Die Wasenzeit ist für die Anwohner in Cannstatt oft eine Belastung. Was Veranstalter und die Stadt machen, um es für sie erträglicher zu machen und was die Anwohner noch stört.
Das Wohnhaus in der Kegelenstraße gleicht aus einem bestimmten Winkel einer Festung. Auf die Straße hin gibt es eine großflächige Wiese, die von einem Metallzaun umgeben ist. An den Ecken des Gebäudes zur Wiese hängen LED-Außenstrahler. Wenn man sich in der Dunkelheit nähert, gehen diese automatisch an und blenden einen mit 2400 Lumen grell-weißem Licht. Vor den Wohneinheiten auf der Straße stehen zwei weiße Container, in denen eine öffentliche Toilette eingebaut ist. Die Botschaft, die an alle Besucher ausgeht, ist glasklar: Liebe Wasenbesucher, pinkelt uns nicht in den Vorgarten.
Die Straße ist eine Verbindung zwischen Bahnhof und dem Wasen und der Ort, an dem gerade zu Konzerten oder während des Cannstatter Volksfests täglich viele tausend alkoholisierte Menschen vorbeilaufen. Insbesondere Männer haben früher die Wiese vor dem Wohnhaus in der Kegelenstraße aufgesucht, um sich zu erleichtern. Zaun, Licht und die Toilettenbunker sollen das eindämmen. Wenn man sich in der Straße umsieht, sieht man viele Gebäude, die sich eingezäunt und verriegelt haben, um die Wildpinkler fernzuhalten. Auch der Innenhof vom Jugendhaus Cann ist abgeschottet.
„Toilettenhäuschen in Cannstatt ist ein großer Schritt“
Eine Frau, die sich seit vielen Jahren in dem Bezirk Veielbrunnen, das an den Wasen angrenzt, damit beschäftigt, Anwohnern das Leben leichter zu machen, ist Regine Herdecker von der BürgerInitiative am Veielbrunnen. „Das Toilettenhäusschen ist schon ein großer Schritt in die richtige Richtung“, sagt sie. Das werde von den Veranstaltern des Volksfestes aufgestellt. Sie wünscht sich aber auch öffentliche Toiletten in der Daimlerstraße. Dort sei der Leidensdruck ebenfalls besonders hoch.
Doch Herdecker hat schon einiges erreicht, um das Leben für Anwohner erträglicher zu machen. „Wir treffen uns regelmäßig mit Vertretern der Stadt und begehen den Bezirk“, sagt sie. So würden vor allem an Wochenenden Straßensperrungen eingeführt und Ordner beauftragt, die darauf achten würden, dass die Wasenbesucher nicht in dem Bezirk parken.
Flaschensammler nahe des Cannstatter Bahnhofs kippen Inhalt weg
Ein weiteres Problem sei, dass oft Restinhalte von Flaschen und Dosen auf die Straßen und in Vorgärten gekippt würde. „Um den Bahnhof herum gibt es viele Flaschensammler, die auch eine wichtige Arbeit machen“, sagt sie. Bevor man die Pfandbehälter einstecke, würden man die Inhalte jedoch oft wegschütten. Dafür müsse man noch eine Lösung finden.
Herdecker selbst wohnt auch in dem Bezirk. Sie sagt, dass man als Anwohner für sich eine Strategie entwerfen müsse, um mit den großen Festen in der Nachbarschaft umzugehen. „Manche gehen immer in den Urlaub in der Zeit“, sagt sie. Doch auch sie besuche den Wasen gerne. Daran habe sich in den vergangenen Jahren nichts geändert. Auch wenn man sich manchmal sehr bemühen muss, seine Liebe zum Volksfest aufrecht zu erhalten.