Car Friday auf der Waldau Die Auto-Tuner bleiben lieber legal
Die Freunde frisierter Autos fühlen sich von Rasern in Verruf gebracht. Beim alljährlichen Treffen unterm Fernsehturm zeigen sie trotzdem ihr Faible für „optimierte Autos“.
Die Freunde frisierter Autos fühlen sich von Rasern in Verruf gebracht. Beim alljährlichen Treffen unterm Fernsehturm zeigen sie trotzdem ihr Faible für „optimierte Autos“.
Die Jungs mit der Leidenschaft für schnelle Autos haben es nicht eilig am Karfreitag, erst allmählich füllt sich der Parkplatz unterm Turm. Nicht nur mit Autos, sondern auch mit Pavillons, was schon mal zeigt: Das hier wird nicht so ein kurzer Hallo-Treff, sondern eher ein Event, der auch zum längeren Boxen-Stopp werden darf. Denn für die Szene ist das alljährliche Treffen Kult. Darüber hinaus ist es eine Art bundesweite Saison-Eröffnung, seit ein mit postreligiöser Ironie jonglierender Witzbold den Fixtermin Karfreitag ungeniert zum „Car-Freitag“ umgetauft hat. Was aber ist „die Szene“?
„Die Szene sind wir!“ tönt frohgemut eine Grüpplein gleich am Eingang, wobei die drei Autos, zwei BMW und ein VW Golf, auf den ersten Blick ziemlich unspektakulär wirken. Und dann haben sie auch noch alle Hände damit zu tun, den großen Pavillon aufzuklappen und am Davonfliegen zu hindern. Danach wollen sie mal ganz deutlich machen, weshalb sie sich für „die wahre Szene“ halten. Und warum sie nicht verwechselt und „nicht in einen Topf geworfen werden wollen mit Idioten, die meinen, sie müssten auf der Straße Rennen fahren“. Schon vergangenes Jahr sei das so gewesen, als hier unterm Turm die Fahrzeuge von der Polizei aus dem Verkehr gezogen wurden. „Wegen ein paar Deppen, die sich nicht an die Regeln halten“, sagen sie. Dabei sei völlig unter den Tisch gefallen, dass unterm Fernsehturm einfach 300 Leute ihren Spaß an schönen Autos teilen wollten.
Und dieses Jahr werde wahrscheinlich „alles noch nervöser“ sein. Klar, vor dem Hintergrund des kürzlichen Raserunfalls in Ludwigsburg, bei dem zwei junge Frauen zu Tode gekommen sind. Klar, das sei eine Tragödie, sagt Patric aus Rutesheim, angehender Kfz-Meister. Solche Katastrophen würden von Leuten verursacht, die übermotorisiert, unterbelichtet und unverantwortlich seien, sagt er. Danach würden getunte Autos verschärft kontrolliert: „Und wir haben wochenlang Kopfschmerzen, weil wir mit diesen Affen in einen Topf geworfen werden“.
Auch Merlin aus Mosbach, Kfz-Mechatroniker, geht in dieser Gruppe scharf ins Gericht mit den Schau-Fahrern, den so genannten Posern, die fast identisch seien mit den Rasern: „Diese oft blutjungen Kerls nehmen den Sportwagen vom Daddy oder leasen einen solchen. Dann laden sie vor den Clubs Mädels ein, dass ich mich frage, was die Eltern denen beigebracht haben“, sagt er: „Und dann fahren sie mit Autos, die schneller sind, als das Hirn fasst, fliegen und schießen sich und andere ab.“ Schwachsinn sei das, und absolut kriminell.
Und so wollen sie die Spreu vom Weizen getrennt sehen: „Die posen mit ihren Karren, wir aber leben mit unseren Autos. Die haben keinen Bezug und kennen auch den Wert nicht wirklich. Wir aber haben oft hunderte von Stunden ins Fahrzeug gesteckt“, sagt Patric, der seinen VW Golf 4 individuell optimiert hat, wie er sagt. Das heißt: vorne sportliche Schalensitze mit Vier-Punkt-Gurten, den Rücksitz rausgenommen und einen Bügel als Stabilisator reingebaut, dem ganzen also „ein vernünftiges Fahrwerk verpasst“, wie er mit einem Schmunzeln hinzufügt. Das Ergebnis: „Man verliert Komfort, gewinnt aber Sportlichkeit und Sicherheit.“ Letzteres auch, weil er sich für vorne Porsche-Bremsen gegönnt hat. Und dann betont er, was für die Szene wichtig sei: „Alles legal, alles eingetragen. Alles andere ist Mist.“ Und keine schwarzen Schafe hier? „Falls ja, ist ja die Polizei hier. Und das ist gut so.“
Nachdem im vergangenen Jahr eine Reihe von Fahrzeugen aus dem Verkehr gezogen werden musste, hat sich die Bilanz für die Polizei kurz vor Schluss des Treffens deutlich verbessert: Vor Ort wurden gut 40 Fahrzeuge kontrolliert und dabei 18 Beanstandungen festgestellt. Etwa eine veränderte, aber nicht im Fahrzeugbrief eingetragene Radreifen-Kombi oder ein dunkel foliertes Rücklicht. Es mussten aber keine Fahrzeuge eingezogen werden. Dazu stellte Polizeisprecherin Kara Starke fest: „Wir gehen davon aus, dass die allgemein verstärkten Kontrollen und unsere Präsenz hier vor Ort Wirkung zeitigen.“