Cannstatter Volksfest Kampfanzug statt Dirndl und Lederhose

Ein Prosit während des Dienstes ist nur beim Soldatenwasen erlaubt. Foto: Martin Stollberg
Ein Prosit während des Dienstes ist nur beim Soldatenwasen erlaubt. Foto: Martin Stollberg

3000 deutsche, amerikanische und französische Soldaten haben auf dem Cannstatter Wasen zusammen gefeiert. Bereits zum 40. Mal findet dieses Biermanöver auf dem Festplatz statt.

Digital Unit : Dominika Jaschek (dja)
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Stuttgart - Es ist die wohl größte Tauschbörse auf dem Wasen. „Ich kann dir meinen Patch geben, amerikanische Flagge, was kannst du mir geben?“, spricht ein amerikanischer Soldat seinen deutschen Kollegen an. Der reißt kurzerhand sein mit Klettverschluss am Oberarm des Hemdes befestigtes Abzeichen ab, heftet sich die neue Flagge dran. Die beiden prosten sich zu, lächeln in die Handykamera, tanzen dann auf den Bierbänken weiter.

Rund 3000 Soldaten haben an diesem Nachmittag das Kommando im Fürstenbergzelt auf dem Cannstatter Volksfest übernommen. Es ist schon eine gute Tradition, denn bereits zum 40. Mal findet dieses Biermanöver auf dem Festplatz statt. Im Jahr 1975 haben die Festwirte Gerd und Hans Atz zum ersten Mal Soldaten der Theodor-Heuss-Kaserne auf zwei Maß und ein Göckele eingeladen, um so ihre Verbundenheit auszudrücken. Zwei Jahre später wurden auch die in Stuttgart stationierten amerikanischen Soldaten eingeladen, 1982 kamen dann Kanadier und Franzosen dazu.

Kein Alkohol im Dienst – normalerweise

Zwei Maß Bier und ein Göckele gibt es immer noch, mittlerweile lädt aber Festwirt Peter Brandl die Soldaten ein. „Es ist mal eine andere Tracht, die während des Nachmittags getragen wird“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Offiziell sind die Anwesenden nämlich im Dienst, tragen also ihren Kampfanzug. Normalerweise darf im Dienst nicht getrunken werden, beim Soldatenwasen ist das aber ausnahmsweise erlaubt.

Dass Abzeichen und manchmal sogar ganze Kampfanzüge getauscht werden, ist zwar nicht unbedingt erwünscht, wird aber geduldet. Wenn sich allerdings in den nächsten Tagen die Verlustmeldungen häufen werden, dann müssen die Soldaten größtenteils selber für die Kosten aufkommen, sagt der Oberstleutnant Michael Becker: „Wir haben über die Jahre schon so unsere Erfahrungen gesammelt. Am Ende erkennt man nur noch an den Schuhen, wer welchem Land dient. Die werden nämlich nie untereinander getauscht.“

Mit Bussen geht’s zurück in die Kasernen

Um 16 Uhr ist Dienstschluss, die Soldaten laufen quer über den Wasen zu ihren Bussen, die sie wieder in ihre Kasernen bringen. Ausfälle gibt es an diesem Nachmittag keine nennenswerten – wenn dann doch mal ein Soldat zu viel getrunken hat, stützen seine Kameraden ihn, hat Peter Brandl beobachtet: „Der Zusammenhalt unter den Soldaten ist beeindruckend.“

Michael Kuhn, dem Kommandeur des Landeskommandos Baden-Württemberg, ist es wichtig, dass es aber erst gar nicht so weit kommt: „Wir haben die Chefs im Vorfeld in die Verantwortung genommen, ihr Personal unter Kontrolle zu haben.“ Allerdings, so sagt der Garrison Commander John Stack: „Wer viel arbeitet, darf auch mal feiern.“




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