Cannstatter Volksfest Klaas Heufer-Umlauf gelingt Überraschungs-Coup auf dem Wasen

Von Beate Grünewald 

Saufen, schunkeln und Schlager grölen: Volksfeste sind nicht gerade dafür bekannt, besonders tiefgründig zu sein. Moderator Klaas Heufer-Umlauf hat nun auf dem Cannstatter Volksfest bewiesen, dass es auch anders geht.

Klaas hat auf dem Cannstatter Volksfest einen Coup gelandet. Foto: dpa
Klaas hat auf dem Cannstatter Volksfest einen Coup gelandet. Foto: dpa

Stuttgart - Musik auf Volksfesten ist nicht besonders tiefgründig. Meistens geht es um Lust und Liebe. Je einfacher die Texte, desto schneller wird halt ein Ohrwurm draus.

Aber gibt es auch Volksfest mit Niveau? Der Moderator, Schauspieler und Sänger Klaas Heufer-Umlauf hat den Test gemacht und dafür den Wasen besucht. „Was sind die Themen, die Sie bewegen?“, fragt der Moderator der Prosieben-Show „Late Night Berlin“ die Besucher des Cannstatter Volksfestes. Er erhält überraschend ernste Antworten: Eine Frau klagt über den Pflegenotstand, eine andere über zu wenig Frauen in Führungspositionen und wieder ein anderer über den zunehmenden Rechtspopulismus in Deutschland.

Klaas Heufer-Umlauf dichtet Volksmusiksong um

„Lieder über Berge und schnackseln will hier niemand hören“, resümiert Heufer-Umlauf, „Sexismus, Rassismus und Probleme im Gesundheitswesen, das sind die Themen, die dem Volk unter den Nägeln brennen.“ Er verpackt die Antworten der Wasen-Besucher in ein Lied mit bekannter Melodie: den Volksmusik-Klassiker „Hulapalu“ von Andreas Gabalier.

„Ich bin das trojanische Pferd“, erklärt Heufer-Umlauf, denn die Melodie sei dieselbe, aber der Inhalt neu. Um die Tarnung perfekt zu machen zieht er noch eine Lederhose an und setzt einen Schlapphut auf. Schließlich geht er vor laufender Kamera auf die Festzeltbühne des Cannstatter Volksfestes und beginnt mit dem bekannten Refrain: „Hodi odi ohh di ho di eh“ – die Wasenbesucher stimmen fröhlich mit ein.

Doch dann folgt die Überraschung, denn statt „Happy hour, mitten in der Nacht. Sexy, alles tanzt alles lacht“, wie es im Originalsong heißt, singt Heufer-Umlauf: „Unsere Heimat, was wird hier gemacht. Meetoo hat scheinbar nichts gebracht“. Und weiter: „Gleiche Arbeit – weniger Lohn, zu wenig Frauen in Führungspositionen. Der Chef sagt: Jetzt gib doch Ruh’, das war doch schon immer so.“

Sehen Sie den Überraschungsauftritt hier im Video:

„Andreas Gabalier kann einpacken“

Die Überraschung sitzt. Einige Besucher sind offensichtlich irritiert, werfen sich erstaunte Blicke zu und hören genauer hin. In der zweiten Strophe geht es genauso politisch weiter und Heufer-Umlauf singt: „Ein alter Mann hat einen Unfall gehabt. Doch die Pflegerin kommt nur einmal am Tag. Er fragt sie, was ist mit dem Verband? Sie sagt nur Pflegenotstand.“ Bei den Wasen-Besuchern kommt der Auftritt gut an. „Richtig geil, wir sind Krankenschwestern, das hat mir so aus der Seele gesprochen“, schwärmt eine Frau in Dirndl. „Andreas Gabalier kann einpacken“, jubelt ein anderer Besucher, „Klaas bringt einfach mehr Inhalt rein.“ Geschunkelt wird trotzdem und beim Refrain sind dann wieder alle textsicher dabei.

Am Ende verteilt Klaas Heufer-Umlauf dickes Lob und ruft der feiernden Menge zu: „Ihr denkt die richtigen Sachen! Nicht die, sondern ihr seid das Volk. Überlasst nicht anderen diesen Spruch.“ Er erntet eine Menge Beifall und Zugabe-Rufe und zieht eine positive Bilanz: „4000 Besoffene haben gegrölt und zwar nicht ‚Ausländer raus’“. Schließlich lässt er es sich nicht nehmen, noch eine politische Botschaft an die Bundeskanzlerin zu adressieren: „Alles was ich dafür gebraucht habe war ein fragwürdiges Outfit und einen Song von Andreas Gabalier – denken Sie mal darüber nach, Frau Merkel“.