muss das sein. Manchmal muss aber auch etwas anderes sein, schreibt unsere Kolumnistin. Foto: Wetschera
Bei Hitze an die Hochschule? Manchmal muss das sein. Manchmal muss aber auch etwas anderes sein, schreibt unsere Kolumnistin. Foto: Wetschera

Stuttgart - Pünktlich zu den heißen Temperaturen ist jetzt auch die Vorlesungszeit beendet. Das ist doch mal eine gute Nachricht. Und ich bin froh, dass der Sommer noch bis dahin gewartet. Aber ob Sommer jetzt wirklich besser ist, wenn man sich dann wirklich nicht mehr vor dem Lernen für die Prüfungen drücken kann? Eigentlich schon – mit Sonne ist eben alles besser. Aber irgendwie auch nicht – bei Sonne will man andere Dinge tun als zu lernen.

Bye, bye Semester Nr. 4

Wie alle Semester bisher ging das vierte Semester im Endeffekt wieder ganz schnell um. Vier Monate Vorlesungen sind wie im Flug vergangen, obwohl sie mir zwischendurch so unglaublich endlos vorkamen. Die eine Vorlesung zog sich wie Kaugummi, der ganze Tag wollte kein Ende nehmen und da hatte man grad eine Woche geschafft, da war auf einmal wieder Montag. Aber wenn jetzt Montag ist, dann ist mir das egal. Denn wenn keine Vorlesungen sind, haben Studenten noch weniger Zeitgefühl als eh schon. Wir wünschen uns ja generell schon am Mittwoch ein schönes Wochenende. Unter Studenten ist das auch völlig legitim, aber wenn man das dann an der Kasse im Supermarkt sagt, wird man verdutzt angeguckt. Sorry, ich bin eben Student.

Wir Studenten werden oft unterschätzt. Von wegen, jetzt haben wir schon wieder keine Vorlesungen und können die ganze Zeit nur chillen. Pustekuchen. So sehr ich mir das Ende der Vorlesungen gewünscht habe, so sehr wollte ich es auch noch etwas vor mir herschieben. Denn jetzt kommen noch zahlreiche Abgaben und eben das Lernen für die Prüfungen. Läuft. Jedes Jahr das Gleiche. Und auch wenn es Momente gibt, in denen man hyperventilieren könnte, weil man noch einen riesigen To-Do-Berg vor sich hat, gibt es eben auch diese Momente in denen man sagt „Scheiß drauf, ich hab auch noch ein Leben!“ Liebe Sonne, du zwingst mich dazu, öfter mal genau das zu sagen. Man muss eben Prioritäten setzen. Liebe Dozenten, könnten Sie das bitte in Ihrer Benotung berücksichtigen?

Die klassische Rollenverteilung

Was ich im vierten Semester immer noch lustig finde: Man lernt die Kommilitonen immer besser kennen und doch bleibt jeder in seiner Rolle. Da gibt es den Kommilitonen, der nie etwas versteht und tausend Mal nachfragt. Da gibt es den Kommilitonen, den man einmal zu Beginn und dann nochmal gegen Ende des Semesters in den Vorlesungen sieht. Es gibt den Alleswisser und Alleskönner, es gibt den Bücherwurm und es gibt mich. Ich bin normal, denke ich. Von allem ein bisschen – je nach Laune.

Auch das Kolumnen-Schreiben hält mich jetzt leider leider vom Lernen ab. Was ich  aber nicht ungern zulasse. Schließlich fallen mir dann plötzlich immer noch so viele wichtige Sachen an, die ich unbedingt erledigen sollte. Vorher ein halbes Jahr nicht dran gedacht, aber wenn man lernen muss, dann sollte man eben anfangen seinen kompletten Kleiderschrank neu zu ordnen.

In diesem Sinne: Ich wünsche jetzt frecherweise ein schönes Wochenende. Ich muss den Kleiderschrank meiner Mitbewohnerin neu sortieren.