Cannstatter Wasen Die Ruhe vor dem Ansturm

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Am Freitag beginnt der 169. Cannstatter Wasen. Zum ersten Mal wird OB Kuhn den Fassanstich bereits am Freitagnachmittag vollziehen und die erste gezapfte Maß an Ministerpräsidenten Kretschmann übergeben.

Auf dem Wasen laufen die letzten Vorbereitungen für das Volksfest. Foto: Gottfried Stoppel
Auf dem Wasen laufen die letzten Vorbereitungen für das Volksfest. Foto: Gottfried Stoppel

Stuttgart - Den Besuchern auf dem Wasen bietet sich im Moment ein ungewohnter Anblick. In den Festzelten ist es ruhig, leer und vor allen Dingen noch sehr kalt. Wenn in zwei Tagen hier pro Zelt wieder um die 4000 Menschen auf den Bänken zu ohrenbetäubender Partymusik tanzen, trinken und schwitzen werden, wird nichts mehr an die fast gespenstische Ruhe erinnern, die momentan noch in den Zelten herrscht. Wer allerdings einen Blick hinter die Kulissen wirft, stellt fest, dass der erste Eindruck trügt. Hinter den Zelten geht es geschäftig zu, am Eingang des Dinkelacker-Zeltes malt ein Künstler den geschwungenen Schriftzug aus. „Wir können uns kaum vorstellen, dass wir in wenigen Stunden starten werden“, sagt Andreas Kroll, Geschäftsführer des Veranstalters In Stuttgart, verspricht aber, dass „alles pünktlich fertig sein wird“.

Pünktlich bedeutet in diesem Jahr bis Freitag, 15 Uhr. Zum ersten Mal wird Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) den Fassanstich bereits am Freitagnachmittag vollziehen und die erste gezapfte Maß an den Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) übergeben. Außerdem neu: vor dem Fassanstich wird auf dem gesamten Gelände kein Bier zu kaufen sein – weder in den Festzelten noch in den Imbissen. „Die Eröffnung ist der wesentliche Mittelpunkt vom Volksfest und deswegen soll der Fassanstich auch tatsächlich am ersten Fass erfolgen“, sagt Kroll. Sobald dies im Dinkelacker-Zelt geschehen ist, wird ein Bote es auf dem Platz kundtun, sodass der Ausschank beginnen kann. Ein Feuerwerk an der Fruchtsäule signalisiert zusätzlich den Beginn.

Das Volksfest hat sich gut entwickelt

Werner Klauss, Sprecher der Wasenwirte, macht einen entspannten Eindruck. „Es läuft alles nach Plan“, sagt er und lässt seinen Blick durch das Festzelt schweifen. Genau wie seine Kollegen ist er stolz darauf, wie sich das Volksfest in den vergangenen Jahren entwickelt hat. „Wir haben viel investiert und können unsere Zelte stolz vorzeigen“, sagt er. Der Wasen habe sich weiterentwickelt, sagt er, die Abendreservierungen für die Zelte seien stetig gestiegen. Die Investitionen in neue Zelte hätten sich gelohnt. „Wir ernten jetzt die Früchte der jahrelangen Arbeit“, sagt er. Ausruhen wolle man sich auf diesen guten Ergebnissen aber nicht, sagt Klauss. „Jetzt gehen wir die Mittagsreservierungen an – mit denen stehen wir noch da, wo wir mit den Abendreservierungen vor 15 Jahren waren.“

Über konkrete Zahlen will an diesem Vormittag niemand gerne sprechen. Nicht Andreas Kroll über die zu erwartende Besuchermenge, noch Werner Klauss über den zu erwartenden Bierausschank. „Realistisch rechnen wir mit 3,5 Millionen Besuchern und mit dieser Zahl sind wir letztendlich auch zufrieden“, sagt Geschäftsführer Kroll schließlich. Das ist keine Überraschung, hat sich die Besucheranzahl in den vergangenen Jahren doch zwischen drei und vier Millionen eingependelt. Der Sprecher der Wasenwirte, Werner Klauss, sagt, es würde „viel Bier“ ausgeschenkt werden und lacht dabei. Immerhin nennt er konkrete Preise für die Maß: „Zwischen 9,10 und 9,50 Euro wird in den Zelten verlangt. Wir haben im Vergleich zum vergangenen Jahr um 30 Cent erhöht.“

Der Verkehr könnte zum Problem werden

Bis zu 100 Polizisten werden auf dem Festplatz im Einsatz sein, sagt Thomas Engelhardt, der Leiter des Polizeireviers Bad Cannstatt. Der Schwerpunkt der Beamten soll dabei auf dem Verhindern von Gewalttaten und dem Jugendschutz liegen. „Außerdem trifft uns die Verkehrsproblematik in diesem Jahr in erhöhtem Maße“, sagt Engelhard. Will heißen: durch das gleichzeitig stattfindende Landwirtschaftliche Hauptfest (LWH) ist der ohnehin schon begrenzte Parkraum noch knapper. „Noch ein Grund mehr, das Auto zu Hause stehen zu lassen und mit dem Öffentlichen Nahverkehr anzureisen“, appelliert Engelhardt an die Volksfestbesucher.