Jochen Mörz ist der neue Festwirt im Fürstenberg-Zelt. Er hat einen ungewöhnlichen Berufsweg gehabt, hat er doch einst als Eishockeyspieler das Nationaltrikot getragen.

Man kann ihn kaufen. Via E-Bay. Bei dem Auktionshaus im Internet kann man eine Autogrammkarte von Jochen Mörz ersteigern. Sie ist Zeugnis seiner ersten Karriere, die ihn als Eishockeyspieler zum Deutschen Meistertitel mit dem SB Rosenheim und zu zwei Weltmeisterschaften führte. Nun, mit 68 Jahren, hat er aber den absoluten Karrierehöhepunkt erreicht, er ist Festwirt beim Cannstatter Volksfest.

 

Wir sitzen in seinem Zelt. Noch ist es zwei Tage hin bis zum Start des Wasenrummels, die Hoffnung war, da möge der Mann aus Pfronten mehr Zeit haben zum Reden, als wenn der Betrieb läuft. Doch ungestört ist ein Festwirt nie. Um uns herum wuselt es, Hopfen liegt auf dem Boden, die Lieferanten gehen ein und aus. Wohin mit dem Essen? Ein Küchenhelfer will wieder kündigen, das Kind sei leider krank; die Rampe zum Zelt ist zu rutschig, da muss nachgearbeitet werden. Die ganz normale Hektik. Mörz verweist die Fragenden an Tochter Nadine. Denn, das ist ihm ganz wichtig, das hier „ist Familiensache“. Sohn Andreas ist Küchenchef, Nadine Mörz für den Betrieb zuständig. Und er? „Ich sitze halt hier“, sagt er und grinst. „Ich will mich nach und nach zurückziehen“, sagt er, „und die Kinder die Verantwortung übernehmen.“

Peter Mörz als Eishockeyprofi Foto: privat

Doch noch ist er das Gesicht des Betriebs. Und er hat auch den Vertrag mit der Fürstenberg-Brauerei unterschrieben. Die Badener sind als sogenannte Landbrauerei seit 25 Jahren beim Volksfest dabei. Einstmals hatte der einstige Wasen-Zampano Walter Weitmann nach seinem von ihm als schmählich empfunden Aus bei Hofbräu die Brauerei aus Donaueschingen auf den Wasen geholt. Auf Weitmann folgte Peter Brandl, der es als Ruheständler ruhiger angehen ließ und das Zelt vor zwei Jahren an Moritz Haake übergeben hatte. Der betreibt in München fünf Lokale und häufte in zwei Jahren nach eigener Aussage eine Million Euro Verlust an – und zog die „Reißleine“. Auf den Gastronomen Haake folgt nun Mörz. Ein „Vollblut-Festwirt“, wie Fürstenberg ihn adelt. Nun ist das natürlich auch Marketing und Selbstbeschwörung, nachdem die letzte Wirte-Wahl zumindest mal unglücklich war. Doch wenn auf einen so ein Etikett zutrifft, dann auf Mörz.

Seit 60 Jahren betreibt die Familie Festzelte, vor 35 Jahre übernahm Jochen Mörz das Geschäft. Sie reisen vornehmlich durch die bayerischen Lande, sind auf elf Festplätzen präsent, aber auch in Paris, Marseille und auf Mallorca hat er schon Bier verkauft und vermeintlich deutsche Lebensart, Bier in großen Krügen, Lederhosen und Dirndl. Sechs Zelte haben sie im Lager, drei große mit Platz für mehr als 4500 Menschen, drei kleinere mit einer Kapazität von 2500 Menschen.

Er kennt also das Geschäft in- und auswendig. Dabei wollte er eigentlich nur Getränkehändler sein. Doch fangen wir ganz vorne an. In Pfronten hatte man in den 60er Jahren die Idee, zwischen Almauftrieb und Almabtrieb ein Festzelt aufzubauen. Doch der Wirt strebte nach einem Jahr zu neuen Ufern. Also kam der Bürgermeister auf Mörz senior zu. Und fragte, ob der Getränkehändler nicht das Festzelt übernehmen wolle, er kenne sich ja mit Getränken aus. Mörz senior wollte. Daraus wurde ein Festzeltbetrieb.

Im Sommer schaffte er zuhause

Bei dem Jochen Mörz selbstverständlich mithalf, im Sommer, wenn die Eishockey-Kollegen Pause hatten, stand er im Zelt oder im Getränkehandel. 1990 stieg er in den Betrieb ein, verkaufte das Holzzelt an einen Gartenbaubetrieb, der es kompostierte. „Ich wollte mich auf den Handel konzentrieren“, sagt er. Doch ein Jahr später fuhr ein Laster auf den Hof und lud ein Festzelt ab. Der Papa hatte es bestellt. „Wir können doch nicht aufhören!“, stellte er fest und schaffte Tatsachen. Seitdem haben sie in der Tat nicht mehr aufgehört.

Und sind seitdem eine der wenigen Festwirtsfamilien, die auf Reise gehen. Das erfordert Hingabe und einen Dickschädel. Aber den hat Mörz unbedingt. Der musste auch schon einiges aushalten. Als er mal mit der Düsseldorfer EG gegen die Kölner Haie spielte, checkte ihn der Nationalmannschaftskollege Udo Kießling so hart in die Bande, dass er zwar weiterspielen konnte, aber nach dem Essen mit der Mannschaft ohnmächtig wurde und im Krankenhaus wieder aufwachte.

Teilnehmer an zwei Weltmeisterschaften

Mit 16 hat Mörz bereits in der zweiten Bundesliga für seinen Heimatverein Pfronten gespielt. Dann ging es über Füssen zur DEG, nach Rosenheim und Kaufbeuren. Mit Rosenheim wurde er 1985 Deutscher Meister, schoss 178 Tore in der Bundesliga, spielte mit Kießling, Udo Kühnhackl, Gerd Truntschka, Ernst Höfner und Peter Draisaitl, Papa des Superstars Leon, im Nationalteam. Er nahm an zwei Weltmeisterschaften teil, war Profi. Und doch immer auch Sohn eines Getränkehändlers. Als er nach der Pleite von Füssen nach Düsseldorf ging, war der Papa beleidigt, weil sein bester Helfer keine Zeit mehr hatte. „Ich musste eine Familie ernähren“, erinnert sich Mörz, „aber mein Vater hat sich wieder eingekriegt.“

Mittlerweile ist er der Patron. Und sortiert das Geschäft neu, damit er es ordentlich übergeben kann. Gerade überlegen sie, welche Festplätze sie in Zukunft noch besuchen, jetzt, da Stuttgart dazugekommen ist. In Murnau haben sie schon mal aufgehört, zu klein, zu wenig rentabel. Wie es in Stuttgart laufen wird? Da ist er gespannt. Erst mal haben sie wenig geändert. Es gibt Ochsen, das ist neu. Dann spielen statt der Fetzentaler verschiedene Showbands. „Wir schauen uns das jetzt mal an“, sagt Mörz. Erst mal mussten sie sich auch mit ihrem Zelt vertraut machen. Das haben sie Vorgänger Haake abgekauft. Wieviel er bezahlt hat? „Viel zu viel!“ Genauer will er es nicht sagen. Das Problem dabei war, der einzige, der weiß, wie die „200 Tonnen Holz“ zusammenpassten, war der Zeltmeister von Peter Brandl. Und der ließ sich mit keinem Geld der Welt dazu bewegen, aus Kroatien herzukommen und zu helfen.

Puzzle mit dem Zelt

Also musste Wörz’ rechte Hand Wolfi Steiger puzzeln. „Das war eine Herausforderung“, sagt Wörz. Dank ihrer Berufserfahrung haben sie es hingekriegt, das Zelt stand rechtzeitig. Aber das kostete mehr Nerven als sie geplant hatten. Dafür fanden sie in den vielen Containern auch ein Küchenzelt aus Holz samt Inventar. Eine schöne Überraschung. Was das Volksfest sonst noch bereithält? Das lässt er auf sich zukommen. Die ersten Tage haben sich gut angelassen. Sie sind dabei, sich einen Namen zu machen in Stuttgart. Und wer weiß, vielleicht muss er bald auch hier Autogramme geben.