Cannstatter Volksfest OB behält sich das Recht auf den ersten Schluck vor

Von Jörg Nauke 

Der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn vollzieht den Fassanstich am Cannstatter Volksfest auf dem Wasen schon am Nachmittag – allerdings ohne Fernsehen, aber das bedauert auch niemand.

Fassanstich (durch OB Kuhn) und Volksfesteröffnung sind wieder eins. Foto: Heiss
Fassanstich (durch OB Kuhn) und Volksfesteröffnung sind wieder eins. Foto: Heiss

Stuttgart - Man schrieb das Jahr 2004, als die Volksfestorganisatoren und Brauereien nicht wussten, wie sie die Bürger auf den Cannstatter Wasen und in die Bierzelte bekommen sollten. Das Volksfest hatte nicht das beste Image, als die Idee geboren wurde, die Eröffnungsfeier nicht erst am Samstagmittag, sondern bereits am Abend davor auszurichten. Zur Erhöhung der Werbewirksamkeit wurde das SWR-Fernsehen ersucht, live aus dem Festzelt zu berichten.

Seit 2007 mühte sich der Sender mit der städtischen Veranstaltungsgesellschaft, eine launige Abendshow mit etwas Niveau zu inszenieren. Im vergangenen Jahr ging der Auftakt allerdings in die Hose, was nicht unbedingt an der Premiere von OB Fritz Kuhn gelegen hat.

Eine weitere Pleite wird es nicht geben. Der Sender habe auf eine erneute Übertragung verzichtet, bedauert Wasenbürgermeister Michael Föll (CDU). Offiziell. Tatsächlich ist das der Stadt aber ganz recht, kann sie doch nun die Eröffnungsfeier auf 15 Uhr, den offiziellen Beginn des 17-tägigen Wasenspektakels, vorverlegen. Zuletzt war es so, dass viele Besucher bereits betrunken waren, der OB aber bis zum offiziellen Fassanstich auf dem Trockenen saß. Künftig gilt: Erst treibt Fritz Kuhn den Hahn ins Fass und nimmt einen kräftigen Schluck, dann wird ein Feuerwerk an der Fruchtsäule als Signal für den Beginn des Bierausschanks gezündet.

SWR überträgt den Volksfestumzug

Offen spricht das niemand aus, aber nachdem der Dirndl- und Lederhosenwahn ein Ausmaß angenommen hat, dass auch am früher besucherschwachen Wochenbeginn Reservierungen nötig sind, um eine (mit Trinkgeld) zehn Euro teure Maß trinken zu können, haben die Veranstalter eine Eröffnungsfeier mit Liveübertragung nicht mehr nötig – jedenfalls nicht an einem Freitagabend. Das Publikum, das zu dieser Zeit das dritte Programm einschaltet, ist nicht verdächtig, auf dem Wasen für Umsatz zu sorgen. Als problematisch hatte sich auch erwiesen, dass zur Eröffnung nur der geringste Teil der 5000 Festzeltbesucher geladen und verpflichtet war, sich bei Kalauern von Christoph Sonntag und des OB auf die Schenkel zu klopfen. Weil das Fernsehen Angst vor Rückkopplungen hat, waren die Beiträge in den Ecken unverständlich, was Teile des Publikums veranlasste, sich von der Bühne abzukoppeln und ihr eigenes Programm zu machen.

An einer signifikanten Hebung des Veranstaltungsniveaus besteht freilich kein Interesse: Die SWR-Frontfrau Sonja Faber-Schrecklein darf die Nachmittagseröffnung beschwäbeln. Neben Sandra Stumptner, besser bekannt als Antonia aus Tirol, treten die „Wackeltenöre“ und „Lederrebellen“ auf. Der SWR kommt aber auch noch zum Zug: Er überträgt zu Sonntagsbraten, Spätzle und Soß’ den Volksfestumzug – live.

Cannstatter Wasen Die 169. Auflage des Volksfestes dauert vom 26. September bis 12. Oktober. Da parallel dazu das 99. Landwirtschaftliche Hauptfest vom 27. September bis 5. Oktober stattfindet, sind „nur“ 300 Beschicker zugelassen – darunter die Doppelloopingbahn „Teststrecke“, der höchste transportable Freifallturm der Welt sowie acht Festzelte unterschiedlicher Größe.