Cannstatter Geschichte Historische Aufnahmen zum Staunen
Pro Alt-Cannstatt hat für das kommende Jahr eine Reihe seltener historischer Postkarten in einem Kalender zusammengestellt – die Motive reichen von der Wilhelma bis zum Kübelesmarkt.
Pro Alt-Cannstatt hat für das kommende Jahr eine Reihe seltener historischer Postkarten in einem Kalender zusammengestellt – die Motive reichen von der Wilhelma bis zum Kübelesmarkt.
Der Verein Pro Alt-Cannstatt hat auch fürs neue Jahr eine Reihe seltener historischer Aufnahmen in einem Kalender zusammengestellt. Auf zwölf Monatsblättern gibt es historische Fotos aus der Zeit zwischen 1890 und 1960 zu entdecken – mit ausführlicher Bildbeschreibung und Texten der beiden Historiker Olaf Schulze und Matthias Busch. „Bad Cannstatt – ein Blick zurück“ lautet das Motto des Kalenders, den Pro Alt-Cannstatt zum zwölften Mal herausgibt.
Bemerkenswert ist etwa die Innenansicht des einstigen Maurischen Festsaals in der Wilhelma auf einer Postkarte um 1930. Sie zeigt die Farbigkeit und Pracht dieses Baus, den König Wilhelm I. von Württemberg nach den Entwürfen von Karl Ludwig von Zanth erstellen ließ. Der Saal mit vergoldeten Kronleuchtern und „Diwanfenstern“ entstand zwischen 1847 und 1851. 1944 wurde der Festsaal im Krieg schwer getroffen, ebenso das „Maurische Landhaus“. Das Landhaus wurde wieder hergestellt, doch der Festsaal nicht mehr. Von ihm steht nur noch der alte Eingangsbereich zum Maurischen Garten. Dahinter wurde auf dem einstigen Festsaal 1967 das Aquarium mit Krokodilhalle gebaut.
Auch Brauchtum beleuchtet der Kalender: So erfährt man, dass beispielsweise die Anfänge des Cannstatter Brauchtumsvereins Kübelesmarkt bis ins Jahr 1924 zurückreichen. 2025 kann der Verein sein 100-jähriges Bestehen feiern. Im Kalender ist ein Wagen vom Volksfestumzug 1950 am Karlsplatz mit Küblern und einem riesigen Mond zu sehen. 1924 richteten der Kursaal-Pächter Gustav Schmid, der Volksschauspieler Albert Hofele und der Kunstmaler Hermann Metzger im Großen Kursaal einen Fastnachtsball aus unter dem Motto „Mit dem Zeppelin zum Mond“. Ein Jahr später gründete das Trio den Kübelesmarkt. Bis heute sind Felbe, Mond und Brunnengeist wichtige Figuren bei der Kübelesfasnet.
Der Kalender widmet sich auch der Industriegeschichte: So ist etwa der Mühlsteg auf einer kolorierten Postkarte um 1912 abgebildet. Die Brücke wurde 1883 eröffnet und 1945 in der Mitte gesprengt, 1966 neu gebaut. Auf der Ansicht ist die Neckarvorstadt zu sehen mit damals ansässigen Unternehmen wie der Eisengießerei Streicher, ebenso die 1910 eröffnete Dragoner-Kaserne im heutigen Hallschlag.
Hinweise auf ein Jubiläum finden sich im Monat Mai. Dort wird erklärt, dass sich vor 150 Jahren im Hotel Wilhelmsbad einige Bürger trafen, um einen Evangelischen Verein zu gründen und ein Vereinshaus zu bauen. In dem Haus gab es einen Kindergarten, eine Diakonissenstation und einen kirchenähnlichen Saal mit Altar und Kanzel und 450 Sitzplätzen. Im Kalender ist das Vereinshaus von 1912 zu sehen, das zwischen Hofener Straße, Schmidener Straße und Ditzenbachstraße stand.
Der Kurpark ist neu zu entdecken auf einer Ansicht von 1911, im unteren Bereich gab es damals weiß gestrichene Pergola-Anlage. Es gibt außerdem historische Ansichten vom neu gestalteten Brunnenhof hinter dem Kursaal. Die älteste Postkarte stammt von 1890. Sie ziert das Titelbild und zeigt die Cannstatter Altstadt mit Wilhelmsbrücke. Die erste wurde 1930 gesprengt, dann wurde die Rosensteinbrücke in Betrieb genommen. Heute ist es genau andersherum: Erst soll 2024 die marode Rosensteinbrücke abgerissen und im selben Jahr die kaputte Wilhelmsbrücke zurückgebaut werden. Bei ersterer wird eine vorläufige Ersatzbrücke gebaut. Auch die Ansicht vom Wilhelmsplatz von 1959 ist sehr aufschlussreich im Vergleich zu heute – nicht nur in Bezug auf die Verkehrslenkung und die damaligen Bauten.
Der Kalender ist erhältlich in der Buchhandlung Osiander in der Marktstraße 33 in Bad Cannstatt und im Stadtmuseum, Marktstraße 71/1. Er kostet 14 Euro. Gegen Portoersatz kann er auf Rechnung zugesandt und unter info@proaltcannstatt.de bestellt werden.