Noch steht, laut dem Geislinger Cannabis-Social-Club Chilltime, die 400 Quadratmeter große Industriehalle für den geplanten neuen Standort des Vereins leer. Das könnte sich aber schon in wenigen Wochen ändern. Denn dort will der Verein in Zukunft Cannabis anbauen. Wo sich die Halle befindet, möchte der Verein erst dann bekannt geben, wenn das Genehmigungsverfahren erfolgreich war. Nach wochenlanger Vorarbeit habe Chilltime nun einen Großteil der Bürokratie erledigt. „Wir haben im ersten Schritt vor ein paar Monaten unseren Verein angemeldet. Danach stand die Ausarbeitung des Konzeptes samt Sicherheitsrichtlinien, Hausordnung, Jugendschutz- und Suchtpräventionsmaßnahmen an“, erzählt Anbauleiter Corvin Noch.
Man werde jetzt die letzten Unterlagen beim zuständigen Regierungspräsidium Freiburg einreichen. Danach könne der Antrag final geprüft werden. „Wir hoffen auf das Beste. Sobald die Genehmigung aus Freiburg rausgeschickt wird, legen wir umgehend los“, sagt Noch.
Anträge in Baden-Württemberg müssen noch nachgebessert werden
In Göppingen plant der CSC Mariana Deutschland einen Standort. Der soll einer von insgesamt 180 geplanten Vereinen bundesweit werden. „Für Göppingen findet noch in diesem Monat eine Mitgliedervollversammlung bei uns statt, um eine Vorstandswahl durchzuführen. Danach erfolgt die Vereinseintragung“, erzählt Interimsvorstand Volker Prinz. Man habe bereits einen Sucht- und Präventionsbeauftragten an der Hand. Auch stehe für Göppingen das Anbau- und Sicherheitskonzept, da dies von den anderen Mariana-Standorten übernommen werde. Deren Erfahrungswerte aus den Testphasen könne man auch für das Göppinger Ausgabekonzept übernehmen. Eine Anbaugenehmigung habe man aber noch nicht beantragt, sagt Prinz.
Wesentlich weiter ist man laut Chilltime in Geislingen. Das RP Freiburg habe jedoch bisher, laut Noch, keine einzige Genehmigung in ganz Baden-Württemberg erteilt. Das Regierungspräsidium bestätigt auf Anfrage diesen Sachverhalt. Insgesamt 54 Anträge aus Baden-Württemberg seien dort bereits eingegangen. Darunter sei jedoch weder ein vollständiger Antrag aus Göppingen noch aus Geislingen gewesen. Eine Genehmigung oder Ablehnung sei zudem bei den bereits eingereichten 54 Anträgen bislang noch nicht erfolgt. „Wir haben bei der Prüfung festgestellt, dass auch bei gut aufbereiteten Unterlagen, wegen der noch nicht vorhandenen Erfahrungswerte im Umgang mit dem Gesetz, deutlicher Nachbesserungsbedarf besteht“, erklärt der stellvertretende Pressesprecher des Regierungspräsidiums Freiburg, Matthias Henrich. Man habe nochmals mit einigen Clubs Kontakt aufgenommen, damit fehlende Unterlagen nachgereicht werden. Aktuell könne die Behörde jedoch noch nicht abschätzen, wann die erste Erlaubnis erteilt wird.
Der Geislinger Social-Club glaubt trotzdem nach wie vor an eine rasche Genehmigung, sagt Corvin Noch. Man habe wichtige Parameter, wie den Abstand von 200 Metern zu Schulen und Kindergärten, eingehalten. Zudem sei auch dafür gesorgt worden, dass kein Dritter Zugang zum künftigen Gelände bekommen werde. „Wir sind zuversichtlich und werden nach der Erteilung der Genehmigung sofort die Baumaterialien bestellen und die vorgesehene Halle umbauen. Die Räumlichkeiten werden dann an die klimatischen Bedingungen und die benötigten Lichtverhältnisse für die Pflanzen angepasst“, sagt Noch. Man werde danach mit Polizeiunterstützung, zur Sicherung des Transportes, die Cannabis-Pflanzen kaufen und in die Halle bringen. „Für den Anbau werden wir 12-Liter-Töpfe benutzen, die pro Pflanze etwa 60 Quadratzentimeter einnehmen werden“, erklärt Noch.
In Göppingen ist man auf der Suche nach einer passenden Immobilie
In Göppingen plant Mariana, so der Interimsvorstand Volker Prinz, eine Anbaufläche von 300 bis 350 Quadratmetern. Man sei hier bereits aktiv auf der Suche nach einer geeigneten Immobilie und beobachte den Markt. Weil sich der Verein noch in der Gründung befinde, habe man jedoch noch keine weiteren Schritte zur Anmietung einer Immobilie unternommen. Als Zweigverein werde man aber die Erfahrungen zu bereits getesteten und funktionierenden Prozessen der Partnervereine übernehmen, um keine Fehler zu wiederholen. „Wann genau wir in Göppingen aber tatsächlich mit dem Anbau beginnen können, ist noch nicht sicher. Abhängig von den Investoren scheint der Beginn des Anbaus im Laufe des nächsten Jahres als realistisch“, so Prinz abschließend.
Unterschiedlicher Stand
Göppingen
„Da wir in Göppingen noch keine Immobilie haben und die Anbaugenehmigung daher noch nicht beantragt haben, stehen wir aktuell weder vor Auflagen, noch müssen wir ein Konzept vorlegen“, sagt Volker Prinz, der Interimsvorstand von CSC Mariana.
Geislingen
In der Fünftälerstadt ist man bereits weiter. Ein besonderes Augenmerk lege man beim Geislinger Club zudem auch auf die Transparenz. „Unsere Satzung der Vereinsmitglieder als auch unser Anbaukonzept ist darauf ausgelegt, dass jeder, der die Unterlagen liest, sofort weiß, was unser Plan ist“, sagt der Chilltime-Anbauleiter Corvin Noch.