Nach zwei Jahren Coronapause freut sich der Cannstatter Volksfestverein endlich wieder, einen farbenprächtigen Volksfestumzug präsentieren zu können. Rund 4000 Teilnehmer erfreuen am Sonntag die Zuschauer.

Die Nachwirkungen der Pandemie sind noch in vielen Bereichen der Gesellschaft zu spüren. Auch der Volksfestverein, der den Umzug durch Bad Cannstatt seit 1997 ausrichtet, hat mit ihnen zu kämpfen. „Viele Mitglieder freuen sich das ganze Jahr auf diesen Höhepunkt der Vereinsarbeit“, sagt der Vorsitzende Robert Kauderer. Der eine oder andere hat während der Corona-Pause aber wohl das Interesse verloren oder sich ein anderes Hobby gesucht. „Dieses Jahr sind wir pandemiebedingt geschwächt.“ Anfang des Monats haben noch 30 von 300 Helfern gefehlt, mittlerweile konnte diese Lücke aber geschlossen werden, der Durchführung am Sonntag, 25. September, steht nichts im Weg. „Nach dem Aufruf in den Medien haben sich so viele Interessenten gemeldet, dass wir mittlerweile überversorgt sind. Dem einen oder anderen mussten wir leider sogar absagen“, sagt Wulf Wager, der den Umzug – rund 4000 Teilnehmer sind angemeldet – in diesem Jahr bereits zum 25. Mal künstlerisch und historisch gestaltet hat.

Punkt 11 Uhr werde sich der „prachtvolle, bunte Lindwurm in Bewegung setzen“, verspricht Wager, der den Umzug mit Kristin Haub und Martin Häussermann moderieren wird. Ein Zusammenschnitt wird im SWR-Fernsehen zeitversetzt von 16 bis 18 Uhr gezeigt. „Das ist mir ganz Recht“, so der 59-Jährige. „Dann bleiben die Leute nicht daheim auf dem Sofa, sondern kommen an die Strecke.“ Rund 200 000 Zuschauer werden bei schönem Wetter erwartet. Vom Kursaal geht es durch die Cannstatter Altstadt auf den Wasen. Unter anderem werden zwei Darsteller als König Wilhelm I. und seine Frau Katharina, die Volksfeststifter, in einer Kutsche sitzen und das Volk grüßen. Geleitet werden sie erstmals vom wiedergegründeten Bürgerlichen Schützencorps von Cannstatt, das schon beim ersten Landwirtschaftlichen Fest 1818 zusammen mit der Stuttgarter Stadtgarde zu Pferd für die Sicherheit auf dem Wasen gesorgt hat. Die Beschaffung der historischen Uniformen hat den Verein rund 60 000 Euro gekostet. Erstmals wird auch die nachgestickte Fahne der Stadtgemeinde Cannstatt von 1889 zu sehen sein, die der Bezirksbeirat mit sich führt. „So bringt der Volksfestverein im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten nach und nach Cannstatter Traditionen zurück auf das Volksfest“, so der Vorsitzende Kauderer.

Beim Umzug bildet das Thema „Volksfest historisch“ den ersten von fünf Blöcken. Unter anderem werden der Fruchtsäulenfestwagen und der Festwagen mit der Grabkapelle auf dem Württemberg gezeigt. „Volksfest kommerziell“ vereinigt die Schausteller und Wirte. Dann folgt „Traditionelles Handwerk“. Zu sehen sind knapp 200 Jahre alte Fahnen der Bäcker- beziehungsweise Küferzunft, aber auch ein originales Schwarzwaldfloß der Flößerzunft Oberes Nagoldtal. Thema des vierten Blocks ist der 70. Geburtstag des Landes Baden-Württemberg. Verschiedene Trachtengruppen und Musikkapellen werden von den beiden Symbolfiguren Baden-Württembergs, dem Hirsch und dem Greif, angeführt.

Eine Vielzahl von Pferden, Ochsen und Kühen

Den Abschluss bildet traditionell das Thema Landwirtschaft. Der Kraut- und Hanffestwagen der Echterdinger wird ebenso zu sehen sein, wie die Weinwagen aus Besigheim. Die Oldtimerfreunde Wilflingen präsentieren mit 15 historischen Schleppern und Wagen das gesamte Spektrum der Brot-Herstellung, die bei der Aussaat beginnt. Selbst ein voll funktionstüchtiges Backhäusle ist zu sehen. Wie üblich, wenn das landwirtschaftliche Hauptfest stattfindet, liegt der Schwerpunkt des Umzugs auf dem letzten Block. Dementsprechend werden auch 150 Pferde, Ochsen, Kühe, Geißen, schwäbisch-hällische Landschweine und anderes Getier mit von der Partie sein.

Wer den Volksfestverein unterstützen will, kann am Streckenrand für 4 Euro ein bedrucktes Bändele – das diesjährige Umzugszeichen – erwerben. Der Verkauf der Plaketten dient der Deckelung der hohen Kosten. Weitere Infos gibt es unter www.cannstatter-volksfestverein.de.