Cannstatter Volksfest Die innige Liebe zur Zahl 40

Von Frank Rothfuß 

Von g’scheiten Einheimischen, eingebürgerten Franken. Und welche Vorteile clevere Schwaben bei Beziehungskisten haben. Das Ehepaar Müller ist da ein Paradebeispiel.

Karl und Petra Müller feiern auf dem ­Wasen: dreimal 40. Foto: ede
Karl und Petra Müller feiern auf dem ­Wasen: dreimal 40. Foto: ede

Stuttgart - Der Schwabe hat ja eine schon fast erotische Beziehung zur Zahl 40, wird er doch mit 40 g’scheit. Nicht umsonst reimt man hier: „Der Schiller und der Hegel, der Uhland und der Hauff, die sind bei uns die Regel, die fallen gar nicht auf.“ Für Sapiosexuelle ist Württemberg also ein guter Jagdgrund. Sapiosexuelle, so hat sich der Wasenhocker erklären lassen, sind nämlich Menschen, die sich nicht in den Körper, sondern in den Geist eines Menschen verlieben. Wobei, der Schwabe und die Schwäbin, g’scheit, wie sie sind, schon auch Körper und Geist, vor allem aber Besitz schätzen. Wie sagt doch die Schwäbin nach der ersten gemeinsamen Nacht: „G’höred die Möbel alle dir?“ Hektar besteht, Liebe vergeht. So wird der Kleinbauer zum Großbauer. Clever halt. Mit 40. Vielleicht erklärt das auch, dass am Neckartor sechs Tempo- 40-Schilder stehen, wie ein Kollege des Wasenhockers jüngst enthüllt hat.

Als Mitgift gab es ein Karrussell

Auch auf dem Wasen spielt die 40 eine große Rolle. Karl Müller (67) ist ja eigentlich ein Franke, aber schon so lange im Lande, dass er als Schwabe ehrenhalber gelten muss. Das untermauert der Schausteller mit einem ganz besonderen Jubiläum. Seit 40 Jahren ist er mit Frau Petra verheiratet, seit 40 Jahren ist er selbstständig, und seit 40 Jahren kommt er aufs Cannstatter Volksfest. Gut, er hat einen kleinen Geburtsfehler, geboren ist er in Fürth. Da er neben dem Stadion wohnte, kickte er für die altehrwürdige SpVgg. Aber nur im Winter. Im Sommer ging es mit den Eltern auf Reisen. Wie man das so macht als Spross einer Schaustellerfamilie. Und was kriegt man dort als Mitgift? Natürlich ein Karussell. Nach der Heirat tourten Karl und Petra Müller mit dem Twister, einem der ersten hydraulischen Fahrgeschäfte. Frau Petra wusste, worauf sie sich einließ. Stammt sie doch aus einer der Dynastien der Branche, sie ist eine geborene Kinzler. Mit der Petersburger Schlittenfahrt waren sie im Jahr auf 29 Festplätzen, ein Mammutprogramm. Daneben luden sie auch auf den Fliegenden Teppich und ins Steakhaus Müller. Langweilig wurde ihnen also nicht. Seit 2016 lassen sie es ruhiger angehen, sind nur noch mit ihrem Mais Man unterwegs. Und in drei Jahren wollen sie ganz aufhören. Wenn er 70 wird, will Müller sich in den Ruhestand verabschieden. Langweilig wird ihm nicht werden. „Ich habe genug zu tun“, beteuert er. Da ist er dann doch ganz Schwabe.