Schnell noch Weed hamstern bevor die Teillegalisierung wieder rückgängig gemacht wird? Wir haben beim Stuttgarter Social Club Mariana nachgefragt, wie die Stimmung ist und welche Auswirkungen die politischen Lage auf die Cannabislegalisierung hat.
In ihrem Wahlprogramm macht die CDU ihren Standpunkt zum Thema Kiffen sehr deutlich: „Wir schaffen das Cannabis-Gesetz der Ampel ab.“ Kiffer in Deutschland müssen sich aktuell die Frage stellen, ob es mit einem künftigen Kanzler Friedrich Merz bald wieder vorbei ist mit der neu gewonnen Freiheit und der Teillegalisierung des Rauschmittels. Ist jetzt Zeit für Panik und Weed-Hamstern?
Die Stimmung bei Jan-Henrik Ipsen ist jedenfalls noch ruhig und abwartend. Er ist Mitglied des Stuttgarter Cannabis Social-Clubs „Mariana“. Der Verein wirbt damit, dass Stuttgart die Stadt sei, in der „Maultaschen auf moderne Cannabis-Kultur treffen“. Bei ihnen würden Hipster auf Schwäbisch über die neueste Cannabissorte fachsimpeln.
Stuttgarter Kiffer hamstern trotz Merz kein Cannabis
Die schwäbischen Hipster haben jedenfalls auch zur aktuellen politischen Entwicklung eine Meinung. „Noch kann ich keine Panik unter Konsumierenden beobachten“, sagt der Sprecher des Vereins. Es gebe aktuell wichtigere Problem für das Land als das Cannabisgesetz. Ipsen hält es für unwahrscheinlich, dass die SPD das Gesetz zum Umgang mit Konsumcannabis (KCanG) trotz ihrer Wahlniederlage bei den Koalitionsverhandlungen opfern wird. Das Thema sei bisher kaum bei den Diskussionen und den Sondierungsgesprächen erwähnt worden. Die SPD hat zudem bereits deutlich gemacht, dass sie an dem Gesetz festhalten will.
Auch wenn sich die CDU doch noch durchsetzten sollte und die Teillegalisierung wieder rückgängig gemacht werde, glaubt Ipsen jedenfalls nicht, dass sich beispielsweise bei den rund 18 000 Mitgliedern ihres Vereins viel an ihrem Konsumverhalten ändern werde. „Dann geht man halt zurück zum Schwarzmarkt“, sagt er. Die Strafverfolgung in dem Bereich sei ohnehin ineffektiv. Das Problem sei viel mehr, dass man mit Wucherpreisen und möglichen Schadstoffen im Produkt fertig werden müsse, würde Kiffen wieder illegal werden. „Cannabisgeruch war in den meisten Großstädten auch schon vor der Legalisierung omnipräsent“, so der Cannabiskonsument. Daran würde sich ohnehin nichts ändern.
"Keine Panik: Cannabis auch bei Unsicherheiten verfügbar"
Der Sprecher des Vereins rät Konsument:innen zudem davon ab, vor dem Regierungswechsel noch im großen Stil Cannabis zu horten. Legal dürfe man ohnehin nicht genug große Mengen Cannabis von einem Socialclub beziehen, die langfristig für einen Dauerkonsumenten reichen würden. „Ohnehin ist Cannabis schon an den meisten Orten problemlos zu bekommen. Das war es auch schon vor der Teillegalisierung und das wird es auch bei verstärkter Repression immer geben“, sagt Ipsen. Beispielsweise in den USA würden auch drakonische Strafen wenige Menschen davon abhalten, Cannabis zu konsumieren.
Es gebe zudem einen weiteren Grund, warum es schwieriger werden könnte, das Cannabisgesetz wieder rückgängig zu machen. „Die bisherigen Cannabis Social Clubs mit Anbaulizenzen haben bereits mit dem Anbau begonnen“, sagt Ipsen. Dazu kämen die vielen Homegrower und Patient:innen, die Cannabis als Medizin für sich entdeckt hätte. Diese Entwicklung, dass es jetzt viel mehr Menschen gebe, die sich Expertenwissen zu dem Thema angeeignet hätten, wäre schwer rückgängig zu machen.
Außerdem wäre eine Rückkehr von dem Cannabisgesetz eine zusätzliche Belastung für die Strafverfolgung. Sie müssten die gerade erst eingestellte Strafverfolgung von Konsument:innen wieder aufnehmen und die eingestellten Verfahren wieder aufnehmen. Das sei ein viel zu großer Aufwand. Für die Zukunft hoffen sich Socialclubs nun, dass das Gesetz erneut reformiert wird. Vereinen wie Mariana geht das Gesetz nämlich nicht weit genug. Wichtig sei zum Beispiel eine deutschlandweit einheitliche Regelung und erneut ein Fokus auf der Suchtprävention.