Cannstatter Wasen verliert sein Unikat Kein Weinzelt mehr beim Volksfest

Von Frank Rothfuß 

Die Weinfreunde haben beim Volksfest keine Heimat mehr: Die Familie Zaiß wird ihr Zelt nicht mehr auf dem Cannstatter Wasen aufbauen.

Andreas Zaiß (re.) beim Fassanstich 2019 im Weinzelt Oberamt mit dem Bad Cannstatter Schultes Bernd-Marcel Löffler. Foto: Edgar Rehberger
Andreas Zaiß (re.) beim Fassanstich 2019 im Weinzelt Oberamt mit dem Bad Cannstatter Schultes Bernd-Marcel Löffler. Foto: Edgar Rehberger

Stuttgart - Das Cannstatter Volksfest verliert sein einziges Weinzelt. Wirt und Wengerter Andreas Zaiß hat beschlossen, sein Cannstatter Oberamt künftig nicht mehr auf dem Wasen aufzubauen. Dieses Jahr wäre ohnehin durch die Corona-Pandemie Pause gewesen, das Volksfest wurde abgesagt. Offenbar nutzte Zaiß die erzwungene Auszeit, um auch über die fernere Zukunft nachzudenken. Schön länger habe er sich mit dem Gedanken getragen, „die Absage hat nun meine Entscheidung beschleunigt“.

Wer ein Zelt auf dem Wasen besucht, der wird den Wirt immer gut gelaunt und strahlend vorfinden. Doch manches Mal ist das auch nur schöner Schein, gute Miene zum bösen Spiel. Die Sorgen zeigt man den Gästen nicht. Andreas Zaiß war offensichtlich seit einiger Zeit am Überlegen, ob Aufwand und Ertrag noch in einem für ihn erträglichen Verhältnis zueinander stehen: „Die Auflagen nahmen in den vergangenen Jahren ständig zu, der Aufwand und auch die Sorge vor einem Terrorangriff wurden immer größer. Da überlegt man sich schon, ob sich die Investitionen überhaupt noch lohnen.“

Seit 1988 beim Volksfest

Sein Vater Dieter und sein Onkel Siegfried hatten 1988 den Schritt auf den Wasen gewagt. Der 2010 verstorbene Dieter Zaiß war ein Mann mit vielen Talenten. Ende der 60er Jahre hatte er von seinen Eltern die Weinberge in Münster übernommen. Doch Wengerter allein, damit war Dieter Zaiß nicht ausgelastet. Er betrieb die Weinstube Zaiß, schenkte beim Sechstagerennen, beim Lichterfest oder bei Hocketsen im eigenen Weinkeller aus. Von Anfang an war er beim Weindorf dabei, 1988 drängte es ihn auch aufs Volksfest. „Einen Liter Wein pro Tag kann ein Mensch ohne Schaden trinken“, hat er mal im Rundfunk erklärt, damals der Medizin weit voraus. Getreu dieser Devise wollte er die Biertrinker auf dem Wasen bekehren. Aus den Resten des im Jahr zuvor abgerissenen Cannstatter Oberamts baute er auf dem Wasen aus den 500 Jahre alten Balken ein gleichnamiges Holzhaus.

Ein Weindorf im Weingut

Nun endet dieses Kapitel. Andreas Zaiß wird es aber sicher nicht langweilig werden, die Weinberge, die Weinstube und der Weinkeller wollen bewirtschaftet werden. Und aufs Weindorf will er auch nicht verzichten. Das wurde zwar abgesagt, in seinem Weingut will Zaiß allerdings drei Lauben für gut 300 Gäste aufstellen und so vom 20. August zum eigenen Weindorf laden. Ganz im Sinne seines Vaters, der über eifrige Weintrinker immer sagte:

Hast Du Riesling in der Blutbahn

bist Du sexy wie ein Truthahn!




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